Computertomographieaufnahmen der Lunge eines Covid-19-Patienten: Die linke Aufnahme wurde zu Beginn der Behandlung angefertigt
Computertomographieaufnahmen der Lunge eines Covid-19-Patienten: Die linke Aufnahme wurde zu Beginn der Behandlung angefertigt, die rechte 13 Tage später. Die Ausbreitung der weißen Bereiche in der rechten Aufnahme zeigen eine stärke Infektion mit Wassereinlagerungen in der Lunge. Dadurch ist eine künstliche Beatmung notwendig. Sebastian Gollnow
Coronavirus

Sportler leiden an bleibenden Schäden nach Covid-19

Untersuchungen an Tauchern haben ergeben, dass Covid-19 selbst bei milden Verläufen schwere und langfristige Lungenschäden verursachen könnte. Mediziner stehen vor einem Rätsel.
Neubrandenburg

Tauchmediziner haben festgestellt, dass es bei Covid-19-Erkrankungen zu schwerwiegenderen Schäden kommen kann, als zunächst angenommen. Zudem könnte die Sauerstoffbeatmung eines Patienten, dem es gut geht, der aber schlechte Befunde aufweist, zu einer dramatischen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes führen.

Diese Beobachtungen veröffentlichte Frank Hartig, leitender Oberarzt am Innsbrucker Uniklinikum, in einem Leserbrief im Taucher-Fachmagazin „Wetnotes”.

In seinem Brief, in dem er Taucher davor warnt, nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung wieder mit dem Tauchen zu beginnen, beschreibt der gelernte Intensiv- und Notfallmediziner Hartig in eindringlichen Worten, was er in den vergangenen Wochen beobachtete: Er und sein Team stellten fest, dass es bei Corona-Patienten eine „bemerkenswerte Diskrepanz zwischen den Befunden und dem Empfinden” gegeben habe.

Beatmung führte zu Kettenreaktion

„Junge Leute” seien „zu Fuß in die Notfallaufnahme” gekommen, hätten „normale Vitalparameter und benötigen subjektiv keinen Sauerstoff”. Die Untersuchungen aber förderten Schockierendes zutage: Die Behandelnden, so Hartig, hätten beidseitige „Infiltrate in ihren Lungen, die ausschauen, als ob man ein, zwei Tücher in einen Eimer Öl hängt und wieder rauszieht und aufhängt”.

Andere Patienten hätten eine erhöhte Atemfrequenz, die sie kaum selbst bemerkten, „obwohl sie derart schlechte Blutgase haben, dass man laut Lehrbuch unverzüglich an eine Intubation denken sollte”. Als diese Patienten aber mit Sauerstoff versorgt wurden, kollabierten sie: „Ein paar Stunden später liegen viele von ihnen auf der Intensivstation mit Intubation und schwerem Lungenversagen. Das Gefühl, als ob der Sauerstoff irgendeine Kaskade auslöst, haben ganz viele Kollegen. Niemand von uns weiß genau, was hier vor sich geht”, schreibt Hartig weiter.

Bleibende Schäden durch Covid-19?

Eine weitere Beobachtung sei ebenfalls beunruhigend: Sechs Taucher seien fünf bis sechs Wochen nach einer überstandenen Infektion „klinisch gesund” zu einer Nachuntersuchung erschienen. Obwohl alle vollkommen beschwerdefrei seien, wiesen zwei Patienten eine deutliche Sauerstoffunterversorgung auf, zwei weitere zeigten „sehr erregbare Bronchien wie beim Asthmatiker”.

Zwar betont Hartig mehrfach, dass es sich nicht um allgemeingültige Aussagen handle und die Beobachtungen wissenschaftlich aufgearbeitet werden müssten. Eine solche Aufarbeitung sei derzeit im Gange. Hartig befürchtet aber, dass es sich um langfristige, vielleicht sogar irreversible Lungenschädigungen handelt: „Wir wissen nicht, wie viele von den Veränderungen dauerhaft bleiben”, so Hartig. „Oft fällt es beim Anblick der Befunde schwer, an eine völlige Ausheilung zu glauben.”

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