Chefarzt Dr. med. Christian Karl Brinkmann misst den Augeninnendruck bei Ralf Geske vor der Operation.
Chefarzt Dr. med. Christian Karl Brinkmann misst den Augeninnendruck bei Ralf Geske vor der Operation. Matthias Lanin
Dr. med. Christian Karl Brinkmann, Chefarzt der Augenklinik am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum
Dr. med. Christian Karl Brinkmann, Chefarzt der Augenklinik am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Matthias Lanin
Die Augenärztin Dr. med. Eszter Teleki gibt Ralf Geske vor der Überprüfung des Augeninnendruckes Tropfen.
Die Augenärztin Dr. med. Eszter Teleki gibt Ralf Geske vor der Überprüfung des Augeninnendruckes Tropfen. Matthias Lanin
Krankheit

Wenn die Augen einem richtig auf die Nerven gehen

Ist der Druck im Auge zu hoch, besteht die Gefahr zu erblinden. Eine Operation kann dagegen helfen – so wie bei diesem Patienten am Neubrandenburger Bonhoeffer-Klinikum.
Neubrandenburg

Die Vorhangstreifen werfen schräge Schatten ins Krankenhauszimmer. Grell wechselt Licht und Dunkelheit auf keimfreiem Linoleum dieses Zweimannzimmers. Hell, dunkel auf dem kleinen Tisch an der Seitenwand. Hier im Neubrandenburger Bonhoeffer-Klinikum sitzt ein 70-jähriger Mann und wartet auf seine Augen-Operation. Für Ralf Geske sieht der kontrastgeflutete Raum mit seinen hellen Möbeln, mit dem Fernseher und den fahrbaren Metallschränkchen an den Betten anders aus: verschwommen und voller Lücken.

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Vor knapp drei Jahren hat sein Augenarzt bei ihm ein PEX-Glaukom festgestellt. Der Augendruck war über 30 bei einem Grenzwert von 21. Flockiges Material verstopft in einem Auge den Abfluss und führt dazu, dass sein Augendruck deutlich erhöht ist. So sehr erhöht, dass das Auge den Sehnerv quetscht. „Das ist, als wäre der Abflussgully mit Herbstblättern belegt. Dadurch kann das Wasser nicht abfließen und staut sich so im Auge“, erläutert der Chefarzt der Augenklinik Dr. Christian Karl Brinkmann (42).

Katastrophal hoher Augendruck

Ralf Geske sitzt, lächelt und atmet ruhig. Gerader Rücken, aufmerksamer Blick, entspannte Hände. Er ist frei von Angst, denn er vertraut den Klinikärzten. Hat er doch selbst mehr als 30 Jahre im Haus als Chef der Medizintechnik gearbeitet. Dass der promovierte Physiker nun als Patient in den „eigenen Räumen“ ist, liegt an der akuten Gefahr, dass er durch den hohen Augendruck erblindet. Er bekam Augentropfen, welche den Innendruck auf 18 senkten.

Doch Anfang des Jahres bekam er Einblutungen am Sehnerv. Seine Frau, die ihr Leben lang als Landärztin in Brunn (bei Altentreptow) gearbeitet hat, schickte ihn sofort ins Klinikum. „Die Pflanzen und Blumen waren mit einem blauen Glitzer überzogen“, erinnert sich der 70-Jährige an die erlebten Sehstörungen. Die Sicht auf dem linken Auge nahm immer mehr ab. „Es wurde dunkler und auch die Sehschärfe nahm weiter ab“, sagt der Patient. Zu der Zeit stellte ein Facharzt einen Augendruck von 50 fest: katastrophal hoch.

Klinik-Chef kam aus Bonn in den Norden

Chefarzt Brinkmann muss ihn operieren, weil die Tropfen den täglichen Kampf gegen den verstopften Augenwinkel verlieren. Bei der Operation entfernt der Glaukom-Spezialist deshalb die Flocken mikrochirurgisch „vom Abfluss“. „So, dass das Auge den Druck wieder selbst ausgleicht. Manchmal ist dieser Eingriff sogar nachhaltig“, erklärt Brinkmann und meint damit, dass nach einigen Jahren keine Folgeoperation nötig sei.

Der Chef der Augenklinik ist vor drei Jahren aus Bonn in die Viertorestadt gekommen. Bereits in Nordrhein-Westfalen hatte er sich während seiner zehn „Dienstjahre“ auf Glaukom-Erkrankungen spezialisiert. Er wurde ein national bekannter Experte auf diesem Gebiet. Der Bundesverband der Glaukom-Selbsthilfe war deshalb 2018 auf ihn zugekommen. „Sie wollten in Bonn ihren nationalen Jahrestag durchführen“, sagt Brinkmann. Mit schwerem Herzen sagte er dort und damals „Nein“, da er die Stelle in Neubrandenburg schon bekommen hatte. Nun, der Bundesverband folgte ihm in den Norden und so fand im Oktober der nationale Glaukomtag erstmals in Mecklenburg-Vorpommern statt.

Hoffnung auf Selbsthilfegruppe

Zehn Prozent der über 40-jährigen Deutschen sind Glaukom-gefährdet. Bei dieser Krankheit stirbt der Sehnerv langsam ab, der das Auge mit dem Gehirn verbindet. Dadurch verlieren die Patienten schleichend ihr äußeres Gesichtsfeld, was meist unbemerkt bleibt. „Unser Gehirn gleicht in diesem Anfangsstadium die fehlenden Infos aus“, erläutert Brinkmann. Das zentrale Gesichtsfeld wird erst spät in Mitleidenschaft gezogen. Jetzt kommen die Patienten mit Beschwerden, selten mit Schmerzen. Mit einer Therapie lasse sich hier nur der Verlauf stoppen. „Es gibt keine Heilung für den Sehnerv“, so der Mediziner. Häufigste Ursache für solche Schäden ist ein zu hoher Augeninnendruck.

Laut Dr. Brinkmann gibt es in Mecklenburg-Vorpommern noch keine Selbsthilfegruppe für Glaukom-Erkrankte. Er wünscht sich, dass der Glaukomtag einigen Anstoß geben wird, eine solche Gruppe zu gründen. „Denn diese sind gut vernetzt und wissen, viele Fragen von Patienten und Angehörigen zu beantworten“, so der erfahrene Augenarzt.

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