STUDIE ZU DROGENKONSUM

Starkes Cannabis kann Psychosen auslösen

Gehören Sie auch zu denjenigen, die den Abend gern mal mit einem „Tütchen” ausklingen lassen und Cannabis als ungefährliches Naturprodukt betrachten? Vielleicht ändert diese aktuelle Studie aus Großbritannien Ihre Meinung zum Marihuanakonsum.
Johanna Horak Johanna Horak
Eine Studie aus Großbritannien zeigt: Täglicher Cannabiskonsum erhöht das Risiko an einer Psychose zu erkranken.
Eine Studie aus Großbritannien zeigt: Täglicher Cannabiskonsum erhöht das Risiko an einer Psychose zu erkranken. Torsten Leukert
London.

Britische Wissenschaftler scheinen nun herausgefunden zu haben, was manch' einer vielleicht schon länger ahnt: Cannabis ist keinesfalls ungefährlich. Den Ergebnissen einer groß angelegten Studie zufolge, die in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet Psychatry” veröffentlicht wurde, steigert sich durch täglichen Marihuanakonsum das Risiko an einer Psychose zu erkranken. Das einige Menschen bei täglichem Cannabiskonsum mit hohem THC-Gehalt ein höheres Risiko haben an Psychosen zu erkranken, das haben allerdings laut Dr. Suzanne Gage von der University of Liverpool schon frühere Analysen gezeigt, wie die "Welt" online berichtete.

Für die aktuell vorliegende Studie haben Wissenschaftler 900 Psychose-Patienten nach ihrem Konsumverhalten befragt. Vergleiche mit einer gesunden Kontrollgruppe hätten nach Angaben der Forschenden gezeigt, dass das Risiko an einer Psychose zu erkranken, bei täglichem Cannabis-Konsum, um das Dreifache höher liege als bei Nicht-Konsumenten.

Je höher der THC-Wert, desto wahrscheinlicher die Psychose

Der Studie zufolge treten Psychosen außerdem fünfmal häufiger auf, wenn es sich um Hanf mit besonders hohem Tetrahydrocannabinol (THC) Gehalt handele. Dieses Ergebnis erhielten die Forscher nach der Analyse der Daten aus elf europäischen Städten. Am deutlichsten zeige sich der Effekt in London und Amsterdam: In beiden Städten sei Cannabis mit einem hohen Gehalt an psychoaktivem THC verfügbar, so die Wissenschaftler. Deutsche Städte wurden bei der Studie nicht berücksichtigt.

Laut der "Welt" enthält Marihuana heute, im Gegensatz zu früher, oft deutlich höhere Mengen des psychoaktiven Wirkstoffs THC. Eine Studie vom Dezember 2018, die sich auf Daten aus der EU, Norwegen und der Türkei bezog, kam zu dem Ergebnis, dass sich der durchschnittliche THC-Gehalt bei Cannabis und Haschisch von 2006 bis 2016 ungefähr verdoppelt habe. Die britischen Wissenschaftler, der Studie im Magazin „The Lancet Psychatry” glauben, dass insgesamt 12 Prozent der Ersterkrankungen an Psychosen verhindert werden könnten, wenn hochpotentes Cannabis vom Markt verschwinden würde.

Schon ein Joint kann reichen

Experten warnen nach Angaben der "Welt" schon seit geraumer Zeit davor, den Cannabiskonsum und die damit einhergehenden Risiken nicht zu unterschätzen. Wer vor dem 15. oder 16. Lebensjahr damit anfängt, Marihuana zu rauchen, könne nach ihrer Ansicht ein deutlich höheres Risiko dafür entwickeln, an einer Psychose zu erkranken, weil der Hirnstoffwechsel durcheinander gerate. Erst vor kurzem ergab eine im „Journal of Neuroscience” veröffentlichte Studie, das bereits das Ausprobieren von Cannabis oder Haschisch Auswirkungen auf das Gehirn von Teenagern haben könnte.

Die aktuelle Studie aus Großbritannien kann allerdings, aufgrund ihres Aufbaus, nicht belegen, dass Marihuana tatsächlich der Grund für mehr psychische Erkrankungen ist. Dr. Suzanne Gage von der University of Liverpool gibt zu bedenken, dass die Studie eine Korrelation zeige und keine Kausalität. Das heißt, es gibt zwar einen statistischen Zusammenhang zwischen dem Cannabiskonsum in einer Stadt und einer höheren Anzahl von Psychosen, ob die Erkrankung aber tatsächlich auf den Konsum der Droge, anderer Drogen oder auf andere unbekannte Faktoren zurückzuführen ist, bleibt letztlich unklar.

Die Ergebnisse der britischen Wissenschaftler passen jedoch zu den Befunden anderer epidemiologischer Studien, die in eine ähnliche Richtung deuten.
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