IDEEN UND VORSCHLÄGE

Pflegeleichte Schottergärten: Alles nur ein „großes Missverständnis“?

Sind die Steinflächen wirklich so praktisch, wie oft gedacht? Gartenbauer und Umweltschützer wollen gemeinsam Lust auf Alternativen machen – auch mit Steinen.
Mit ihrer Mischung aus Gestein und sparsamem Grün gelten Schottergärten als pflegeleicht.
Mit ihrer Mischung aus Gestein und sparsamem Grün gelten Schottergärten als pflegeleicht. Annette Riedl
Neubrandenburg ·

Sie gelten bei vielen als ultimative Grausamkeit und sind trotzdem nach wie vor überaus beliebt: Mit verschiedenen Schottermaterialen mehr oder weniger ansehnlich gestaltete Gärten. Die Diskussion dazu tobt seit Monaten. Zuletzt sind auch noch Kirschlorbeer oder Rhododendron in Verruf geraten, weil diese und weitere Pflanzen nach Ansicht von Umweltschützern wenig Nutzen für Insekten haben und besser einheimischen Gewächsen Platz machen sollten.

Steine und auch Pflanzen wie Kirschlorbeer oder Rhododendron könnten Teil einer ansprechenden Gartengestaltung sein, hatte Olaf Kirsch, Präsident des Landesverbandes der Gartenbaubranche, in unserer Zeitung erklärt. Jetzt haben die Fachfirmen und der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) eine ungewöhnliche Allianz geschmiedet: Beide starten den Versuch, mit praktikablen Alternativen zu den Schottergärten ein Umdenken anzuschieben.

Vorhandene Material kann weiter verwendet werden

„Vorgärten bieten große Chancen für Artenvielfalt und den Schutz des Mikroklimas“, sagt Gerald Jungjohann, Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. Schottergärten seien alles andere als pflegeleicht und daher ein „großes Missverständnis“, heißt es in einem jetzt veröffentlichten gemeinsamen Faltblatt des Verbandes mit dem Nabu unter Hinweis auf einen der wichtigsten Gründe für diese Form der Gartengestaltung. Blätter und Pflanzenwuchs würden die mit Steinen belegten Flächen bald verwahrlost wirken lassen. Gartenbauingenieur Kirsch erklärt den Grund dafür: Mit der Zeit bilde sich auf und zwischen den Steinen durch Laub und Staub eine dünne Humusschicht, die hartnäckigen Pflanzen genügend Nährboden biete.

Für alle, die ihre Steine lieben, haben Gartenbaufirmen und Nabu eine gute Nachricht: Das vorhandene Material kann weiter verwendet werden. „Viele heimische Wildpflanzen lieben steinig-magere Böden“, heißt es als Anregung in dem neuen Faltblatt. Allerdings müsste Folie oder Vlies unter den Steinen entfernt und die Steinschicht aufbereitet werden. Dann, so die Empfehlung, könnte eine Mischung von Wildblumen ausgesät werden. „Einmal etabliert braucht das neue Beet kaum Pflege und erhält sich durch Selbstaussaat“, heißt es.

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