Wer ein Elektroauto hat, kann damit ab 2022 mehrere Hundert Euro pro Jahr verdienen (Symbolbild).
Wer ein Elektroauto hat, kann damit ab 2022 mehrere Hundert Euro pro Jahr verdienen (Symbolbild). Hendrik Schmidt
THG-Quote

So verdienen Sie mit Ihrem Elektroauto bares Geld

Besitzer von Elektroautos können durch Emissions-Handel kinderleicht bares Geld verdienen. Aber Achtung, wer nicht aktiv wird, verschenkt jedes Jahr hunderte Euro an den Bund.
Berlin

Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) ist eine komplizierte Wortschöpfung, hinter der sich für Besitzer von Elektroautos* die Möglichkeit verbirgt, jedes Jahr Prämien für ihren Wagen zu erhalten.

Denn wer ein E-Auto fährt, verbraucht im Vergleich zu Verbrennern weniger CO2. Ab dem Jahr 2022 können Privatleute und Flottenbetreiber nun ihre eingesparte CO2-Menge an Unternehmen verkaufen, die Mineralöl in den Handel bringen. Dieser private Handel mit Zertifikaten ist zunächst bis 2030 geplant. Die Prämie wird nach derzeitigem Stand jedes Jahr etwas höher ausfallen und liegt aktuell je nach Anbieter bei 250 bis 350 Euro pro Auto.

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Denn die Autobesitzer treten natürlich nicht jeder für sich in Kontakt mit den Unternehmen. Stattdessen bündeln Vermittler die THG-Quoten der einzelnen E-Autofahrer und verkaufen sie dann an die Mineralölunternehmen weiter. Es finden sich zahlreiche Anbieter dafür im Internet, darunter Fairenergy, Emobia, Smartificate, Maingau Energie, eQuota oder Emovy.

Wie bekommen Sie die Prämien?

Um seine Emissionen zu verkaufen, müssen sich die Besitzer der Elektroautos auf einer der Plattformen registrieren. Dazu sind die Kontaktdaten sowie ein Foto des Fahrzeugscheins notwendig, damit sich keiner mit einem Auto bei mehreren Plattformen anmelden kann. Der Anbieter registriert das Fahrzeug beim Umweltbundesamt und verkauft dann die CO2-Einsparungen an die Mineralölunternehmen.

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Wie hoch dann die Prämie tatsächlich ausfällt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Das Fahrzeugmodell und wo bzw. welcher Strom getankt wird, spielt jedoch keine Rolle. Stattdessen regeln Angebot und Nachfrage den Preis für die Emission. Die Anbieter zahlen auch unterschiedlich hohe Beträge, weil bei einigen ein Teil des Gewinns in nachhaltige Projekte fließt und nicht komplett ausgezahlt wird.

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Je nach Anbieter liegen die garantierten oder in Aussicht gestellten Prämien für das kommende Jahr etwa zwischen 250 und 350 Euro. Ausgezahlt wird das Geld Anfang 2022. Anders als beim CO2-Zertifikate-Handel wird der Preis für die Emission einer Tonne CO2 nicht an der Börse ermittelt, sondern von Händlern auf Basis von Angebot und Nachfrage festgelegt. Für 2023 können also andere Beträge anfallen.

Wer nicht aktiv wird und seinen Wagen bei einem der Vermittler anmeldet, schenkt den Erlös seiner THG-Zertifikate der Bundesregierung. Denn in diesem Fall verkauft der Bund die Zertifikate selbst an die Konzerne und behält das Geld.

Aber wozu das Ganze?

Die THG-Quote soll die CO2-Emissionen im Verkehrssektor reduzieren und so dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen. Mineralölunternehmen dürfen eine bestimmte Menge Treibhausgas emittieren. Diese Menge sinkt jedes Jahr. Aktuell beträgt der geforderte Anteil an klimaneutralen Kraftstoffen sechs Prozent – bis 2030 erhöht er sich auf 25 Prozent. Liegen die Unternehmen über diesen Vorgaben des Gesetzgebers wird entweder eine Strafe fällig (470 bis 600 Euro pro Tonne) oder das Unternehmen kauft sich Emissionsrechte von dritten. So soll der Umstieg auf klimaschonende Antriebsarten beschleunigt werden.

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Denn es wird für die Autoindustrie auf diese Weise teurer, konventionell betriebene Fahrzeuge in den Verkehr zu bringen. Wenn diese Mehrkosten bei den Verbrauchern landen, sinkt für sie die Attraktivität von Autos mit Verbrennermotor – so die Annahme. Gleichzeitig steigt durch die jährliche Bargelbprämie dank der THG-Quote der Anreiz, sich ein Elektroauto anzuschaffen.

Weil die CO2-Quote und die Strafen für die Unternehmen in den nächsten Jahren erhöht werden, dürften auch die Preise für die THG-Quoten noch weiter steigen.

Übersicht der Anbieter bzw. Vermittlungsplattformen bei denen private Elektroautofahrer eine jährliche Prämie erhalten können.

Ohne Gewähr. Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Erlöse können sich im Verlauf der Zeit ändern.

  • Carbonify: 348 Euro (82,5 Prozent der tatsächlichen THG-Quote)
  • Elekrovorteil: bis 400 Euro (Treuebonus 30 Euro für 3 Jahre, Freunde werben Bonus 25 Euro)
  • Emobia: 268 oder 355 Euro (Wahl zwischen fixen Fest-Erlös oder Flex-Option zum Bestpreis)
  • Emovy: 250 bis 300 Euro garantiert
  • E-Quota: bis zu 400 Euro (Wahl zwischen Fest- und Flex-Option)
  • Fairnergy: 275 Euro garantiert
  • Geld für E-Auto: 300 Euro garantiert
  • LOWAGO: 280 Euro garantiert
  • M3E: 255 Euro garantiert
  • Maingau Energie: 260 Euron (nur für E-Auto-Besitzer, die auch Stromkunde der Maingau Energie sind)
  • Quotlix: 300 Euro garantiert
  • Smartificate: 250 Euro garantiert
  • The Mobility House: 250 oder 300 Euro (Nur THG-Quote oder mit Kauf einer Wallbox)

 

*Gemeint sind „reine” Elektroautos. Besitzer von Hybride und Plug-in-Hybride sowie von Wasserstoff- und Erdgas-Autos bleiben also außen vor.

 

Welche Autos werden neu zugelassen?

Im November sind erneut deutlich weniger Autos neu zugelassen worden als im Jahr davor, wie aus den aktuellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) in Flensburg hervorgeht. Demnach kamen im vergangenen Monat 198.258 Pkw neu auf die Straßen und damit rund ein Drittel weniger als im November des Vorjahres.

Auch mit Blick auf das bisherige Gesamtjahr verzeichnet die Branche einen deutlichen Rückgang: Dem Verband der Automobilindustrie (VDA) zufolge sind zwischen Januar und November insgesamt rund 2,4 Millionen Autos neu zugelassen worden – acht Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

„Hauptgrund für die geringeren Zulassungszahlen ist ein deutlich verringertes Produktionsvolumen bei den Herstellern, da der globale Halbleitermangel auch die deutsche Automobilindustrie einschränkt”, teilte der VDA mit.

Lichtblick der Branche bleibt die Entwicklung bei den Elektroautos. 40.270 Fahrzeuge mit rein batterieelektrischem Antrieb wurden laut KBA im November neu zugelassen. Das waren fast 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Inzwischen ist demnach mehr als jede fünfte Neuzulassung ein reines Elektroauto. Damit hat sich der Anteil an den Neuzulassungen zwischen Oktober und November noch einmal deutlich erhöht. Im Vormonat lag er noch bei rund 17 Prozent. Im November waren es mehr als 20 Prozent.

Autor Infobox: dpa

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