URTEIL

Was Sie zur Arbeitszeit-Erfassung wissen müssen

Die Klage einer spanischen Gewerkschaft könnte die Berufswelt umkrempeln. Was das Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur Arbeitszeit-Erfassung für Arbeitnehmer und -geber bedeutet, erklärt der Neubrandenburger Rechtsanwalt Torsten Werner.
Johanna Horak Johanna Horak
Arbeitgeber sollen verpflichtet werden, die gesamte Arbeitszeit ihrer Beschäftigten systematisch zu erfassen, urteilte der Europäische Gerichtshof.
Arbeitgeber sollen verpflichtet werden, die gesamte Arbeitszeit ihrer Beschäftigten systematisch zu erfassen, urteilte der Europäische Gerichtshof. Sina Schuldt
2
SMS
Neubrandenburg.

Was ändert sich für den Arbeitnehmer?

Das Urteil zur Pflicht der Arbeitszeiterfassung ändert die Rechtslage für den Arbeitnehmer. Die Pflicht, die Arbeitszeiten zu dokumentieren, ist an sich nichts Neues, sie bestand schon vorher. Allerdings gab es vorher keine gesetzliche Vorschrift, wie die Zeiten dokumentiert werden müssen. Das ändert sich durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGHs). Es besagt, dass die Zeiten durch ein objektives System, das von außen nicht manipulierbar ist, festgehalten werden müssen. Man kann also von einer Stechuhr des 21. Jahrhunderts sprechen.

Was bedeutet das für den Arbeitnehmer? Muss er jetzt seine Arbeitszeiten dokumentieren?

Gesetzlich sind Arbeitnehmer nicht in der Pflicht ihre Arbeitszeiten zu dokumentieren. Jedoch halte ich es trotzdem für sinnvoll, denn wenn es zum Beispiel dazu kommt, dass das Zeiterfassungssystem einmal nicht funktioniert, kann der Arbeitnehmer die geleistete Arbeit trotzdem nachweisen.

Was ändert sich für den Arbeitgeber?

Arbeitgeber müssen jetzt nicht gleich loslaufen. Man muss zunächst auf Einzelheiten warten, wie das Urteil umgesetzt wird. Das wird noch eine Weile dauern. Dennoch sollten sich Arbeitgeber Gedanken dazu machen, wie sie es umsetzen wollen, sodass sie vorbereitet sind, wenn das Gesetz kommt.

Welchen Vor- und Nachteile entstehen durch das kommende Gesetz?

Ein Vorteil für beide Seiten, also Arbeitnehmer und Arbeitgeber, ist, dass sie mit Sicherheit wissen, welche Arbeitszeiten geleistet worden sind. Das wiederum erleichtert dann den Unternehmen die Abrechnung des Lohnes. Der Nachteil ist, dass es schwierig in der Umsetzung ist. Denn an einer Baustelle zum Beispiel lässt sich keine dauerhafte Stechuhr installieren. Auch schwierig wird es bei Arbeitnehmern, die beruflich viel unterwegs sind. Ich denke, dass die Umsetzung besonders für kleine und mittelständische Betriebe schwierig wird.
Das könnte Sie auch interessieren:
Arbeitgeber müssen Arbeitszeiten systematisch erfassen
Was Bankkunden wissen müssen
Sind Tüten aus Papier oder Mais eine Alternative?
 

 

 

zur Homepage
Unser Sommerhit: Nordkurier digital + gratis Tablet