Hohe Ansteckungsgefahr
Wie erkennt man Krätze und was hilft dagegen?

Die durch Krätzemilben verursachten Hauterscheinungen können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.
Die durch Krätzemilben verursachten Hauterscheinungen können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.
picture alliance / obs / BPI

Krätze-Fälle häufen sich in Mecklenburg-Vorpommern – ein Thema, das jeden juckt, denn die Anzahl der gemeldeten Fälle ist deutlich gestiegen. Wie schützt man sich vor Ansteckung?

In Mecklenburg-Vorpommern hat die Zahl der gemeldeten Krätze-Fälle 2018 im Vergleich zum Vorjahr sprunghaft zugenommen: von 182 auf 411, berichtet das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus). Besonders betroffen seien Kinder zwischen null und 14 Jahren. Erst am Donnerstag wurde bekannt, dass an zwei Schulen in Waren Schüler an Krätze erkrankt sind.

Der Anstieg könnte aber auch an veränderten Meldekriterien liegen, heißt es, denn Gemeinschaftseinrichtungen seien jetzt meldepflichtig. Langjährig beobachtet das Amt wellenförmige Schwankungen in der Erkrankungshäufigkeit, die man sich nicht erklären kann. Die aktuellen Zahlen aber gehen unter die Haut und es stellt sich die Frage, wie eine Ansteckung und damit weitere Ausbreitung verhindert werden kann.

Heftiger Juckreiz und Pusteln

Krätze (fachsprachlich Skabies) äußert sich nach Angaben des Lagus durch einen heftigen Juckreiz und Pusteln, Bläschen oder Papeln, die von unter der Haut lebenden Milben ausgelöst werden. Sie treten unter anderem zwischen den Fingern, an den Handgelenken, der Nabelumgebung und der Gürtellinie auf, sind dabei jedoch so unterschiedlich ausgeprägt, dass ein Erkennen der Krankheit nicht immer einfach ist.

Steigert sich der Juckreiz in der Nacht, sei dies jedoch ein Indiz für Krätze, denn die Parasiten sind nachtaktiv. Mithilfe einer Lupe oder eines Dermatoskops können ihre oft kommaartig gewundenen und ein bis fünf Millimeter langen Gänge an besonders dünnen Hautstellen ausgemacht werden.

Außerordentlich leicht übertragbar

Leichter zu erkennen sind sie, wenn die betreffende Stelle mit Tinte benetzt wird, deren Überschuss zuvor mit alkoholgetränkten Wattebäuschen entfernt wird. Zur genauen Aufklärung und Therapie sollte aber in jedem Fall umgehend ein Arzt konsultiert werden, der jeden Verdacht auf eine Epidemie dem Gesundheitsamt meldet.

Die Krankheit sei außerordentlich leicht übertragbar, so Diplombiologe Kai Gloyna, deshalb seien ungeschützte Kontaktpersonen immer mitzubehandeln, auch wenn sie keine Symptome zeigten – oder noch nicht. Die Inkubationszeit betrage zwei bis sechs Wochen, bei einer Wiederinfektion höchstens ein bis zwei Tage.

Was tun, wenn es plötzlich juckt?

Hautkontakt von fünf Minuten oder länger könne ausreichen, um sich anzustecken, auch Textilien können die Krankheit theoretisch übertragen. Letzteres passiere aber eher selten, hieß es vom Robert-Koch-Institut. Denn wird, sofern möglich, zu einer sofortigen Absonderung der erkrankten und verdächtigen Personen geraten. Pflegende sollten sich mit langen Ärmeln und Einweghandschuhen schützen.

Das Landesamt für Gesundheit empfiehlt außerdem, mindestens täglich die Wäsche zu wechseln, wobei Kleidung so heiß wie möglich gewaschen werden sollte, Buntwäsche wenigstens 20 Minuten bei 60 Grad. Die Bettwäsche muss, bevor sie in die Maschine kommt, entstaubt werden, ebenso sollten Betroffenen Matratzen, Polster und Teppiche immer wieder gründlich absaugen. Auch beim Wechsel des kontaminierten Staubsaugerbeutels empfiehlt es sich, Einmalhandschuhe zu tragen.

Die Milben auf schlecht zu waschenden Textilien sterben ab, wenn diese 14 Tage bei Zimmertemperatur und geringer Luftfeuchtigkeit in zugeschweißten Plastiksäcken aufbewahrt werden. Plüschtiere und Schuhe können bei -10 Grad eingefroren werden.