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Protestaktion

Bauern besetzen am Peenetal sämtliche Brücken über A20

Jarmen/Anklam / Lesedauer: 3 min

Die mehrstündige Besetzung aller Wege über die Autobahn von Klein Toitin bis nach Groß Zastrow war auch ein erneuter Brückenschlag zwischen den Bauernverbänden.
Veröffentlicht:26.01.2024, 20:48

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Wie präsent und bedeutend die Landwirtschaft am mittleren Peenetal ist, das konnten zum Ende der Woche auch alle Auswärtigen sozusagen im Schnelldurchlauf wahrnehmen, so sie denn mit ihrem Fahrzeug die A 20 zwischen Greifswald und Jarmen passierten. Und nebenbei gleich noch mitzählen, wie viele Wege es in dieser weitläufigen Landschaft über die Autobahn gibt. Denn auf jeder der Brücken über Mecklenburg-Vorpommerns wichtigste Verkehrsmagistrale postierten sich am Freitag zwischen 16 Uhr und 18 Uhr Vertreter von Agrarunternehmen der Region mit ihren Fahrzeugen, effektvoll in Szene gesetzt von orangegelben Rundumleuchten und stellenweise auch dem Blaulicht der Polizei-Eskorten, teilweise behängt mit Plakaten und Spruchbändern.

Diesmal ausdrücklich keine Sperrungen

Das reichte angefangen im Norden zwischen Klein und Groß Zastrow bis hin in den Süden zwischen Klein Toitin und der L 35. Selbst an der wenig frequentierten und abgelegenen Querung zwischen Schmoldow und Alt Negentin standen zwei Traktoren. Ansonsten waren es nach Nordkurier-Beobachtungen immer mindestens drei, besonders viele standen westlich Bandelins und bei Neuendorf, die meisten auf der B 110 an der Autobahnanschlussstelle Jarmen.

„Es ging uns noch mal darum, ein neues Zeichen zu setzen“, erklärte Anne Vaegler als Sprecherin des in Anklam ansässigen Kreisbauernverbandes Ostvorpommern, der die Aktion initiiert hatte. Gedacht war die Aktion als Begleitung zu den derzeit immer wieder stattfindenden Sternfahrten und Gesprächen mit Bundes- und Landtagsabgeordneten aus der Region. Und auch als Fortsetzung der Mahnwachen, Kundgebungen und Blockaden, bei denen die Agrarbetriebe ebenso wie manch andere Branche seit Anfang Januar ihren Unmut über die Bundespolitik zum Ausdruck bringen. Wobei es diesmal ausdrücklich nicht um die Sperrung von Zufahrten ging und andere Verkehrsteilnehmer jederzeit die Demonstrierenden passieren konnten, wie die Frau betonte.

Auch auf der Brücke zwischen Klein Toitin und L 35 waren Bauern mit ihrer Technik postiert - und erhielten so manche zustimmende (Licht-)Hupe.
Auch auf der Brücke zwischen Klein Toitin und L 35 waren Bauern mit ihrer Technik postiert - und erhielten so manche zustimmende (Licht-)Hupe. (Foto: Stefan Hoeft)

Gleichzeitig machte Vaegler klar, dass sie und ihre Kollegen auch weiterhin keine Ruhe geben werden, solange sie aus Berlin nichts für sie Zählbares hören. Verbunden mit dem Wissen, dass die Aktionen der Bauern so einige weitere Initiativen angeschoben und sie zumindest in Vorpommern breiten Rückhalt haben.

Brückenschlag über Zuständigkeitsgrenzen hinweg

Allerdings gebe es selbst hierzulande noch einiges Unverständnis und Vorurteile, insbesondere im Hinblick auf die viel diskutierten Subventionen für die Branche, räumte Anne Vaegler ein. Gerade da seien einige der jüngsten Veranstaltungen sehr hilfreich gewesen, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und Aufklärungsarbeit zu leisten.

Freude herrschte bei ihr darüber, dass sich die Resonanz auf den Aufruf erneut keineswegs auf Mitglieder des OVP-Verbandes beschränkte, sondern die Bauwerke über die A 20 auch hinsichtlich der Verbände eine Brückenfunktion erfüllten. Denn aus den Amtsbereichen Jarmen-Tutow und Peenetal/Loitz rollten ebenfalls Kollegen mit ihrer Technik an, so dass der Protest auf den Querungen von beiden „Ufern“ aus getragen wurde.

Gerade nach Einbruch der Dämmerung war der Protest der Landwirte nur schwer zu übersehen, hier auf der Brücke über die A 20 bei Neuendorf.
Gerade nach Einbruch der Dämmerung war der Protest der Landwirte nur schwer zu übersehen, hier auf der Brücke über die A 20 bei Neuendorf. (Foto: Stefan Hoeft)

So war an der Autobahn-Anschlussstelle  erneut der Landwirtschaftsbetrieb Hesse aus Plötz mit von der Partie und Familie Höft aus Daberkow samt ihrer Kinder. Letztere agieren bisher als Bauern im Nebenerwerb mit viel Herz und Traditionsbewusstsein und planen eigentlich für die Zukunft ein größeres Engagement, haben sich dafür bereits die nötige Technik zugelegt, berichteten sie dem Nordkurier. Doch die jüngsten politischen Entscheidungen stellten nun plötzlich vieles infrage und bedeuteten gerade für kleine Unternehmen einen enormen Gegenwind.

Nicht umsonst seien sie deshalb bei fast jeder Protestaktion dabei und rollten mit ihrem Transporter sogar bis zur jüngsten Großdemo nach Berlin. Klein beigeben können und wollen sie jedenfalls nicht, machten die Daberkower klar. Und nicht nur der Bauernverband hat bereits für nächste Woche weitere Proteste in Aussicht gestellt.

Doch auch in den Austausch mit der Politik ist der hiesige Bauernverband bereits aktiv eingebunden. So soll an diesem Dienstag um 18.30 Uhr in Anklam im Bürgerbüro der Linken, in der Mühlenstr. 18b, stattfinden. Auf dem Podium Linken-Agrarpolitiker aus Bund und Land sowie die Landwirte Sebastian Vaegler aus Züssow und Christian Hinz aus Klein Bünzow. Interessierte sind zur Teilnahme herzlich eingeladen.