TRICKS, LÜGEN, MASCHEN

Zwielichtige Praktiken bei Treppenliften

Bei Kauf und Einbau der vor allem bei Senioren beliebten Hilfsmittel wird oft getrickst, getäuscht und gelogen. Verbraucherschützer wollen die zweifelhaften Praktiken der Anbieter ans Licht bringen.
Gerade im Alter können Treppen zu einem unüberwindbaren Hindernis werden. Wer sein Zuhause nicht verlassen will, bra
Gerade im Alter können Treppen zu einem unüberwindbaren Hindernis werden. Wer sein Zuhause nicht verlassen will, braucht irgendwann einen Treppenlift. Doch in der Branche gibt es viele schwarze Schafe. Daniel Naupold
Neubrandenburg.

In diesen Prospekten und Werbeanzeigen gibt es nur zufriedene Gesichter: Rüstige Senioren, meist gut frisiert und ein wissendes Lächeln auf den Lippen, lassen sich von einem Treppenlift nach oben transportieren. Selbst wenn das Gehen schwerfällt oder ohne fremde Hilfe unmöglich geworden ist: Den Wunsch vom längeren und unabhängigen Wohnen im eigenen Haus kann ein Gerät erfüllen, das mühelos die Höhenunterschiede zwischen den Etagen überwindet. Ob einfach nur auf einer Bahn, um eine Kurve oder gleich über mehrere Ebenen: Es gibt nichts, für das es keine technische Lösung gibt.

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Doch im echten Alltag können längst nicht alle Käufer von Treppenliften so sorgenfrei lächeln. „Es wird Zeit, Licht auf ein Thema zu lenken, das bisher zu wenig Beachtung fand“, sagt Stefan Tietz, Teamleiter in der Verbraucherzentrale MV in Rostock. Bei den Verbraucherschützern ist eine ganze Sündenliste von Anbietern der Gerätschaften aufgelaufen, deren Preis in der Werbung wie ein Geheimnis gehandelt wird und oft erst im Verkäufergespräch genannt wird. Zwischen 10.000 und 15.000 Euro kann ein so Treppenlift kosten, dessen Schienensystem für jedes Haus gesondert vermessen werden muss.

Einem Kunden wurde ein Vertrag untergemogelt

Gebrauchte Geräte, für die es einen wachsenden Markt gibt, sind günstiger. „In unseren Beratungsgesprächen haben wir schon oft von grenzwertigen Vertriebsmaschen, Verweigerung von Widerrufsrechten, mangelhaftem Einbau oder unzureichendem Service nach der Übergabe der Lifte gehört“, sagt Jurist Tietz. Denn auf die oft hochbetagten Auftraggeber gehen gut geschulte Verkäufer los, die geschickt auch Zuschüsse etwa der Pflegekasse einsetzten, um die Preise schönzurechnen und bei den Senioren die Schwelle zum Vertragsabschluss zu drücken. Dabei sind auch Fälle untergeschobener Verträge bekannt geworden, in denen die Betroffenen ihre Unterschrift unbewusst unter einen Kaufvertrag setzten, weil das Papier vom Vertriebler als Zuschussantrag bezeichnet wurde.

In der Vergangenheit waren Treppenlifte immer wieder auch Gegenstand von Gerichtsverhandlungen. So etwa beim Landgericht Nürnberg-Fürth. Hier hatte der Anbieter einem Rentner ein 14-tägiges Rücktrittsrecht mit der Begründung verweigert, es handele sich um eine individuell angepasste Anlage. Dem widersprach das Gericht: Wer in der eigenen Wohnung oder im Fernabsatz einen Vertrag über die Lieferung und Montage eines Treppenlifts abschließt, kann ihn innerhalb von 14 Tagen widerrufen. Die Frist verlängere sich um zusätzliche zwölf Monate, wenn das Unternehmen nicht korrekt über das Widerrufsrecht informiere. Der Grund: Es handele sich um einen Werksvertrag, der den Ausschluss des Widerrufsrechts nicht zulasse.

Mit diesen Tipps sind Käufer sicher

Die Verbraucherschützer haben zum Selbstschutz möglicher Liftkäufer eine Liste von Ratschlägen erarbeitet, um einem juristischen Kleinkrieg nach Vertragsabschluss vorzubeugen. Tipp Nummer 1: Sich keinesfalls zu einem Vertragsabschluss drängen lassen. Zudem gelte: Angesichts stark unterschiedlicher Preise sollten in der Planungsphase mehrere Angebote verglichen und auch die später anfallenden Wartungs- und Servicekosten verglichen werden. Versprechen wie „Maßanfertigung und Lieferung sofort“ sollten grundsätzlich Misstrauen hervorrufen.

„Oft stehen Betroffene mit ihren Sorgen am Ende allein da“, meint Verbraucherschützer Tietz. Deswegen sei durch die Verbraucherzentralen eine bundesweite Befragung gestartet worden, um Erfahrungen von Käufern der Treppenlifte zu sammeln und auszuwerten. Ziel sei ein Marktüberblick über die Branche. Noch bis zum 30. September können sich Verbraucher laut Tietz an der Umfrage beteiligen. Der Fragebogen könne auch per Hand ausgefüllt werden. Weitere Informationen gibt es unter folgendem Link: https://www.verbraucherzentrale.de/treppenlifte

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