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Ärger mit dem Kreis

Bürgermeister sauer nach Kaffeerunde mit Landrat Sack

Anklam / Lesedauer: 3 min

Kaffeerunde, nettes Foto – und das war es dann? Landrat Michael Sack (CDU) will einmal im Jahr bei Bürgermeistern hören, wo es Probleme gibt. Doch gibt es auch Lösungen?
Veröffentlicht:26.01.2023, 14:21

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Die Bürgermeister des Amtes Anklam-Land sind sauer auf die Kreisverwaltung und ihren Landrat Michael Sack (CDU). Der bereist einmal im Jahr alle Ämter – für Bürgersprechstunden, aber auch um bei den Bürgermeistern wichtige Themen mit in die Verwaltung zu nehmen. Doch offenbar ist außer Kaffeeklatsch mit ein paar netten Bildern nicht viel bei rumgekommen.

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Im Mai 2022 war Michael Sack im Amt Anklam-Land zu Gast, samt Fotorunde auf der Treppe des Bürgerhauses und Kaffeerunden mit den Bürgermeistern. Bei denen wächst nun aber teils der Unmut. Über ein halbes Jahr nach dem Treffen habe man zu den dort angesprochenen Problemen noch keine konkreten Antworten bekommen, sagte Neetzow-Liepens Bürgermeister Matthias Falk. „Gab es zu dem Treffen ein Protokoll und einen Folge-Kontakt wenigstens mit der Amtsverwaltung?”, wollte er nun jüngst im Amtsausschuss wissen.

Kaffeeklatsch statt Problemlösung?

Auch Frank Götz als Oberhaupt der Gemeinde Butzow stellt die Veranstaltung mit dem Landrat inzwischen infrage. Er hatte etwa zur Biberproblematik in seiner Gemeinde Fragen gestellt und bislang keine Antwort erhalten. „Ein Fotoshooting können wir auch anders machen, das bringt uns nichts”, so sein Fazit.

Amtsvorsteher will nachhaken

Amtsvorsteher Holger Vogel sprang derweil teils sogar für die Kreisverwaltung in die Bresche. „Themen, die damals angesprochen wurden, liegen mitunter auch nicht im Einflussbereich des Landkreises”, verwies er. Doch Vogel, der hauptberuflich Veterinäramtsleiter beim Landkreis Vorpommern-Greifswald ist, wurde von seinen Bürgermeisterkollegen auch auf seine Aufgabe als ehrenamtlicher Amtsvorsteher des Amtes Anklam-Land hingewiesen.

„Du bist unser Fürsprecher und Sprachrohr gegenüber dem Kreis”, mahnte Matthias Falk an. Diese Aufgabe wolle er auch wahrnehmen, antwortete Holger Vogel. Dem Kreis werde er ein Schreiben schicken, mit der Erinnerung an die offenen Fragen bei der Bürgermeisterstunde in Spantekow, versprach der Amtsvorsteher. Ob der Landkreis aber in allen Belangen helfen könne, das bezweifele er nach wie vor.

Kreis bietet weitere Rücksprachen an

Doch auch mit einer negativen Antwort sind seine Kollegen wohl schon zufrieden. „Dann wissen wir zumindest, dass wir uns mit diesen Anliegen an andere Stellen wenden müssen”, so Falk. Laut Aussage vom Landkreis gab es nach dem konkreten Treffen in Spantekow zumindest zur Amtsverwaltung noch Kontakt. Auch beim Termin im Amt Anklam-Land im Mai letzten Jahres habe die Kreisverwaltung Themen „mitgenommen“, heißt es.

Eigentlich sollen diese Gesprächsrunden Verwaltungschef Sack die Möglichkeit geben, bei offenen Bürgerstunden zu erfahren, wo den Menschen im Landkreis der Schuh drückt. Und eben auch bei den Bürgermeistern der amtsangehörigen Gemeinden.

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„Beide Gesprächsrunden werden in der Regel rege zum Austausch mit dem Landrat genutzt. [...] Die Bandbreite der Themen ist dabei meist sehr breit gefächert. Die Termine sind stets eine gute Gelegenheit, Sorgen, Probleme und konstruktive Vorschläge direkt aufzunehmen”, heißt es vom Kreis zu dem Format auf Anfrage des Nordkurier.

Hätten die Bürgermeister weiterhin Fragen und noch konkreten Rückabsprachebedarf, könnten sie sich gerne an die Kreisverwaltung wenden, heißt es von der Verwaltung als Antwort auf den Unmut der Bürgermeister. Inwieweit allein diese Aussage die Kaffeerunde im Amtsgebäude obsolet macht, muss nun wohl jeder der damals anwesenden, ehrenamtlichen Bürgermeister für sich beantworten.