Impfpflicht gefordert

Wie gefährlich sind Masern wirklich?

Immer wieder erkranken Menschen an Masern. Dabei könnte die Krankheit längst ausgerottet sein. Nun fordern Ärzte eine Impfpflicht. Wie sinnvoll ist das? Kann eine Impfung nicht Allergien und sogar Autismus verursachen? Wir klären die Mythen über Masern auf!
dpa
Nach einem Masernausbruch an einer Gesamtschule in Hildesheim ist die Debatte um die Einführung einer Impfpflicht erneut entfacht.
Nach einem Masernausbruch an einer Gesamtschule in Hildesheim ist die Debatte um die Einführung einer Impfpflicht erneut entfacht. Marius Becker
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Neubrandenburg.

107 Schüler und Lehrer in Hildesheim haben Schulverbot. Sie konnten keinen aktuellen Impfschutz nachweisen. Der Grund für die Impfkontrolle ist die steigende Zahl an Masern-Fällen. Allein in den ersten sieben Wochen des Jahres wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin zufolge bereits 132 Fälle registriert – nach 46 Fällen im Vorjahreszeitraum. Aber auch weltweit sind mehrere Länder von größeren Masern-Epidemien betroffen – unter anderem die Ukraine, die Philippinen, Madagaskar und nun auch Neuseeland. Das Kinderhilfswerk Unicef schlug deshalb kürzlich Alarm. Aber wieso häufen sich die Fälle derzeit? Wie werden Masern übertragen? Wie erkenne ich die Symptome?

Das Bundesgesundheitsministerium geht den Mythen über Masern auf den Grund:

1. Es wird oft behauptet, dass Masern nur eine Kinderkrankheit sind, die jedes Kind einmal durchmachen sollte. Stimmt das?

Entgegen der weit verbreiteten Meinung sind Masern keine harmlose Kinderkrankheit. Komplikationen wie Mittelohr-, Lungen oder Gehirnentzündungen sind möglich. Eine durchgemachte Kinderkrankheit stärkt nicht unbedingt den Organismus des Kindes, sondern schwächt, z.B. durch hohes Fieber, über viele Tage den Körper. Mögliche Folgen wie eine Gehirnentzündung bei Masern, die zu einer lebenslangen geistigen Behinderung führen kann, werden dabei oft außer Acht gelassen.

2. Haben nicht wir bzw. unsere Eltern als Kinder auch Masern durchgemacht und gut überstanden?

Tatsächlich heilen viele Infektionen folgenlos aus, jedoch können sogenannte Kinderkrankheiten in bestimmten Fällen sehr drastisch verlaufen. Bei einem von 1.000 Kindern, die an Masern erkranken, entwickelt sich eine Entzündung des Gehirns, die sogenannte Masern-Enzephalitis. Allein 2015 erkrankten 1234 Menschen in Deutschland an Masern. Schulen wurden geschlossen und ein Junge starb.

3. Stimmt das Gerücht, dass eine Masernimpfung zu Autismus oder Morbus Crohn führen kann?

Nein, dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. Eine gefälschte Studie ist die Ursache für dieses hartnäckige Gerücht: 1998 veröffentlichte A.J. Wakefield zusammen mit anderen Wissenschaftlern eine Studie, die einen Zusammenhang zwischen der Masernimpfung und Magen-Darm-Symptomen sowie Entwicklungsstörungen bei zwölf Kindern vermutete. Weitere Studien konnten diese Ergebnisse ebenfalls nicht bestätigen. Wakefield wurde nachgewiesen, dass er bewusst Daten gefälscht hatte. Die entsprechende Publikation wurde zurückgezogen und ihm die Approbation entzogen.

4. Und was ist mit dem Zusammenhang zwischen einer Masern-Impfung und Allergien?

Allergien nehmen zu, vor allem bei Kindern. Ursache sind jedoch eindeutig nicht die Impfungen, wie oftmals behauptet. Dazu ein Beispiel: In der DDR wurden viel mehr Kinder geimpft als in Westdeutschland. Zahlreiche Untersuchungen haben aber gezeigt, dass Allergien dort sehr viel seltener waren als in der damaligen Bundesrepublik. Nach 1989 wurde auch in der ehemaligen DDR weniger geimpft, gleichzeitig nahmen Allergien deutlich zu.

5. Sind „Impf-Masern” ansteckend?

Nein. Der leichte, masernähnliche Hautausschlag, der bei einigen Menschen nach der Impfung auftritt, kann nicht auf andere Menschen übertragen werden. Hervorgerufen wird dieser Ausschlag durch die Lebendviren, die der Impfstoff enthält.

6. Sollte ich mich und meine Kinder gegen Masern impfen lassen?

Grundsätzlich sollten nur die Menschen auf eine Masernschutzimpfung verzichten, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können. Babys unter zehn Monaten beispielsweise. Denn eine sogenannte Herdenimmunität tritt nur ein, wenn 95 Prozent der Bevölkerung geschützt sind.

 

 

Weitere Informationen zum Thema Impfungen finden Sie hier.

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