CORONA-KRISE

Wie sicher ist das Geld bei den Sparkassen?

Ein Studie von Wirtschaftsforschern warnt vor einer neuen Bankenkrise. Sie nennen Gründe, warum gerade auch Sparkassen unter Stress geraten könnten. Die reagieren mit schwerem Geschütz.
Sparkasse oder Sparschwein? Was ist in der Krise sicherer?
Sparkasse oder Sparschwein? Was ist in der Krise sicherer? Daniel Naupold
Neubrandenburg.

Wirtschaftsforscher schlagen Alarm: Die Spätfolgen der Corona-Krise könnten Deutschlands Banken in Schieflage bringen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). „Selbst wenn es für die deutsche Wirtschaft sehr gut läuft, halten wir eine neue Bankenkrise für wahrscheinlich“, sagt IWH-Präsident Reint Gropp. Ausdrücklich eingeschlossen in diese Bewertung hat das Institut die Sparkassen, die insbesondere in ländlich geprägten Regionen und für Kunden mit kleinerem Geldbeutel als Stabilitätsanker gelten.

Nach Einschränkung des IWH könnten je nach Verlauf der Wirtschaftskrise von knapp fünf bis zu 29,2 Prozent aller Sparkassen zum Problemfall werden, weil ihre Kunden bei aufgenommenen Krediten Zins und Tilgung nicht mehr begleichen können. Als Grund für diese Einstufung nennt das IWH die Tatsache, dass die Kreditnehmer der Sparkassen oft aus besonders coronagefährdeten Branchen stammten, darunter aus Hotellerie und Gastronomie. Außerdem seien die meist kleinen Unternehmen stärker von einer Pleite bedroht als große Firmen mit mehr Finanzkraft.

Sparkassen dementieren: „Sensationsmeldung“

Fast ein Drittel der Sparkassen ein Fall für Rettungsmaßnahmen? Diese Einschätzung will der Ostdeutsche Sparkassenverband (OSV) so nicht stehen lassen. „Es ist das wiederholte Mal, dass das IWH mit sensationsartigen Meldungen versucht, die reale Lage der Sparkassen schlechtzureden“, fährt OSV-Präsident Michael Ermrich ein scharfes Geschütz auf. Es werde im Zuge der Corona-Krise überall passieren, dass Kredite ausfallen. Das IWH vernachlässige das Reaktionsvermögen der Sparkassen und deren betriebswirtschaftliche Stärke.

„Angesichts des historischen Zusammenhangs zwischen Rezessionen und notleidenden Krediten ist es zumindest plausibel, dass einige oder sogar viele Sparkassen und Genossenschaftsbanken unter Stress geraten werden“, verteidigt IWH-Sprecherin Stefanie Müller im verbalen Schlagabtausch die Studie. Dies zeigten die Stresstests, die anhand offizieller Bilanzdaten durchgeführt worden seien. Falls die Sparkassen über stille Reserven verfügen, sollten sie diese veröffentlichen. „Wir beziehen diese Reserven dann sehr gern in unsere Analyse ein“, so die Sprecherin.

Die Sparkassen seien prinzipiell verpflichtet, für jeden ausgegebenen Kredit ein finanzielles Sicherheitspolster anzulegen, versichert Wolfram Morales, Leiter des OSV-Präsidialbüros. Er räumt ein, dass die Sparkassen nicht alle Informationen zur wirtschaftlichen Lage veröffentlichen. „Wir halten uns damit an geltende Regeln“, betont er. Gerade die Verteilung der Verbindlichkeiten auf viele kleinere Firmen verringere aber die Gefahr von Schieflagen, wenn ein Teil der Unternehmen zahlungsunfähig würde.

Derzeit gehe bei den Sparkassen statistisch knapp ein Kredit von 100 verloren. Selbst bei einer coronabedingten Verdreifachung auf ein heute normales französische Niveau von Kreditausfällen müssten die Sparkassen ihre Vorsorgereserven nicht angreifen. Morales verweist darauf, dass die Gelder der Kunden gut abgesichert seien: Zum einen wegen der vorgeschriebenen EU-weiten Haftung, zum anderen wegen des sparkasseneigenen Sicherungssystems, nach dem Mitgliedssparkassen einspringen, wenn ein Institut in Turbulenzen gerät.

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Kommentare (3)

schuldet mir/uns noch eine Menge Geld … u.a.

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