Ein Profil in einem Online-Karriere-Portal kann beim Netzwerken helfen – wenn es aussagekräftig und aktuell ist.
Ein Profil in einem Online-Karriere-Portal kann beim Netzwerken helfen – wenn es aussagekräftig und aktuell ist. Christin Klose
Business-Netzwerke

Xing, Linkedin & Co. – nützliche Karriere-Tools oder Zeitkiller?

Soziale Netzwerke gehören für viele mittlerweile zum Alltag. Auch in der Berufswelt geht es vielfach nicht mehr ohne. Aber bringen Karriere-Plattformen wirklich was für das Berufsleben?
dpa
Berlin

Soziale Netzwerke kosten Zeit. Die meisten davon sind auf Unterhaltung ausgerichtet, wie Instagram, Tiktok, Youtube und Facebook. Daneben haben sich mit Linkedin und Xing allerdings Plattformen etabliert, die sich als reine Berufsnetzwerke verstehen. Sie sollen der Karriere nutzen. Aber lohnt sich ein Profil wirklich?

Egal ob analog oder digital: „Wer kein gutes Netzwerk hat, der tut sich auf jeden Fall schwerer in der Arbeitswelt“, sagt zumindest Silke Grotegut. Sie ist Karriere- und Bewerbungscoachin und hat das Buch „Karriere machen mit XING, Linkedin und Co.“ geschrieben.

Sichtbar sein erhöht die Chancen

Wegen des Fachkräftemangels habe sich der Arbeitsmarkt komplett gedreht, sagt sie. „Deshalb warten die Firmen nicht mehr darauf, dass sich der Richtige schon bei ihnen meldet“. Vielmehr gingen sie selbst auf die Suche. Da die wenigsten Arbeitnehmer eine eigene Webseite hätten, führe der Weg zwangsläufig über digitale Karriere-Netzwerke.

Grotegut weist außerdem auf den sogenannten verdeckten Stellenmarkt hin. Die meisten Jobs seien nicht ausgeschrieben. Firmen besetzen der Coachin zufolge häufig Positionen aus dem eigenen oder aus dem erweiterten Netzwerk – mit Menschen, die sich initiativ beworben haben, durch Mitarbeiter empfohlen oder im Recruitingprozess gefunden worden sind. Auch hierfür spielten Xing und Linkedin mittlerweile eine große Rolle.

Magdalena Oehl beschreibt das aus der Perspektive der Start-up-Szene. Die stellvertretende Vorsitzende des Start-up-Verbandes sagt, „nur wer sichtbar ist, findet statt“. Insbesondere bei Gründern und Gründerinnen findet sie es sinnvoll, präsent zu sein. Das helfe zum Beispiel, um potenzielle Investoren und Mitarbeiterinnen auf sich aufmerksam zu machen.

Netzwerk in kleinen Schritten aufbauen

In den Business-Netzwerken erfolgreich unterwegs zu sein, setze Gesprächs- und Kontaktfreudigkeit voraus – und das von Anfang an, sagt die Organisations- und Gruppenpsychologin Babette Brinkmann. Sie lehrt als Professorin an der Technischen Hochschule Köln und ist selbst aktiv auf Linkedin.

Wer neu ist, sollte zunächst schauen, wen er oder sie auf der jeweiligen Plattform bereits kennt. Das können ehemalige Mitschüler, Kommilitonen, Bekannte, Teammitglieder und Familienangehörige sein. Ebenso praktisch ist der Beitritt in Gruppen.

Magdalena Oehl vom Start-up-Verband erlebt häufig, dass man sich nach Events mit neuen Personen vernetzt. Der Schlüssel zum Erfolg sei Kontinuität, sagt sie. Möchte man sich schnellstmöglich ein aktives, wachsendes Netzwerk aufbauen, müsse man regelmäßig Beiträge schreiben. „Das würdigt auch der Linkedin-Algorithmus.“

Sinnvoll kann aus Oehls Sicht sogar ein kleiner Redaktionsplan sein, so dass man wiederkehrende Themen festlegen und eine gewisse Abwechslung garantieren kann. „Mindestens genauso wichtig ist die Netzwerkpflege, sich also Nachrichten zu schreiben, auf Inhalte zu reagieren und auf interessante Posts hinzuweisen.“ Grundsätzlich schließt das mit ein, dass aus den wichtigsten digitalen Kontakten analoge werden – und man sich ab und zu persönlich sieht und spricht.

Kosten und Nutzen müssen im Verhältnis stehen

Die Netzwerk-Kontakte sollten unterschiedliche Eigenschaften erfüllen. Im besten Fall gehören Informationsgeber, Multiplikatoren von Kontakten, Referenzgeber und Entscheider dazu. Qualität stehe vor Quantität, sagt Silke Grotegut. „Wenn ich auf der Suche nach einer Führungsposition in einem Konzern bin, aber mein Netzwerk aus tausenden von Hochschulabsolventen besteht, dann ist es nicht in der Lage, mir bei meinem beruflichen Vorhaben behilflich zu sein“.

Das klingt nach viel Planung, Aufwand und Zeit. Babette Brinkmann stimmt dem zu. Optimal sei deshalb, wenn es sich nicht als Last anfühlt sowie Kosten und Nutzen im Gleichgewicht stehen. Dann könnten Netzwerke wie Linkedin ein Gewinn sein. Sie sagt, es sei eine Typ-Frage, bei der man schauen müsse, wie der eigene Bedarf aussieht und welche Funktion ein Business-Netzwerk erfüllen solle.

Neben Zeit kosten die Netzwerke mitunter auch Geld. „Xing ist ein Freemium-Produkt, mit dem Basisaccount kommt man nicht besonders weit“, sagt Karrierecoachin Grotegut. Bei Linkedin hingegen sind „schon die wichtigsten Features für die Jobsuche in der kostenfreien Variante enthalten“. Nur zusätzliche Angebote seien zahlungspflichtig.

Trotzdem sind Business-Netzwerke nicht zu unterschätzen. „Dieses Modell, dass man sein ganzes Berufsleben bei einem Arbeitgeber verbringt, wird es zukünftig in der Form nicht mehr geben“, sagt Grotegut voraus. Irgendwann gehörten regelmäßige Wechsel dazu. Wer dann bereits über ein intaktes vielseitiges Netzwerk verfügt und sichtbar ist, dem gelinge der Neueinstieg schneller.

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