Allergien
Pollenflug bricht alle Rekorde

Die Menge der Pollen steigt dramatisch.
Die Menge der Pollen steigt dramatisch.
Romolo Tavani - Fotolia.com

Jedes vierte Kind in Deutschland leidet an einer Allergie: Heuschnupfen trifft zehn Prozent, Asthma fünf Prozent der Heranwachsenden. Tendenz steigend. Wovor der Allergologe Professor Dr. med. Eckard Hamelmann warnt – und was er Eltern rät.

„Je früher Kinder Heuschnupfen bekommen, desto stärker wächst ihr Risiko zum Asthma”, warnt der Bielefelder Professor Dr. med. Eckard Hamelmann. Früh kausale Therapien anzusetzen sei deswegen besonders wichtig. Der Arzt und Wissenschaftler rät Eltern: „Zeigen sich erste Allergie-Symptome, sollte umgehend eine zielgerichtete Diagnostik und kausale Behandlung beginnen, um die Allergie-Karriere möglichst frühzeitig zu stoppen. Denn Heuschnupfen ist nicht trivial. Er mindert die Lebensqualität der Kinder massiv und führt zu Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit, reduzierter Lernfähigkeit und damit schulischen Problemen.“

Alarmierend: Fast jeder zweite Jugendliche allergisch sensibilisiert

Das bedeutet, das Immunsystem ist durch einen Erstkontakt etwa mit Pollen, Milbenkot oder Nahrungsmitteln in Alarmbereitschaft versetzt und kann bei erneutem Kontakt mit demselben Allergen die typischen Symptome an Haut, Atemwegen, Magen-Darmtrakt oder im schlimmsten Fall auch Herz-Kreislaufsystem zeigen. Oft verbreiten sich die Symptome und weitere Organe werden betroffen. Allergologen sprechen dann vom „allergischen Marsch“. Erschwerend kommt hinzu: Der Pollenflug dauert im Jahresverlauf europaweit etwa zwei Wochen länger als noch vor 30 Jahren und die Pollenmenge steigt ebenfalls dramatisch an. So erreichte der Erlenpollenflug nach Auskunft der Berliner Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst Ende Februar „historische Rekordwerte.” Jetzt sind die hoch-allergenen Birken- und Eschenpollen auf ihrer Hochzeitsreise – mit gefährlichen Folgen gerade für junge Allergiker.

„Wenn wir uns vor Augen führen, dass die Allergieforschung in den vergangenen Jahren einen gewaltigen Erkenntniszuwachs erlangt hat und sehr viele der kleinen Patienten in Deutschland gar keine oder keine angemessene Behandlung erhalten, ist dies nicht nur aus ärztlicher Sicht unverantwortlich“, mahnt Hamelmann. Immerhin übersteigt die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit allergischem Asthma – eine häufige Folgeerkrankung des Heuschnupfens – hierzulande die Zahl der Verkehrstoten.

Allergie-Impfung ab fünf Jahre zugelassen

Aktuell ist die Allergie-Impfung genannt Hyposensibilisierung die einzige Möglichkeit einer kausalen Behandlung. Sie ist auch für Kinder ab fünf Jahren zugelassen und geeignet, so Hamelmann. Ziel ist, das Immunsystem zunehmend an das Allergen zu gewöhnen, auf das es sonst mit gefährlichen Symptomen reagiert. Hierfür erhalten die Patienten geringe Mengen des für sie spezifischen Allergens über einen längeren Zeitraum in steigender Dosierung in Form von Tabletten, Tropfen oder Injektionen. Ist die individuelle Höchstdosis erreicht, wird diese über einen längeren Zeitraum – Ziel sind drei Jahre – weiterhin verabreicht. Bisher erhalten aber noch nicht mal zehn Prozent der betroffenen Kinder diese wirkungsvolle Behandlung, die von den Krankenkassen bezahlt wird, so Professor Hamelmann.

„Kinder mit ihrem jungen Immunsystem sprechen auf die Spezifische Immuntherapie besonders gut an. Schon nach einem Jahr nehmen die quälenden Symptome spürbar ab, und das Asthma-Risiko nach erfolgreicher „Hypo“ vermindert sich deutlich“, so der Allergie-Experte. Erste Ansprechpartner für die Einleitung dieser Therapie sind Kinderärzte mit allergologischer Kompetenz bzw. Zusatzweiterbildung.

 

Weitere Infos zur Deutschen Allergie Liga e.V.: www.mein-allergie-portal.com