ENERGIEKOSTEN

Kunden zahlen mehr, obwohl der Gaspreis fällt

Die Energiekosten rauschen in den Keller, weil in der Corona-Krise weniger verbraucht wird. Doch nur wenige Versorger geben die günstigen Konditionen weiter. Das hat bei Erdgas vor allem einen Grund.
Am Gaszähler konnten die Kunden sehen, wie ihr Verbrauch zurück ging.
Am Gaszähler konnten die Kunden sehen, wie ihr Verbrauch zurück ging. Stephan Jansen
Neubrandenburg.

Das hat es seit elf Jahren nicht mehr gegeben: Seit Januar sind die Preise für Erdgas-Neuverträge um 5,8 Prozent gefallen. Dem Vergleichsportal Verivox zufolge spart eine vierköpfige Familie bei der Jahresrechnung durchschnittlich 70 Euro, wenn sie im Juni ihren Liefervertrag abgeschlossen hat und nicht zu Jahresbeginn. Laut dem Vergleich kommt aber der niedrige Gaspreis nur bei einem geringen Teil der Haushalte an. Insbesondere freie Anbieter böten die günstigsten Konditionen.

Bei den Stadtwerken und anderen Grundversorgern sei die Zahl der Haushalte mit erhöhten Gastarifen dagegen doppelt so hoch, wie die Zahl der Familien mit günstigeren Konditionen. Unter dem Strich stehe ein durchschnittliches Plus von 0,3 Prozent seit Jahresbeginn. In der Grundversorgung befinden sich alle Haushalte, die keinen Sonderliefervertrag abgeschlossen haben.

Kunden können um geringere Preise bitten

Aber auch für diese Verträge mit Preisgarantie gegen weitere Erhöhungen wird die Luft dünner. „Man darf natürlich die niedrigen Tagespreise für Erdgas nicht mit den Tarifen in den Jahresverträgen vergleichen“, sagt Adrian Freytag, Energieexperte der Verbraucherzentrale in Rostock. Er kennt die Argumente der Versorger, die sich auf ihre langfristigen Lieferverträge berufen, wenn Kunden günstigere Preise fordern. „Es lässt sich schon eine gewisse Tendenz beobachten, dass Preissenkungen auf den Weltmärkten zögerlicher an die Kunden weiter gegeben werden als Erhöhungen“, meint Freytag. Er rät, auf den Versorger mit der Bitte um Preissenkung zuzugehen oder sich in Vergleichsportalen günstigere Angebote zu suchen.

Gemeinsam mit seiner Einkaufsgemeinschaft von acht Stadtwerken beobachtet Frank Schmetzke die Talfahrt. „Wenn es alles gut geht, können wir davon etwas im kommenden Jahr an unsere Kunden weitergeben“, sagt der Geschäftsführer der Neustrelitzer Stadtwerke. Jetzt werde das Gas für 2021 gekauft. „Aber nicht alles auf einmal, um uns von Spekulation fernzuhalten“, betont er. Allerdings bestünden etwa 60 Prozent der Energiekosten aus staatlichen Umlagen. Deswegen werde der Spielraum für eine eigenständige Preisgestaltung zunehmend kleiner.

Nach Ansicht von Tobias Federico, Chef des Berliner Analysehauses Energy Brainpool, rauschen die Preise wegen voller Speicher und der erwarteten Wirtschaftskrise nach den Corona-Einschränkungen in den Keller. Ungewisse Aussichten bis ins kommende Jahr hinein sorgten dafür, dass sich der erwartete Gaspreis für 2021 einem historischen Tiefpunkt nähere.

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