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Haustiere

Warum Hunde gern ihre Herrchen und Frauchen nachäffen

Bad Bramstedt / Lesedauer: 3 min

Wenn Frauchen gähnt, reißt Struppi das Maul auf. Und wenn Herrchen meckert, kläfft Bonnie mit. Hunde halten uns den Spiegel vor.
Veröffentlicht:08.08.2022, 14:53
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„Das Leben mit Hund besteht zu 90 Prozent darin, sich gegenseitig hinterherzulaufen, um zu schauen, was der andere wohl gerade frisst.“ Mag sein, dass diese Weisheit etwas übertrieben ist. Eines jedoch stimmt: Nicht nur wir beobachten unsere Fellnasen, sondern sie umgekehrtauch uns. „Ständig!“, sagt Tierpsychologin Patricia Lösche.

Warum sie das tun? Zum einen, weil es ihr Job ist. Zum anderen aber auch, weil 15.000 Jahre Domestikationsgeschichte für eine gewisse Affinität gesorgt hätten: „Hunde scannen das Umfeld besonders intensiv und schauen, wo Veränderungen sind. Sie wollen sich sicher fühlen, als Teil des Systems, und müssen sehen, dass sie darin ihren Platz behalten.“ Im Umkehrschluss heißt das: Je weniger sie mitbekommen, je unaufmerksamer sie sind, desto weniger Bedeutung haben sie in der Gemeinschaft. Das wollen beziehungsweise müssen sie vermeiden.

Doch Hunde können uns nicht nur beobachten. Manche Hundebesitzer meinen sogar, sie können fühlen, was wir denken. „Das ist vielleicht ein bisschen zu viel gesagt“, sagt die Verhaltensbiologin Stefanie Riemer von der Schweizer „HundeUni – Wissenschaft trifft Praxis“. „Aber sie können wahrnehmen, was wir fühlen.“ Denn in der Forschung gebe es definitiv Hinweise, dass Hunde zu Empathie fähig sind.

Beobachten hilft dabei, Gefahren zu erkennen

Belege für die „mitfühlende Empathie“ konnten bei Studien festgestellt werden, in denen Hunde mit einer fremden, weinenden Person konfrontiert wurden. Statt unsicher zu reagieren und sich an die eigene Bezugsperson zu wenden, hätten sich viele Hunde tatsächlich um die weinende Testperson gekümmert.

Der Sinn dahinter ist eindeutig. Denn sowohl Hunde als auch Menschen sind sehr soziale Lebewesen. „Da ist es von Vorteil, sich in andere hineinversetzen zu können, um vorherzusehen, wie der andere gleich handeln wird.“ Es hilft, zu merken: Wenn der andere zornig ist und ich näherkomme, werde ich attackiert. Ein zweiter Vorteil: Wenn ich andere beobachte und sehe, wie diese auf etwas Neues reagieren, das gefährlich sein könnte, muss ich nicht selbst noch diese Erfahrung machen.

Seelenleben wird gespiegelt

Im Lauf der Domestikationsgeschichte hätten sich Hunde darauf spezialisiert, uns Menschen gut lesen zu können. „Und sie wissen, was unser fürsorgliches Verhalten ihnen gegenüber verstärkt, wenn sie auf unsere Emotionen reagieren“, so die Verhaltensbiologin.

Doch auch spontan wird unser Seelenleben gespiegelt. Etwa dann, wenn wir unserem Nachbarn begegnen, den wir nicht leiden können. Und wenn der Hund ihn anknurrt, obwohl wir selbst scheinbar freundlich sind. „Unsere emotionale Grundeinstellung haben wir nicht unter Kontrolle“, so die Expertin. Bevor wir handeln, hat unser Gehirn schon entschieden, was wir tun werden – und diese Millisekunden bekommt der Hund bereits mit.