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Geschichte

Anklamer Feuerwehrleute mit Hupen und Hörnern – und im Krieg

Anklam / Lesedauer: 3 min

Der Erste Weltkrieg machte auch um die Peenestadt keinen Bogen. Wurden Männer eingezogen, schickten ihnen die Kameraden daheim Zigarren und beschenkten deren Kinder.
Veröffentlicht:12.02.2024, 18:04

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Zwar wurden die ersten Akten der Freiwilligen Feuerwehr Anklam ausgerechnet bei einem Brand vernichtet. Dafür sind die Jahre nach der Jahrhundertwende bis zum 50. Geburtstag der Wehr im Jahr 1924 recht gut dokumentiert. Zumindest finden sich in der Festschrift zum ersten großen Jubiläum zahlreiche Notizen, die ein aufschlussreiches Bild vom Alltag der Kameraden liefern. Im Wesentlichen beziehen sich die Informationen auf verschiedene Versammlungen und Vorstandssitzungen in den Jahren von 1902 bis 1924.

Versammlungen in Bierhalle, Lokal oder Theater

Bei diesen Zusammenkünften geht es unter anderem um die Auswertung von Bränden, Materialbestellungen, die Verteilung von Funktionen wie Brandmeister, Steigerführer, Spritzenführer, oder  Sicherheitswachenführer, Auszeichnungen für geleistete Dienstjahre und die Vergütung von Brandwachen und Pferden, die zum Einsatz gekommen sind. Wenn diese Versammlungen etwas größer waren, fanden sie in Bluthslust – vermutlich im dortigen Ausflugslokal – oder im Stadttheater statt. Die Besitzer beider Häuser waren passive Mitglieder der Feuerwehr. Ansonsten traf man sich in der Pommerschen Bierhalle.

Man erfährt auch, dass die Anklamer Feuerwehr im Jahr 1907 bereits 169 Mann stark war und über vier Spritzen verfügte. Im Jahr darauf wird beschlossen, Tuchuniformen für die Führer und Litewken – zweireihige waffenrockähnliche Uniformjacken – anzuschaffen. Außerdem sollen sämtliche Führer Koppelschlösser mit Feuerwehrabzeichen bekommen und veränderte Schulterstücke, da es neue Vorschriften gab.

Eine Hupe für jeden Führer

Im Jahr 1910 wird der Blick bei der Anklamer Feuerwehr schon mal in Richtung Zukunft gerichtet: Es gibt einen Vortrag über Automobil-Löschzüge, also die Vorläufer der heutigen Löschfahrzeuge. Die Alarmierung der Kameraden läuft zu jener Zeit noch weitgehend analog durch Hornisten, von denen auch noch weitere ausgebildet werden sollen. Im Jahr 1917 soll zudem jeder Führer eine Hupe bekommen, um den Alarm auf dem Weg zum Feuer zu verstärken, wie es in der Festschrift heißt.

Schließlich machen auch die großen Ereignisse jener Zeit keinen Bogen um die Anklamer Feuerwehr. Bereits im ersten Jahr des Ersten Weltkrieges werden 21 Kameraden zum Heeresdienst eingezogen. Im Jahr darauf sind es bereits 28 und es wird auch von einem Gefallenen berichtet. Er bekommt einen Nachruf in der „Anklamer Zeitung“ und seine Witwe Unterstützung von der Feuerwehr.

Feldpostbriefe verlesen

Generell wird sich um die fernen Kameraden im Krieg gekümmert. Sie bekommen zum Beispiel monatlich Zigarren geschickt und ihre Kinder werden zu Weihnachten mit kleinen Geschenken bedacht. Im Jahr 1915 kommen so rund 60 Gaben für den Nachwuchs der Feuerwehrmänner zusammen. Die Feldpostbriefe, die als Dankesschreiben bei der Feuerwehr eingehen, werden bei verschiedenen Gelegenheiten verlesen.

Die Männer fehlen nicht nur ihren Familien. So wird im Jahr 1916 der Direktor des Gymnasiums um die Überlassung von acht Schülern der höheren Klassen für den Feuerlöschdienst gebeten. Wozu es dann vermutlich auch gekommen ist, denn schließlich wird 1919 beschlossen, auch die Gymnasiasten zum Stiftungsfest, also dem Jahrestag der Gründung der Feuerwehr, einzuladen.

Nach dem Krieg geht das Leben weiter. Der Vorstand der Anklamer Feuerwehr erörtert zum Bespiel erstmals Gründung einer eigenen Kapelle der Wehr. Tatsächlich melden sich sofort fünf Männer, die auch gleich als Hornisten eingesetzt werden sollen.