GESUNDE KINDER

Warum Eltern die U-Untersuchungen ihrer Kinder nicht verpassen sollten

Kinder haben vom ersten Tag an ein Recht auf Gesundheitsschutz. Ein Dutzend Vorsorgeuntersuchungen steht bis ins Jugendalter an. Was muss beachtet werden?
Für das erste Lebensjahr werden sechs Vorsorgeuntersuchungen empfohlen.
Für das erste Lebensjahr werden sechs Vorsorgeuntersuchungen empfohlen. Andrea Warnecke
Neubrandenburg.

Kaum ist ein Baby auf der Welt, muss es zum Arzt – und schon Tage später das nächste Mal. Das bleibt so, alle paar Wochen, Monate und schließlich Jahre steht eine Vorsorgeuntersuchung an, die von den Kassen finanziert wird, sofern Eltern das vorgesehene Zeitfenster einhalten. Ein Dutzend U-Untersuchungen gibt es, dazu Impftermine und erste Zahnarzt-Besuche. Doch warum eigentlich?

„Bei den Vorsorgeuntersuchungen geht es vor allem darum, Krankheiten und Entwicklungsstörungen möglichst früh zu entdecken”, erklärt Ingeborg Krägeloh-Mann, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und Ärztliche Direktorin der Universitätskinderklinik Tübingen. Die Aussichten auf Heilung seien besonders groß, wenn eine Krankheit frühzeitig entdeckt werde.

Deshalb werden Kinder beim U-Termin zum Beispiel immer gemessen und gewogen. Ist das Kind für seine Größe zu leicht, kann das ein Hinweis auf eine Unverträglichkeit sein – Zöliakie etwa. „Dann kann man eingreifen, bevor sich daraus wirklich schwere Krankheiten entwickeln”, sagt die Kinderärztin. Doch längst nicht jedes Leichtgewicht hat eine Unverträglichkeit. „Es kann auch einfach daran liegen, dass ein Kind nicht so gerne essen möchte”, erklärt sie. „Und das braucht dann eine ganz andere Intervention.”

Sechs Termine im ersten Jahr

U1 bis U6 sind dabei im ersten Lebensjahr vorgesehen. Am Ende des zweiten folgt die U7, am Ende des dritten die U7a, die vor einigen Jahren neu eingeführt wurde. Ein Jahr später geht es zur U8, ab dem fünften Geburtstag zur U9. Die U10 folgt im frühen Grundschulalter, die U11 um den 10. Geburtstag herum. In der Pubertät werden zwei Termine empfohlen, die J1 (zwischen 12 und 14) und J2 (mit 16). Um Eltern an die regelmäßigen Checks zu erinnern, versenden Gesundheitsämter seit einigen Jahren Einladungen.

Bei der Vorsorge geht es aber nicht nur um die körperliche Entwicklung, sondern auch um die geistige und motorische. Auch das soll helfen, Krankheiten und Entwicklungsstörungen früh zu entdecken. „Es gibt bei der Entwicklung von Kindern keinen Fahrplan und keine feste Reihenfolge”, erklärt Bettina Lamm vom Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung. „Manche krabbeln erst und sitzen dann, bei anderen ist es umgekehrt. Einige krabbeln nie, sondern robben nur – und laufen danach gleich.”

Jedes Kind hat sein Tempo

Eltern sollten sich keine Sorgen machen, wenn sich ihr Kind Zeit lässt bei der Entwicklung. „Es gibt Kinder, die überall schnell sind, es gibt Kinder, die überall eher langsam sind”, sagt Bettina Lamm. Doch auf keinen Fall könne man sagen, dass Kinder, die mit neun Monaten schon laufen, später auch die besten Sportler werden. Das regelmäßige Gespräch der Eltern mit dem Kinderarzt ist eine gute Gelegenheit, Fragen zu stellen und Zweifel auszuräumen.

Zu guter Letzt gibt es noch einen eher traurigen Grund für die U-Untersuchungen: die Frage, ob ein Kind vernachlässigt wird. „Es eine Verpflichtung der Gesellschaft, mit auf Kinder aufzupassen, bei denen die Eltern das nicht können”, betont Ingeborg Krägeloh-Mann.

Eine gesetzliche Pflicht zum Besuch der Untersuchungen besteht nicht. Doch wenn jemand nie zur Vorsorge erscheint, könnte das Jugendamt nachfragen. Kitas oder Schulen können zudem einen Beleg über die Teilnahme an den Untersuchungen verlangen.

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