Benzin und Diesel wieder unter zwei Euro: So sah es auf der Preistafel einer Tankstelle am Montag in Grimmen aus.
Benzin und Diesel wieder unter zwei Euro: So sah es auf der Preistafel einer Tankstelle am Montag in Grimmen aus. Stefan Sauer
Kraftstoffsteuer

Wie profitiere ich jetzt von den Entlastungen beim Tanken?

Mit dem Entlastungspaket für die Bürger hat die Bundesregierung angekündigt, die Kraftstoffsteuer zu senken. Doch wie kommt das an meiner Zapfsäule an?
Neubrandenburg

Aufatmen an der Zapfsäule, der Rückgang bei den Spritpreisen nimmt weiter Fahrt auf. So ist etwa Superbenzin wieder unter zwei Euro pro Liter gerutscht. Die Sorte E10 kostete im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags 1,987 Euro, wie der ADAC am Montag mitteilte. Am Samstag war die Zwei-Euro-Marke erstmals seit den Allzeithochs durch den Ukraine-Krieg unterschritten worden. Auch bei Diesel setzte sich der Rückgang fort. Am Sonntag kostete ein Liter des Kraftstoffs 2,045 Euro.

Damit hat sich der Abwärtstrend wieder beschleunigt. Seit Montag vergangener Woche hat sich Super E10 um 7,7 Cent pro Liter verbilligt, Diesel sogar um 12,8 Cent. „Der Wettbewerb wirkt, es geht in die richtige Richtung, in Richtung Normalmaß“, hieß es dazu vom ADAC: Allerdings gebe es weiter großen Spielraum für Preissenkungen: „Der Preis für E10 müsste auf jeden Fall unter 1,90 liegen.“

Diesel lag zeitweise bei 2,32 Euro

Die Spritpreise hatten in den ersten Wochen des Ukraine-Krieges nie gekannte Höhen erreicht. Zwischenzeitlich kostete Diesel laut ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,321 Euro pro Liter. E10 schlug mit 2,203 Euro zu Buche. Seither ging es wieder ein gutes Stück bergab, allerdings ist ein Liter Diesel nach wie vor 38,2 Cent teurer als vor Kriegsbeginn, E10 um 23,7 Cent.

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Wie kommen die Steuersenkungen bei mir an?

Die Energiesteuer für Kraftstoffe soll, das hatte die Bundesregierung im März angekündigt, für drei Monate abgesenkt werden. Die Regelung ist Teil des Entlastungspakets für die Bürger, das die Ampelregierung beschlossen hatte. Der Benzinpreis soll um 30 Cent je Liter und der Dieselpreis um 14 Cent fallen, hieß es. Verbraucher könnten dies also direkt an der Tankstelle spüren und müssen sich um nichts weiter kümmern. Allerdings nur dann, wenn die Mineralölkonzerne den Vorteil auch wirklich weitergeben,

Ab wann genau die Steuersenkung greift, ist noch unklar. Beim Bundesfinanzministerium hieß es am Dienstag: „Die Energiesteuersätze sollen so schnell wie möglich gesenkt werden. Das dazu notwendige Gesetz wird gerade vorbereitet.“. Da der Preis zu einem großen Teil auch von Spekulationen getrieben wird, bleibt zu hoffen, dass sich auch die Mineralölkonzerne bewegen.

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Was auch geht: Ein neuer Plan für das Pendeln

Das einfachste Mittel, langfristig Geld bei den Spritkosten zu sparen, bleibt nach wie vor das Sparen. Die Denkfabrik Agora Verkehrswende hat am Dienstag eine Studie vorgestellt, in der sie zeigt, wie sich die Mobilität nach den aktuellen Preisschocks aussehen könnte.

„Pendlerinnen und Pendler brauchen von der Politik nicht immer neue finanzielle Entlastungen, sondern einen Plan, wie sie zukünftig klimafreundlich zur Arbeit kommen können“, sagte Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende. Es müsse eine grundlegende Trendwende im Pendelverkehr eingeläutet werden. Dazu müsse der Bund den Kommunen weitreichendere Entscheidungsfreiheiten einräumen.

In der Studie von Agora Verkehrswende zusammen mit dem Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung in Dortmund heißt es, das Berufspendeln sei in Deutschland für rund ein Fünftel des Personenverkehrs verantwortlich. Seit 1976 hätten sich die mittleren Distanzen im Berufsverkehr von gut 8 auf 16 Kilometer erhöht. Die Zahl der Menschen, die nicht in der Gemeinde arbeiten, in der sie wohnen, sei im Jahr 2020 mit 19,6 Millionen mehr als 30 Prozent höher gewesen als im Jahr 2000. Im Pandemiejahr 2020 hätten Pendlerinnen und Pendler zu 68 Prozent das Auto gewählt: „Dabei fahren sie praktisch immer allein.”

Daher müsse es eine Verkehrswende auf dem Weg zur Arbeit geben. Dafür sei ein Abbau von Autoprivilegien „unabdingbar”, heißt es in der Studie. „Eine spürbare Reduzierung der Autonutzung im Berufsverkehr und der so verursachten CO2-Emissionen kann nur erreicht werden, wenn preisliche und infrastrukturelle Maßnahmen zur Begrenzung des Autoverkehrs ergriffen werden.”

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Kommentare (1)

Sollen die Bürger jetzt jubeln, dass der Kraftstoffpreis innerhalb eines Jahres von ursprünglicher Teuerung um einen Euro auf 70 Cent Teuerung gefallen ist? Der Thinktank Agora trommelt gegen den selbst proklamierten Weltuntergang. Die wollen den neuen Menschen, der verzichtet, der friert und Politikern alles glaubt, weil ohne Industrie und ohne Mobilität alles besser sei. Die kann man nicht ernst nehmen.