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Tierschutz

Drei Wochen nach der Rettung – so geht es
 Boxer-Mix Chico heute

Medow / Lesedauer: 4 min

Das Schicksal von Boxer-Mix Chico, der verwahrlost in einem Hausflur in Anklam aufgegriffen wurde, hat viele Menschen bewegt. Jetzt gibt es gute Nachrichten von dem Vierbeiner.
Veröffentlicht:08.11.2023, 05:34

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Chico wirbelt durch das vom Herbst verfärbte gelbe Laub. Er schnappt nach Stöcken und hüpft von Erdhaufen zu Erdhaufen. Der zwei Jahre alte schwarz-weiße Boxer-Mix Rüde ist kaum wiederzuerkennen. Noch vor drei Wochen konnte man am Körper des Hundes jede Rippe zählen und seine dünnen Beinchen sahen aus, als könnten sie jeden Moment zerbrechen.

Damals hatten Polizei und Tierrettung den verwahrlosten und unterernährten Hund in einem Hausflur im Anklamer Stadtgebiet aufgegriffen und in den Zwinger der Anklamer Aufnahmestation gebracht. Dort sah er zum ersten Mal die Person, die er auch bei seinem Spiel in der Natur nie aus den Augen verliert, sein Frauchen Mandy Hargas. Ihr verdankt der Hund sein heutiges Leben.

Mandy Hargas holte Hund Chico zu sich und ihrer Familie und gibt ihm ein Zuhause auf Lebenszeit.
Mandy Hargas holte Hund Chico zu sich und ihrer Familie und gibt ihm ein Zuhause auf Lebenszeit. (Foto: Maxi Koglin)

Von der Pflegestelle zum Dauer-Zuhause

„Ich wollte diesen Hund“, sagt Mandy Hargas. Sobald sie den Eintrag auf der Facebookseite der Tierrettung gesehen hat, war ihr das klar. Drei Tage hat Chico im Zwinger in Anklam verbracht, bis sie ihn zu sich nach Medow nahm. Zunächst sollte er nur ihr Pflegehund sein. Mittlerweile ist sie aber seine offizielle Besitzerin und wird ihn nie mehr hergeben.

„Ich ging ihn im Zwinger schon besuchen, war mit ihm spazieren und gab ihm Leckerlis“, erzählt sie. So viel Glück haben die meisten Tierheimhunde nicht, weiß Klaus Kraft von der Tierrettung. „Es ist für uns auch ein Happy End“, sagt er. 

Um Chico zu bekommen, wurde Mandy Hargas zunächst als Pflegestelle für Tiere aufgenommen. Diese Pflegestellen werden von der Tierrettung besucht und ausgewählt. In manchen Fällen kommt auch nochmal das Veterinäramt und schaut, ob Sauberkeit und Sachkunde bei den Haltern vorhanden sind. Aber schon nach kurzer Zeit wusste die Halterin, dass Chico kein Hund für ein paar Wochen oder Monate ist. Sie wollte ihn nicht mehr hergeben und auch ihr Partner und die Kinder hatten sich an den Boxer-Mischling schnell gewöhnt.

Immer genug Futter ‐ das war völlig neu

Als Chico bei Mandy Hargas zu Hause ankam, wollte er erstmal viel kuscheln. Aber er war auch hungrig. „Ich kann in der Küche nichts liegen lassen, weil er so verfressen ist“, erzählt sie. Sie weiß, er meint es nicht böse, da er für sich selbst sorgen musste und es nicht anders kennt. Anfangs habe er auch nach ihrem Essen geschnappt. Damit hat er aber aufgehört. So langsam gewöhnt er sich an die Routine und weiß, dass es genug Futter für ihn gibt.

Auch das Wasser besorgte sich der Hund bei seinem Vorbesitzer womöglich selbst. Chico kann nämlich die Toilette öffnen und trinkt dann daraus. Auch Türen öffnet er allein. So kam er wohl damals auch in den Hausflur, in dem er von der Polizei und Tierrettung aufgegriffen wurde. „Man darf dabei nicht vergessen, dass sowas aus reiner Not heraus passiert“, mahnt Tierretter Klaus Kraft.

So sah Chico noch vor drei Wochen aus, als Mandy Hargas ihn aus dem Zwinger holte.
So sah Chico noch vor drei Wochen aus, als Mandy Hargas ihn aus dem Zwinger holte. (Foto: Mandy Hargas)

„Er lernt langsam alles kennen“

Mandy Hargas beschreibt Chico als freundlichen und klugen, aber sturen Familienhund. Er ist mittlerweile so in die Familie integriert, dass er sie und ihre beiden Kinder beschützt. Auch mit ihren beiden Katzen und ihrem zweiten Hund kommt Chico hervorragend zurecht, erzählt die Tierhalterin. „Er hat einen richtigen Kumpel in meinem Hund gefunden“. Die beiden Hunde spielen und kuscheln oft miteinander. Momentan braucht Chico aber auch viel Einzelbetreuung.

„Er lernt alles langsam kennen und testet daher viel aus“, erzählt Mandy Hargas. Allein hört er schon gut auf seinen Namen, aber wenn er mit ihrem zweiten Hund unterwegs ist, klappt das noch nicht. Trotz dass er sich so gut entwickelt und so brav ist, ist er bei jeder ruckartigen Handbewegung schreckhaft, weil er in seinem Leben viel Schlimmes erlebt haben muss, mutmaßt sie.

In den drei Wochen, in denen Chico jetzt zur Familie gehört, hat er acht Kilogramm zugelegt. Mittlerweile bringt er fast ein normales Gewicht für einen Hund seiner Rasse und Größe auf die Waage. Die Tierarztbesuche enden damit für Mandy Hargas und Chico aber noch lange nicht. Es gibt noch einige Baustellen zu bewältigen. Vielleicht hat er eine Futterunverträglichkeit, weil seine Haut schuppt, und er macht manchmal komische Geräusche beim Atmen, die auf ein Problem an Herz oder Lunge zurückzuführen sein könnten, weiß auch Klaus Kraft. Trotz dieser Probleme wird Chico hoffentlich noch viele Jahr im Herbst über die Medows Felder jagen und mit seiner Familie abends auf dem Sofa kuscheln.