Alkoholmissbrauch
Wenn der Kollege an der Schnapsflasche hängt

Alkoholmissbrauch in der Firma: Viele wissen es, die meisten schweigen oft.
Alkoholmissbrauch in der Firma: Viele wissen es, die meisten schweigen oft.
Alexander Heinl

Die Bierflasche im Schubfach. Die Alkoholfahne am Morgen. In der Firma ist es oft ein offenes Geheimnis, das ein Kollege alkoholabhängig ist. Schweigen ist kein Ausweg.

Alkoholmissbrauch am Arbeitsplatz ist ein heikles Thema – es unter Kollegen anzusprechen fällt oft schwer. Es sollte aber nicht totgeschwiegen werden, empfiehlt Peter Raiser von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in der Zeitschrift „topeins” der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Doch wie spricht man einen Kollegen auf ein Alkoholproblem an? Wer ein gutes Verhältnis hat, sollte die Sorge um die Person in den Vordergrund stellen, lautet der Ratschlag des Experten. Ist die Beziehung eher distanziert, empfiehlt Raiser eher anzusprechen, dass man nicht bereit ist, das Verhalten mitzutragen. Wichtig ist ihm zufolge, dass man seine eigene Rolle kennt. Man sei nicht in der Verantwortung, könne sich zwar sorgen, müsse aber niemanden retten.

Der Chef hat immer eine besondere Fürsorgepflicht

Führungskräfte haben dagegen eine besondere Fürsorgepflicht. Für sie gilt: Wer mitbekommt, dass ein Mitarbeiter aufgrund von Alkoholkonsum mit Kollegen in Konflikte gerät, weniger leistungsfähig ist oder sich Fehlzeiten häufen, muss das Gespräch suchen. Bei offensichtlichen Gefahren, zum Beispiel wenn jemand alkoholisiert in sein Fahrzeug steigt, ist die Führungskraft in der Pflicht einzuschreiten.

Raiser empfiehlt Führungskräften, einem Betroffenen offensiv Hilfe anzubieten. Das sei oft der entscheidende Schritt. Aber auch Sanktionen sind möglich. Stufenpläne oder Gesprächsleitfäden im Unternehmen erleichterten einen guten Umgang mit der Situation.

Alkoholprobleme können vorm Arbeitsgericht landen

Alkohol am Arbeitsplatz muss auch nicht automatisch zur Kündigung führen. Wer als langjähriger Mitarbeiter trotz eines Verbots in seiner Arbeitspause Alkohol trinkt, kann vom Arbeitgeber deshalb nicht zwangsläufig die Kündigung erhalten. Das gilt selbst dann, wenn die Pausenzeit dabei überschritten und in einer Anhörung das Fehlverhalten geleugnet wurde, wie das Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg 2018 entschieden hat (Az.: 11 Sa 2062/16).

In dem Fall ging es um einen Mann, der seit Anfang der 1980er Jahre in einem Betrieb arbeitet, in dem striktes Alkoholverbot herrscht. In einer Nachtschicht verbrachte der Mann eine Pause mit Kollegen in der Nähe des Betriebs in einer Gaststätte. Dort trank er Alkohol. Wie viel, konnte nicht festgestellt werden. Außerdem überzog er mit den Kollegen die Pause um rund eine Viertelstunde. Im Anhörungsgespräch leugnete der Mann den Alkoholkonsum, der ihm aber nachgewiesen werden konnte. Daraufhin wurde ihm gekündigt. Der Mann klagte – mit Erfolg.