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Teil 2: Ultraschall ist mehr als nur Babyfernsehen

Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit. Trotzdem werden auch Frauen, bei denen in dieser Zeit keine Komplikationen auftreten, ihren Frauenarzt öfter sehen, also zuvor. Denn um sicher zu gehen, dass es sowohl der werdenden Mutter als auch dem Baby gut geht, gibt es verschiedene Vorsorgeuntersuchungen. „In diesem Punkt ist Deutschland im europäischen Vergleich führend“, sagt Prof. Dr. Marek Zygmunt, Direktor der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Greifswald. Doch was wird dabei untersucht? Sylvia Kuska gibt einen Überblick.

Ultraschall
dpa

 Routinevorsorge

Bei jedem Vorsorgetermin wird eine Urinprobe genommen, um es auf Anzeichen von Krankheiten zu untersuchen. Außerdem werden Gewicht und Blutdruck notiert. In regelmäßigen Abständen wird außerdem das Blut untersucht. So lässt sich unter anderem feststellen, ob die Schwangere immun gegen Röteln und Hepatitis ist oder  ob sie unter Eisenmangel leidet, der dann mit Tabletten ausgeglichen wird. Außerdem wird der Muttermund untersucht.

Das Spannendste an einem Vorsorgetermin ist für viele Schwangere der Ultraschall. Von ihm sind im Laufe der Schwangerschaft drei vorgesehen. Das mag mit Blick auf 40 Schwangerschaftswochen wenig klingen. „Sie reichen aber aus, um eine komplikationslose Schwangerschaft zu überwachen“, sagt Prof. Dr. Marek Zygmunt.

Mit dem Ultraschall kann der Frauenarzt unter anderem erkennen, ob sich die Organe richtig entwickeln, ob das Ungeborene richtig wächst – und, ob es ein Junge oder Mädchen wird. Außerdem ermöglicht er spezielle Untersuchungen  außerhalb der Routinevorsorge. Mit fortschreitender Schwangerschaft werden die werdenden Mütter bei den Untersuchungen für eine halbe Stunde an den Herzton-Wehen-Schreiber, auch CTG genannt, angeschlossen. So werden die Herztöne aufgezeichnet. Außerdem registriert das Gerät, ob vorzeitige Wehen vorhanden sind.

Die Kosten für all diese Vorsorgeuntersuchungen nach den Mutterschutzrichtlinien tragen die gesetzlichen Krankenkassen. Bei privat Versicherten sind sie in der Regel ebenfalls erstattungsfähig, sagt Stephan Caspary. Der Pressereferent vom Verband der Privaten Krankenversicherung weist jedoch auf die achtmonatige Wartezeit hin, vor der erstmals eine Leistung in Anspruch genommen werden kann. Das bedeutet: „Ist die Frau bei Vertragsabschluss bereits schwanger, sind die Kosten grundsätzlich nicht erstattungsfähig.“ Das gilt dann für alle Leistungen rund um Schwangerschaft und Geburt – auch für die Entbindung selbst.

Spezialuntersuchungen

Zusätzlich zur allgemeinen medizinischen Vorsorge bieten Frauenärzte weitere Untersuchungen an. Diese werden unter dem Begriff „Pränatal-Diagnostik“, also vorgeburtliche Diagnostik, zusammengefasst. Mit ihrer Hilfe können beispielsweise Infektionen, Fehlbildungen oder bestimmte Krankheiten schon vor der Geburt  erkannt werden. Das kann beruhigend sein, wenn nichts gefunden wird – aber auch extrem belastend, falls sich Auffälligkeiten zeigen. Oft ziehen solche Ergebnisse Folgeuntersuchungen nach sich.

Zudem bedeutet nicht jeder auffällige Wert, dass ein Kind tatsächlich krank oder behindert sein wird, sagt Prof. Zygmunt. Sie liefern mitunter nur Wahrscheinlichkeitswerte. „Umgekehrt gilt:   Unauffällige Ergebnisse sind keine Garantie für ein gesundes Kind.“

Hinzu kommt: Nicht immer werden Spezialuntersuchungen von der Krankenkasse bezahlt. Das ist häufig nur dann der Fall, wenn sie medizinisch notwendig sind. Die folgende Übersicht gibt einen Überblick über einige Spezialuntersuchungen. „Bevor sich Frauen dafür oder dagegen entscheiden, sollten sie sich stets fragen, welche Konsequenzen das Untersuchungsergebnis für sie hätte“, rät Prof. Zygmunt.

Nackentransparenz-Messung

Zwischen der 12. und 14. Woche hat sich bei jedem ungeborenen Kind Flüssigkeit  in der Nackenhöhe angesammelt.  Mithilfe von Ultraschall kann gemessen werden, ob diese Ansammlung ungewöhnlich stark ist. Das könnte ein Hinweis auf Trisomie 21 sein. Mit diesem Test werden aber nur Risiken eingeschätzt, keine tatsächliche Trisomie 21 nachgewiesen. Die Kosten  betragen ungefähr 30 Euro und werden auch bei Risikoschwangeren nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Ersttrimester-Screening

Auch hier geht es um eine Risikoberechnung in Bezug auf Trisomie 21. Bei dieser Untersuchung wird die Nackentransparanz gemessen und zusätzlich das Blut untersucht.  „Durch diese Kombination wird die Risikoeinschätzung schärfer“, sagt Prof. Zygmunt. Der Ersttrimester-Test wird zwischen der 11. und 13. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Kosten: Um die 150 Euro.

Triple-Test

Das ist ein Bluttest, der zwischen der 14. und 18. Schwangerschaftswoche durchgeführt wird. Mit ihm lässt sich das Risiko ermitteln, dass das Ungeborene ein Down-Syndrom oder einen offenen Rücken hat. Ein auffälliger Befund bedeutet jedoch nicht, dass das Ungeborene tatsächlich auch an einem von beidem leidet. Denn eine Vielzahl von Faktoren – zum Beispiel ein falsch errechnetes Schwangerschaftsalter, Diabetes mellitus  oder Mehrlingsschwangerschaften –  können das Ergebnis beeinflussen.

Die Kosten für Labor und Behandlung betragen insgesamt ungefähr 50 bis 80 Euro. Bei Patientinnen über 35 Jahren übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten. Im Vergleich mit anderen Untersuchungen liefert er jedoch relativ ungenaue Ergebnisse.

Test auf Schwangerschaftsdiabetes

Er wird zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche durchgeführt.  Dazu trinkt man auf nüchternen Magen Zuckerwasser. Über den Zuckerwert im Blut lässt sich eine Schwangerschaftsdiabetes erkennen oder ausschließen. Die Kosten werden seit diesem Jahr generell von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Feindiagnostik

Dieser Ultraschall wird ungefähr zwischen der 19. und  22. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Für diese Untersuchung schickt der Frauenarzt seine Patientin meistens in eine Praxis, die sich auf diese Untersuchung spezialisiert hat. „Diese Untersuchung ist an sich identisch mit dem zweiten Ultraschall, der gewöhnlich in der 20. oder 21. Schwangerschaftswoche beim Frauenarzt durchgeführt wird“, sagt der Klinikdirektor.

In beiden Fällen wird das Kind von Kopf bis Fuß mit all seinen Organen angeschaut und vermessen. Eine Überweisung zur so genannten Feindiagnostik erfolgt meistens dann, wenn der Frauenarzt sich nicht sicher ist, ob eine Auffälligkeit etwas zu bedeuten haben könnte oder wenn eine Risikoschwangerschaft vorliegt. Ohne medizinische Notwendigkeit kostet die Feindiagnostik etwa 200 Euro.

Chorionzottenbiopsie

Sie ist ab der elften Schwangerschaftswoche durchführbar. Um die dafür notwendigen Zellen zu entnehmen, wird eine Hohlnadel durch die Bauchdecke bis zur äußeren Fruchthülle geführt. Durch diese Untersuchung können unter anderem das Trisomie 21, Stoffwechselstörungen und Immundefekte entdeckt werden. Ein erster Befund liegt nach ein bis zwei Tagen vor. Ein weiterer folgt nach etwa zwei Wochen. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen.

Fruchtwasseruntersuchung

Sie wird auch Amniozentese genannt und erfolgt ab der 14. Schwangerschaftswoche. Um an das Fruchtwasser zu gelangen, wird eine Hohlnadel durch die Bauchdecke bis in die Fruchtblase geführt. Auch bei dieser Untersuchung lassen sich unter anderem Trisomie 21, Stoffwechselstörungen und Immundefekte erkennen. Bis das Ergebnis vorliegt, dauert es etwa zwei bis drei Wochen. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Es sei denn, man möchte einen Schnelltest anwenden, der ein erstes Ergebnis schon nach 24 Stunden liefert: Dieser kostet mehr als 100 Euro.

Toxoplasmose-Test

Für ihn wird Blut auf Antikörper gegen Parasiten untersucht, die hauptsächlich über den Kot von Katzen und Hamstern sowie rohes und schlecht gegartes  Fleisch übertragen werden. Eine unbehandelte Toxoplasmose-Erkrankung könnte im schlimmsten Fall zu schweren geistigen Entwicklungsstörungen, Taubheit oder Blindheit führen. Der Test kostet ungefähr 25 Euro. Wer sich infiziert, kann mit Medikamenten behandelt werden.

Test auf Streptokokken B

Diese Bakterien kommen bei vielen Schwangeren in der Scheide vor. Meistens sind sie harmlos. Sie können sich im Zuge der Geburt aber auch im Fruchtwasser ansiedeln. Dann kann sich das Baby damit infizieren. Die Folgen können eine Lungenentzündung oder eine Sepsis sein. Außerdem können sich die Hirnhäute, das Knochenmark und die Gelenke entzünden. Die Bakterien werden über das Blut nachgewiesen. Der Test kostet ungefähr 30 Euro und wird nicht von den gesetzlichen Kassen bezahlt.

Test auf Ringelröteln

Ringelröteln sind eine Viruserkrankung. Sie kommt vor allem bei Kindern vor und  ist leicht ansteckend. Normalerweise ist die Krankheit harmlos. Für Schwangere ist sie jedoch nicht ungefährlich, denn die Viren können bei Ungeborenen die Zahl der roten Blutkörperchen senken. Statistisch gesehen werden Ungeborene etwa in 30 Prozent der Fälle mit Ringelröteln angesteckt.

„Dieser Test ist aus meiner Sicht vor allem für Frauen zu empfehlen, die viel Kontakt mit Kindern haben, Kindergärtnerinnen zum Beispiel, oder Mütter, die schon Kinder haben, die eine Kindereinrichtung besuchen“, sagt Prof. Marek Zygmunt, Direktor der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Greifswald. Er kostet zwischen 15 und 30 Euro.  Bestätigt sich der Verdacht, kontrolliert der Arzt regelmäßig über Ultraschall, ob das Baby sich angsteckt hat. Gegebenenfalls kommt es zu einer Bluttransfusion über die Nabelschnur.

3D-Ultraschall

Mit ihm kann das ungeborene Kind räumlich dargestellt werden. Der günstigste Zeitpunkt dafür liegt zwischen der 25. und 30. Schwangerschaftswoche. „Diese Untersuchung ist aber nur selten medizinisch notwendig. Es gibt nur wenige Indikationen, bei denen sie medizinisch Sinn machen“, sagt Prof. Zygmunt. Ist die Untersuchung notwendig, zahlt die gesetzliche Kasse. Wer sich dagegen nur aus Neugier anschauen möchte, ob sein Baby die Nase von Papa oder Mama hat, muss die Kosten dafür selbst tragen. Sie liegen bei mehr als 100 Euro.