VÖGEL VERTREIBEN

Warum Stare in unsere Kirschen einfallen und ob sie das dürfen

Wer in seinem Kleingarten oder auf seinem Grundstück einen Kirschbaum hat, blickt dieser Tage sorgenvoll in den Himmel: Wann fällt die nächste Horde Stare ein?
Ein junger Star wartet in Sieversdorf (Brandenburg) auf seine Eltern.
Ein junger Star wartet in Sieversdorf (Brandenburg) auf seine Eltern. Patrick Pleul
Neubrandenburg.

Sie haben einen Kirschbaum in Ihrem Garten und möchten die Kirschen gerne essen, wenn sie reif sind? Dann haben Sie vermutlich einen Konkurrenten, der Ihnen nicht nur zahlenmäßig absolut überlegen ist, sondern auch nicht mit Geduld gesegnet wurde. Sobald sich auch nur der erste Hauch von Rot an den Kirschen zeigt, pickt er nämlich mit seinem Schnabel zu und die betreffenden Kirschen werden niemals auf Ihrem Kuchen oder in der Marmelade landen.

Wir reden hier von Staren und uns ist aufgefallen, dass ausgerechnet Menschen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg besonders oft bei Google nach dem Stichwort „Stare vertreiben” suchen. Schon im März und Mai diesen Jahres suchten sie Rat im Umgang mit den Vögeln, seit Mitte Juni schnellen die Suchanfragen jedoch immer weiter in die Höhe. Aber warum ausgerechnet hier und kaum in Berlin, Hamburg oder Bayern?

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Ein Festessen für Stare

Darauf hat Benjamin Weigelt, Ornithologie-Experte beim Landesverband Mecklenburg-Vorpommern des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), auch keine Antwort. Nach seiner Einschätzung gibt es in MV oder Brandenburg keinen Staren-Hotspot. „Die Vögel fühlen sich überall in Deutschland wohl, wo sie genügend Obstbäume und Kleingärten finden”, sagt er. Auch auf Feldern seien sie viel unterwegs und suchten dort nach Insekten.

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Laut der aktuellsten Zählung aus dem Jahr 2009 leben etwa 450.000 Brutpaare in Mecklenburg-Vorpommern. Seit den 80er Jahren nimmt deren Population jedoch stetig zu. Sie stehen an zweiter Stelle im Land, nur von Spatzen gibt es noch mehr Exemplare. Die aktuellste Zählung in Brandenburg (2005/2006) hat 150.000 bis 250.000 Brutpaare ergeben – hier werden es im Gegensatz zu MV seit zehn Jahren aber immer weniger, sagt Weigelt.

„Die Stare fahren wegen der auffälligen Signalfarbe auf rotes Obst besonders ab”, so der Experte. Daher haben Kirschen kaum eine Chance, wenn sie von einem Schwarm gesichtet wurden und auch Erdbeeren stehen auf ihrem Speiseplan.

Vertreiben der Vögel ist verboten

Dann müssen also blaue Pflaumen, grüne Äpfel oder gelbe Birnen auf den Kuchen. Denn wer meint, er könne die Stare durch lautes Klatschen, Rufen oder andere aktive Abwehrmaßnahmen von seinen Kirschen fernhalten, macht sich strafbar.

Vergrämung, also das dauerhafte Fernhalten der Vögel von einem bestimmten Ort, ist laut Weigelt nämlich grundsätzlich verboten. Laut Tierschutzgesetz darf niemand ungerechtfertigt einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen oder es in Angst versetzen. Darunter fällt natürlich auch das Verwenden von Vogelabwehrpaste, denn es ist verboten, Wirbeltiere mit Stoffen zu verscheuchen, die ihnen Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

Was können Kirschbaum-Besitzer tun?

Müssen wir unsere geliebten Kirschen nun also völlig kampflos den Staren überlassen? Nun ja, laut Weigelt ist es völlig legitim, auf seinem Grundstück die Bäume mit Netzen zu sichern. Das sieht nicht schön aus, hat sich aber als durchaus effektiv erwiesen. Natürlich sollte man dabei aufpassen, dass sich die Vögel nicht in den Netzen verheddern können.

Aber vielleicht gönnen wir den Staren auch einfach ein Stück vom Kuchen. Immerhin sind die Vögel des Jahres 2018 ganz besondere Tiere. So gibt es keinen Vogel, der mehr Vogelstimmen imitieren kann. Die Männchen machen dabei besonders oft und gern die Geräusche von Mäusebussarden nach, um die Weibchen zu beeindrucken. Der Star kann aber auch Tierstimmen, etwa das Bellen eines Hundes, oder technische Geräuschen imitieren.

Seit Mitte der 1960er Jahre werden in Nordwest- und Nordeuropa starke Bestandsrückgänge verzeichnet. Die Art wird auch in der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands von 2015 als gefährdet eingestuft.

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Kommentare (7)

Ein "Stück" vom Kuchen gönnen? Die haben schon alles gegessen, meinen Kirschbaum komplett geplündert, da sind vielleicht noch drei Kirschen übrig.

"Vergrämung, also das dauerhafte Fernhalten der Vögel von einem bestimmten Ort, ist laut Weigelt nämlich grundsätzlich verboten. Laut Tierschutzgesetz darf niemand ungerechtfertigt einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen oder es in Angst versetzen. "
Nun reicht es langsam. Auf meinem Grundstück bin ich immer noch der eigene Herr. Da kann Herr Weigelt auch noch weiter versuchen weitere Gesetze zu verdrehen! @ nk: Druckt ihr alle Aussagen einfach so ab oder hinterfragt ihr auch diese Aussagen?

MV und BB sind beides Ostländer.
Beide im unteren Drittel BIP-Technisch glaube ich(?) Also vermutlich noch etwas entspannter was Luftgewehre und Kleinvögel oder Nager angeht(?) und eher selbst backen statt Bäcker und konditor oder eher eigene Kirschen als ausm Markt. (?)Theoretisch zumindest 😄

Bedenkt man den Wohlstands und den geschichtlichen Aspekt hat man auf jedenfall eine mögliche Erklärung für diese Frage.

und der Leser gar nichts mehr versteht. Die typische Verdummung duch Medien, Unfassbar, dieser Artikel ist "fakenews" nach der Definition eben dieser Lügenmedien.

Das Tierschutzgesetz gestattet sogar ausdrücklich das Vertreiben von Wildtieren, nur darf man dabei nicht auf sie schießen oder sie sonst verletzen. Wie man bei Wildtieren Angst feststellen will, das muss der Heini erklären. Im Gesetz steht jedenfalls nichts von Angst´, das ergäbe juristisch auch keinen Sinn. 'Halten wir fest. In diesen fakenews wird Angst durch Vogelverschwörungstheoretiker gemacht. Tierschutzpopulisten quasi.

Egal, wie dumm das ist zeigt folgendes Beispiel. Die Jagd ist tierschutzrechtlich gestattet. Bei einem Schuss, schreckt ein Schwarm Stare auf und fliegt davon. Der Jäger hat auf ein Reh oder Schwein geschossen, die Stare waren nur zufällig in der Nähe. Wäre das aufschrecken der Stare ein verbotener Akt, müsste der Jäger dafür bestraft werden können. Wie soll da ein Klatschen, Knallen, etc des Kleingärtners anders bewertet werden? Manchmal donnert es auch in der Natur. Das Aufschrecken und Vertreiben von Staren durch Lärm ist definitiv weder verboten, noch strafbar, weil den Tieren weder Leid, Schaden noch Schmerz zugefügt werden.

Neunter Abschnnitt
Sonstige Bestimmungen zum Schutz der Tiere
Nichtamtliches Inhaltsverzeichnis
§ 13
(1) Es ist verboten, zum Fangen, Fernhalten oder Verscheuchen von Wirbeltieren Vorrichtungen oder Stoffe anzuwenden, wenn damit die Gefahr vermeidbarer Schmerzen, Leiden oder Schäden für Wirbeltiere verbunden ist; dies gilt nicht für die Anwendung von Vorrichtungen oder Stoffen, die auf Grund anderer Rechtsvorschriften zugelassen sind. Vorschriften des Jagdrechts, des Naturschutzrechts, des Pflanzenschutzrechts und des Seuchenrechts bleiben unberührt.

P.S. So wird das nichts mit einem Abo lieber NK. Eure kritische Haltung gefällt mir grundsätzlich gut. Ihr seid die einzige Redaktion in MV, die ich grundsätzlich abbonieren würde. Viele Artikel in der letzten Zeit beweisen, dass ihr eigentlich die Aufgaben einer kritischen Presse wahrnehmen könnt. Weder Politiker, noch Tierschützer, noch sonst jemand sollte seinen unkontrollierten Denkdurchfall unkommentiert unters Volk bringen können. 'Die Aufgabe der Presse ist es, immer objektiv zu bleiben, immer kritisch zu hinterfragen und immer neutral zu kommentieren. Anders wird das nichts.

Lügenpresse, lügenpresse....
Mensch, Sie sind ja so ein Satiriker.
Haben aber nicht lange durchgehalten. Ihre ersten Beiträge waren zwar stramm rechts und strotzten nur vor Fehlern, aber es war ja tatsächlich ein anderer Schreibstil, als man ihn sonst von den übrigen Krackelern gewohnt ist.
Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis auch Sie in Stammtischparolen verfallen.
Denn ich vermute, daß auch Ihre Horizont das auf Dauer nicht hergibt. Dann noch ein bisschen Paragrafen googeln und schon editiert man eine gewisse Quantität.
Aber hatten wir hier schon.
Und bei Denkdurchfall hilft übrigens Futterluke dicht und erstmal Lesen...

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