Rundlaufgerät im Test

Anklamer Schüler experimentieren wie einst Otto Lilienthal

Anklam / Lesedauer: 2 min

Ein Rundlaufapparat stand jetzt erneut im Mittelpunkt des Wahlpflichtunterrichts „Fliegen“ am Anklamer Gymnasium. Doch diesmal war ein spezieller Gast dabei.
Veröffentlicht:28.03.2023, 06:47

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Einen ganz besonderen Gastdozenten hatten kürzlich die Schüler des Anklamer Gymnasiums, die sich im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts mit dem großen Thema „Fliegen“ beschäftigen. Eine Doppelstunde lang konnten sie nämlich mit Dr. Winfried Halle experimentieren, der nicht nur Ingenieur für Satellitentechnik beim Deutschen Zentrum für Luft– und Raumfahrt (DLR) ist, sondern zudem auch der Urenkel von Gustav Lilienthal, dem Bruder des Flugpioniers Otto Lilienthal.

Im Mittelpunkt der Unterrichtseinheit stand erneut ein Rundlaufapparat, der unter anderem Werte über den Auftrieb und den Luftwiderstand verschieden geformter Gegenstände liefern kann. Diesmal wurde allerdings nicht mit dem von Otto Lilienthal entwickelten Gerät aus dem Depot des Lilienthal–Museums experimentiert, so wie noch im November des vergangenen Jahres. Diesmal war im neuen Seminarraum im Wehrmachtsgefängnis ein moderner Nachfolger aufgebaut, der die gewünschten Werte in digitaler Form abnehmen kann, so dass sie direkt an die Wand projiziert werden konnten.

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Vorläufer der heutigen Windkanäle

Als erstes ließ Winfried Halle dabei eine leere Kugel aus transparentem Kunststoff durch den Raum kreisen, die in zwei weiteren Versuchen mit verschieden schweren Gegenständen gefüllt wurde. Die dabei ermittelten Werte wurden dann in eine Tabelle eingetragen. Die Auswertung der Werte ergab dann, dass das Gewicht beziehungsweise die Masse der Kugel keine Auswirkungen auf den sogenannten Fliehkraftwinkel hat, also darauf, wie weit der Gegenstand nach außen und in die Höhe getragen wird. Ein Effekt übrigens, den man auch an einem Kettenkarussell beobachten kann, wie Schulleiter und Physiklehrer Mathias Ruta beispielhaft verdeutlichte: Alle Fahrgäste würden gleich hoch „fliegen“, egal wie schwer sie sind.

Als nächstes wurde dann eine ebene Platte vom Rundlaufapparat durch den Raum gewirbelt, um zu zeigen, bei welchem Anstellwinkel Auftrieb entsteht und so das Fliegen überhaupt erst möglich wird. Für Otto Lilienthal gehörte der Rundlaufapparat zu seinen wichtigsten Messgeräten, der tatsächlich die ersten brauchbaren Messwerte über den Auftrieb unterschiedlicher Tragflächenprofile liefern konnte. Er war zudem der Vorläufer heutiger moderner Windkanäle.

Für Winfried Halle war es übrigens das erste Mal, dass er sich gemeinsam mit Schülern mit den Grundlagen des Fliegens beschäftigte. Die Schüler allerdings werden nicht zum letzten Mal mit dem Rundlaufapparat zu tun gehabt haben. Bei den nächsten Unterrichtseinheiten soll es nämlich auch darum gehen, wie das Gerät mit Hilfe von Kleincomputern noch verbessert werden kann. Und diese Computer wiederum sollen von den Schülern programmiert werden.