Ein Teller Milchreis mit Kirschen, Zimt und Zucker – so stellt sich unser Autor das Glück vor.
Ein Teller Milchreis mit Kirschen, Zimt und Zucker – so stellt sich unser Autor das Glück vor. Thomas Krause
DDR-Schulessen

Warum Milchreis Quell steter Freude ist

Milchreis – das ist schlonziges Glück in tausend Körnern. Unser Autor erinnert sich dabei auch an das Schulessen in der DDR-Kantine und an diese eine bittere Enttäuschung.
Neubrandenburg

Früher wäre ich oft gern Hans Karsten gewesen. Er war in der DDR-Fernsehserie „Zur See“ der Kapitän des Frachtschiffes Fichte, die damals mit dem TV-Publikum über die Weltmeere schipperte. Die neunteilige TV-Serie war seichte Unterhaltung, aber ein Straßenfeger mit Starbesetzung. Jeder Schauspieler, der in der DDR einen Namen hatte, war dabei.

Aber zurück zu Hans Karsten. Der Kapitän liebte Milchreis. In Folge 3 bekommt er von seiner Crew zum Geburtstag eine riesengroße Schüssel Milchreis mit Kompott geschenkt. Was war Karsten nur für ein Glückspilz! Auch wenn die Mannschaft mit der Aktion etwas anderes erreichen wollte – nämlich, dass die Milchspeise vom wöchentlichen Essenplan verschwindet. Hat nicht geklappt, der Kapitän leerte die Schüssel zum letzten Reiskorn.

Auch ich liebe Milchreis, als Hauptspeise genauso wie als Nachtisch. Eine Schüssel Milchreis mit Zimt und Zucker, Apfelmus oder Kompott löst bei mir unglaubliche Glücksgefühle aus. Milchreis ist Quell steter Freude.

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In der Schule war der Milchreis oft angebrannt

Während meiner Schulzeit führte diese Liebe aber auch einmal dazu, dass ich einen Tadel vor versammelter Klasse erhielt. Glauben Sie mir, natürlich völlig ungerechtfertigt. Wenn ich die Geschichte erzähle, werden Sie mir recht geben. Also, das war so.

Auf dem Schulspeiseplan in der Kantine auf dem Neubrandenburger Datzeberg stand regelmäßig Milchreis, und die Freude auf diesen Tag war immer groß bei mir. Leider aber folgte oft eine große Enttäuschung, denn der Milchreis war nicht selten angebrannt. Okay, vielleicht lag es daran, dass die Töpfe riesig waren. Wirklich riesig. Die Küchenfrauen, in meiner Erinnerung damals alle groß und rigoros in ihrer Art, klatschten den Milchreis trotzdem auf die Teller. Iss oder iss nicht! Widerspruch zwecklos.

Eines Tages, als den Frauen der Milchreis wiedermal nicht gelungen war, ging ich in den Widerstand. Die Wut in mir kochte derart hoch, dass ich einen ganzen Stapel Teller umriss, die sich in dem großen Essensaal verteilten. Die Aufregung war groß, viele Teller kaputt. Aber ich fühlte mich gut, als Kämpfer für guten Milchreis.

Auf der Fichte hätte sich niemand getraut, dem Kapitän angebrannten Milchreis zu servieren. Die Crew hätte eine Woche das Deck schrubben müssen. Mindestens.

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