CORONAVIRUS

Peinliche Panne in der Heinsberg-Studie

Die Aussagekraft der Heinsberg-Studie ist offenbar mehr als fraglich. Ein fataler Rechenfehler dürfte für den Ruf des umstrittenen Bonner Virologen Hendrik Streeck schädlich sein.
Professor Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn, steht nach nach einem Rechenfehl
Professor Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn, steht nach nach einem Rechenfehler in der Heinsberg-Studie weiter in der Kritik. Federico Gambarini
Bonn.

Etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland sollen sich laut einer Hochrechnung der Heinsberg-Studie mit dem Coronavirus infiziert haben. Eine Zahl, die offenbar nicht haltbar ist. Recherchen des Südwestrundfunk (SWR) haben ergeben, dass den Wissenschaftlern der Universität Bonn rund um den Virologen Hendrik Streeck offenbar ein Rechenfehler unterlaufen ist. Dieser schmälert die Aussagekraft der Studie enorm.

Demnach könne keine so genaue Dunkelziffer für die Infiziertenzahlen angegeben werden, sondern maximal eine recht breite Spanne – nämlich zwischen mindestens einer Million und bis zu fünf Millionen Infizierten. Ähnliche Werte sind durch das RKI aber bereits seit Wochen bekannt.

Wie viele von den tatsächlich Erkrankten sterben?

In der Heinsberg-Studie wurde in dem vom Coronavirus stark betroffenen Ort Gangelt im Kreis Heinsberg eine großangelegte Untersuchung durchgeführt, um Aussagen über die Dunkelziffer der Infiziertenzahlen sowie die Sterblichkeitsrate in Deutschland zu treffen.

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Was Streeck und seine Kollegen in ihrer Berechnung offenbar nicht berücksichtigt hatten: Unsicherheiten, die Einfluss auf das Ergebnis haben. Zum einen sei die genaue Infektionsrate gar nicht bekannt, zum anderen fehlen auch Informationen dazu, wie viele von den tatsächlich Kranken sterben, erklärt etwa der Tübinger Statistikprofessor Philipp Berens gegenüber dem SWR.

Denn die Sterblichkeitsrate ergibt sich aus dem Anteil der Toten an allen Erkrankten. Nicht nur aus denen, die getestet wurden. Heißt: Es können auch Menschen mit Coronavirus sterben, die nicht getestet wurden und somit nicht in den offiziellen Statistiken auftauchen.

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Statistiker: Wie ein Wetterbericht

Diese Unsicherheit führt dazu, dass die Spannweite, in der das Ergebnis – also die geschätzte Dunkelziffer sowie Sterberate – liegt, deutlich größer ist. In der Statistik nennt man diese mögliche Spannweite zwischen Schätzung und tatsächlichem Ergebnis Konfidenzintervall. Je kleiner das Intervall ist, desto präziser ist die Schätzung. Da aber mehrere Unsicherheiten vorliegen, muss dieses größer sein als von Streeck und Co. angegeben.

Berens vergleicht das Ergebnis der Heinsberg-Studie gegenüber dem SWR mit einem Wetterbericht: Man könne sagen, dass es vielleicht regnet. „Aber vielleicht ist es auch plausibel, dass die Sonne scheint.”

Team der Heinsberg-Studie gibt Fehler zu

Damit ist die besondere Aussagekraft der Studie offenbar dahin, denn auch das RKI gibt seit Wochen eine relativ weite Spanne für die Dunkelziffer der Infiziertenzahlen in Deutschland an. Das Institut um Lothar Wieler geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl etwa elf bis zwanzig mal so hoch ist, wie offiziell bekannt.

Das Team der Heinsberg-Studie gibt zu, dass ein Rechenschritt bei ihrer Untersuchung fehlt. Deshalb sei im veröffentlichten Papier nur eine kurze beispielhafte Hochrechnung veröffentlicht worden.

Der SWR kritisiert, dass die Uni Bonn, die für die Studie verantwortlich ist, die Ergebnisse anders vorgestellt habe. So hatten die Verantwortlichen eine Übertragbarkeit auf das ganze Land klar in den Vordergrund gestellt.

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Kommentare (1)

Hr. Prof. Steeck war mir schon immer suspekt. Gefühlt sitzt der mehr in Talkshows, als am Labortisch. Die medienwirksame Darstellung des Abstrichnehmens am Heinsberger Landrat hat mir dann den "Rest" gegeben.