WHO

Wahrscheinlich verschwindet Corona nie wieder

In die allmähliche Lockerung der Corona-Maßnahmen mischt sich zunehmend Sorge. Experten der Weltgesundheitsorganisation kommen nun mit einer Hiobsbotschaft.
Michael Ryan, Nothilfekoordinator der WHO, bezweifelt, dass die Menschheit das Coronavirus besiegen kann.
Michael Ryan, Nothilfekoordinator der WHO, bezweifelt, dass die Menschheit das Coronavirus besiegen kann. Martial Trezzini
Genf.

In der Bevölkerung scheint sich eine Art Corona-Müdigkeit breitzumachen. Viele Bürger haben die geschlossenen Schulen, Freizeiteinrichtungen, Restaurants und Geschäfte satt. Ganzen wirtschaftlichen Branchen geht mittlerweile die Puste aus. Und in der Gesellschaft formiert sich ein Widerstand gegen die Maßnahmen, die im Zuge der Corona-Pandemie eingeführt wurden, der schon jetzt weit über das übliche Maß an Verschwörungsgläubigen und Dauernörglern hinaus geht. Es ist abzusehen, dass weitere Teile der Bevölkerung mit der einsetzenden Sommerwärme in der kommenden Woche die Lust an der Corona-Askese verlieren werden.

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Mitten in diese allgemeine Aufbruchsstimmung kommt nun eine Nachricht, die die Gemengelage explosiv werden lassen könnte: Nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Wahrscheinlich nämlich sehr gering, dass es der Menschheit jemals gelingt, das Coronavirus auszurotten. „Dieses Virus kann in der Bevölkerung heimisch werden, es kann sein, dass es nie mehr verschwindet”, warnt Michael Ryan, Nothilfekoordinator der WHO.

Corona-Maßnahmen könnten dauerhaft bleiben

Ryan stellt einen Vergleich mit der Immunschwächekrankheit Aids an, die durch das HI-Virus ausgelöst wird. HIV sei zwar nie wieder verschwunden, so Ryan, aber es habe durch Medikamente und weltweite Präventionsmaßnahmen seinen Schrecken verloren. „Ich will die Krankheiten nicht vergleichen, aber wir müssen realistisch sein”, sagt Ryan.

Mit anderen Worten: Gewisse Corona-Maßnahmen könnten von nun an nicht nur Teil unseres Alltags werden, sondern bleiben. Präventionsmaßnahmen gegen HIV wie die Benutzung von Kondomen wurden seit den ersten Ausbrüchen des Virus in den 1980ern weltweite Norm, andere Maßnahmen wie Einreisesperren für HIV-Infizierte wurden irgendwann aufgehoben.

Ähnlich könnte es sich mit Corona-Maßnahmen verhalten: Drastische Maßnahmen wie Schulschließungen und das Herunterfahren der Wirtschaft werden aufgehoben, aber andere – zum Beispiel eine Isolierung von möglicherweise Infizierten, eine Maskenpflicht in öffentlichen Transportmitteln, ein Recht auf Homeoffice oder regionale Lockdowns in einem größeren Ausbruchsfall – könnten sich langfristig durchsetzen.

Impfskepsis könnte Sieg über Corona vereiteln

Wie genau die Welt nach Corona aussehen wird, hängt stark davon ab, welche Medikamente und Impfstoffe letztendlich entwickelt werden. Doch nach Ansicht der WHO ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass gesellschaftliche Veränderungen noch abgewendet werden können. Es gebe nur eine kleine Chance, so WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan, dass das Virus eliminiert werden könne.

Dafür müssten mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein: Es müsse ein hocheffektiver Impfstoff gefunden werden, er müsse im ausreichenden Maß hergestellt und in aller Welt verteilt werden und die Menschen müssten einverstanden sein, sich impfen zu lassen. „Jeder einzelne dieser Schritte ist voller Herausforderungen”, so Ryan.

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6000 Masern-Tote im Kongo

In diesem Zusammenhang kritisierte Ryan zudem die verbreitete Impfskepsis, die einige Länder der westlichen Hemispähre, darunter auch Deutschland, ergriffen zu haben scheint. Zudem mangele es in anderen Weltgegenden an den fehlenden Mitteln für gute Gesundheitssysteme. „Wir haben ja sehr effektive Impfstoffe auf diesem Planeten, die wir nicht effektiv eingesetzt haben”, sagte er mit Verweis auf die Masern. Die Zahl der Masernfälle weltweit steigt seit einigen Jahren wieder. Zuletzt hatte ein Masernsausbruch in der Demokatischen Republik Kongo in Zentralafrika zu 6.000 Toten geführt.

Mit den richtigen Maßnahmen zur Erkennung von Corona-Infizierten, der Isolierung von möglicherweise Angesteckten und effektiver Behandlung könne das Virus unter Kontrolle gebracht werden, betonte WHO-Expertin Maria van Kerkhove. Es werde mit Hochdruck an Impfstoffen und Medikamenten gearbeitet.

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Kommentare (1)

doch die Aussage, das die Beschränkungen bleiben würden befeuert ja doch die Verschwörungstheoretiker. Mich macht die ständige Änderung der Grenzwerte und solche Aussagen doch ziemlich vorsichtig im Bezug auf die Glaubwürdigkeit unserer Politiker!