Bei Kindern

Tod durch Ertrinken häufiger als durch Corona

Angesichts der anhaltenden Debatte um die Schließung von Schulen und Kitas wegen Covid-19 warnt ein Kinderärzte-Verband vor Panikmache – mit bemerkenswerten Zahlen.
Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) warnt vor Panikmache bei der Hospitalisierung und Mo
Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) warnt vor Panikmache bei der Hospitalisierung und Mortalität von Kindern mit Covid-19. Patrick Pleul (Symbolfoto)
Berlin

Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) ist frei übersetzt so etwas wie der Dachverband für das Thema Infektionskrankheiten bei Kindern – das Coronavirus ist auch dort seit gut einem Jahr bestimmendes Thema. Trotzdem tritt der Verband jetzt auf die Bremse, was die aktuelle Debatte um die Gefährlichkeit des Virus für Kinder und Jugendliche angeht. Bereits am Sonntag hat die DGPI zu diesem Thema eine Pressemitteilung veröffentlicht.

Risiko durch Verkehrsunfälle deutlich höher 

Darin betonen die Experten zwar, sie wollten das Virus keinesfalls verharmlosen, besorgten Eltern aber einen Teil ihrer Ängste nehmen. Anhand eines Registers, in dem Kliniken seit März 2020 jedes stationär im Krankenhaus behandelte Kind eintragen sollen, weisen die Ärzte auf die insgesamt niedrige Zahl tödlicher Covid19-Verläufe bei Kindern hin. In der Mitteilung heißt es: „Seit Beginn des Registers im März 2020 wurden insgesamt 8 verstorbene Kinder gemeldet, davon waren 3 Kinder in einer palliativen Situation verstorben, in einem Fall war die Einordnung nicht möglich. Bei insgesamt 4 Kindern wurde COVID-19 als Todesursache festgestellt.“

Zwar stellen die Ärzte klar, dass „jeder einzelne Fall eines schwer erkrankten oder verstorbenen Kindes an einer SARS-CoV-2-Infektion ein Fall zu viel“ sei und „ein unerträgliches Einzelschicksal für Kind und Familie“ darstelle. Gleichwohl rücken die Mediziner die Zahlen mit folgenden Vergleichswerten gerade: „In der Saison 2018/19 wurde Influenza bei neun Kindern als Todesursache gemeldet“, schreiben sie in ihrer zwischenzeitig aktualisierten Mitteilung. Ursprünglich war dort von 126 an Influenza verstorbenen Kindern die Rede. Diese Zahl, die sich allerdings auf die USA beziehen, wurde irrtümlich übertragen, wie der Gesellschafts-Vorsitzende Professor Dr. Johannes Huebner dem Nordkurier erklärte. In der Erklärung werden dann weitere Risikovergleiche vorgenommen: „Nach Angaben des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur lag im Jahr 2019 die Zahl der durch einen Verkehrsunfall getöteten Kinder bei 55, nach Angaben der DLRG die Zahl der ertrunkenen Kinder bei 25.“

Die Kinderärzte betonen: „Diese Zahlen sollen und dürfen keinesfalls gegeneinander aufgerechnet werden, mögen aber bei der Einordnung helfen.“

„Eltern übergroße Sorgen vor schwerem Krankheitsverlauf nehmen“

Insgesamt kommen die DGPI-Kinderärzte zu folgendem Schluss: „Die nun seit Beginn der Pandemie gemachte Beobachtung, dass von den schätzungsweise 14 Millionen Kindern und Jugendlichen in Deutschland nur etwa 1200 mit einer SARS-CoV-2-Infektion im Krankenhaus (< 0,01%) behandelt werden mussten und 4 an ihrer Infektion verstarben (< 0.00002%), sollte Anlass sein, Eltern übergroße Sorgen vor einem schweren Krankheitsverlauf bei ihren Kindern zu nehmen.“

Damit stärken die Kinderärzte indirekt auch ihrem Neubrandenburger Kollegen Sven Armbrust den Rücken. Der Chef der Kinderklinik im Dietrich-Bonnhoeffer-Klinikum hatte in den vergangenen Wochen wiederholt für Wirbel gesorgt, weil er vor Panikmache im Umgang mit dem Virus warnte und forderte, die Schulen und Kitas nicht zu schließen. Auch aus den eigenen Reihen war Armbrust für diese Auffassung kritisiert worden.

Weiterlesen: Pfarrer aus der Uckermark lädt Sven Armbrust ein

Der Artikel ist am 21.04.2021 um 17:07 Uhr um die korrigierte Information zu den Zahlen im dritten Absatz ergänzt worden.

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