Solarzellen gehören inzwischen fast zur Grundausstattung von Häusern.
Solarzellen gehören inzwischen fast zur Grundausstattung von Häusern. Jan Woitas
Verbraucherschutz

Wild-West-Methoden bei Anbietern von Solaranlagen

Spätestens seit dem Anstieg der Energiepreise interessieren sich viele Verbraucher für Solaranlagen. Doch in Verträgen tauchen unseriöse Klauseln auf.
Potsdam

In den Köpfen vieler Verbraucher ist die Energiewende angekommen, politisches Werben für erneuerbare Stromquellen stößt auf wachsendes Interesse. Mit einer Solaranlage auf dem Dach lässt sich die Summe auf der Rechnung des Energieversorgers drücken. Mit jedem Euro mehr für Gas oder Öl wird die eigene Solaranlage lukrativer.

Doch der Boom hat Schattenseiten, wie die Verbraucherzentrale Brandenburg spürt. Es hagelt Bescherden über Probleme mit heimischen Anbietern für Solaranlagen. „Hauptgründe für die Auseinandersetzungen sind unklare Liefertermine und umfangreiche Vorleistungspflichten der Kundinnen und Kunden“, erläutert Dunja Neukamp, Juristin bei der Verbraucherzentrale in Potsdam.

Vorleistungen sind unzulässig

Wild-West-Methoden machen sich breit, gegen die Verbraucherschützer mit Abmahnung von besonders forschen Anbietern vorgehen. So habe ein Unternehmen bereits vor Lieferung und Montage der Solarmodule eine Anzahlung von 50 Prozent für das Material nach Auftragsbestätigung verlangt. In einem konkreten Fall sollten über 13.000 Euro sofort berappt werden. Noch vor endgültiger Fertigstellung der Photovoltaikanlage sollte der restliche Rechnungsbetrag gezahlt werden.

Solch ausgedehnte Vorleistungen hält die Verbraucherzentrale unter Bezug auf Urteile des Bundesgerichtshofes für unzulässig. „Kunden verlieren sämtliche Sicherungs- und Druckmittel, falls der Anbieter nicht oder nicht wie vereinbart leistet“, warnt Neukamp. Außerdem wälze das Unternehmen das Insolvenzrisiko auf die Auftraggeber ab. Mit knapp 30 000 Euro stünde im Pleitefall eine beträchtliche Summe im Raum.

Druck der Verbraucherschützer

Nach Angaben von Juristin Neukamp gibt es weitere Versuche, Bauherren von Solaranlagen zu benachteiligen. Ein Verkäufer von Komponenten für Solaranlagen habe in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen geregelt, dass der angegebene Liefertermin „unverbindlich“ sei. „Das heißt nichts anderes, als dass die Lieferzeitangabe wie beim Lotto ,ohne Gewähr' erfolgt und der Anbieter sich nicht verpflichtet sieht, diese einzuhalten,“ erklärt Neukamp.

Für Kunden müsse deutlich erkennbar sein, wie lange sie höchstens auf die Ware warten müssen. „Denn nur so kann ich wissen, wann ich dem Händler zum Beispiel eine Nachfrist setzen und einen Rücktritt vom Vertrag in Erwägung ziehen kann”, begründet sie. In beiden Fällen seien die Anbieter auf Druck der Verbraucherschützer einverstanden gewesen, künftig auf die Klauseln in den Verträgen zu verzichten.

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