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Schülerverkehr

Eltern in Sorge – Schulbus fährt Kindern vor der Nase weg

Anklam / Lesedauer: 4 min

Jeden Morgen sitzt die Tochter von Raik Domscheidt aus Murchin mit einem unguten Gefühl im Schulbus nach Anklam. Jeden Morgen sorgt sich auch ihr Papa, ob alles gut gehen wird.
Veröffentlicht:15.09.2022, 18:32

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Gemeinsam mit anderen Fahrschülern der Grundschule Gebrüder Grimm und auch einigen Schülern der momentan ausgelagerten Käthe-Kollwitz-Schule muss die Tochter von Raik Domscheidt aus Murchin morgens um 7 Uhr am Busbahnhof von ihrem Bus, der die Kinder nördlich der Peene eingesammelt hat, in einen wartenden Bus umsteigen, der sie wiederum die letzten Kilometer bis zu ihrer Schule in den Stadtwald in die Akazienstraße bringt.

Doch schon im vergangenen Winter sei es mehrfach vorgekommen, dass genau dieser Sammelbus nicht, wie im Fahrplan angedacht, auf die ankommenden Busse wartet. Stattdessen ist er den Kindern vor der Nase weggefahren und die saßen dann erst einmal auf dem Bahnhof fest.

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Zwei Kilometer zu Fuß bis zur Schule

„Das sind fünf- bis 12-jährige Grundschüler und die müssen dann in den frühen Morgenstunden und teilweise im Regen über den dunklen Reeperstieg rund zwei Kilometer bis zu ihrer Schule laufen”, ärgert sich der Familienvater.

Nach den Vorfällen vor einigen Monaten hatte er sich auch schon bei der Anklamer Verkehrsgesellschaft (AVG) und ebenso beim Landkreis, der für den Schülerverkehr zuständig ist, beschwert.

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Vater erwägt rechtliche Schritte

Es folgten Entschuldigungen und Versprechen, dass dieser Fehler sich nicht mehr wiederholen würde. Doch nachdem vor wenigen Tagen der betreffende Bus schon wieder ohne die Kinder abgefahren ist, erwägt der Familienvater jetzt sogar rechtliche Schritte einzuleiten.

„Die düstere Jahreszeit steht uns bevor und wir bangen wieder jeden Morgen, ob unsere Kinder gut in der Schule ankommen oder nicht”, ist Raik Domscheidt mit seiner Geduld fast am Ende.

Unternehmen sieht Versäumnis eines einzelnen Fahrers

Auf Nachfrage bei der AVG antwortet deren Geschäftsführer Frank Lettkemann wiederum mit einer Entschuldigung auch direkt an die betroffene Familie. Es läge klar ein Versäumnis des einzelnen Fahrers vor, denn die betreffende Umstiegssituation ist klar geregelt und für jeden Dienst verpflichtend.

Unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls sei nicht nur ein klärendes Gespräch mit dem einzelnen Mitarbeiter geführt worden, sondern das gesamte Team noch einmal für die Situation sensibilisiert und für die exakte Dienstdurchführung geschult worden.

„Die meisten unserer Mitarbeiter im Fahrdienst sind selbst Mütter oder Väter, häufig sogar Großeltern und durchaus schon aus diesen persönlichen Erfahrungen sensibilisiert für die Sicherheit der Kinder. Der Mitarbeiter, der den Fehler bei der Anschlussgewährung gemacht hat, ist seit Jahrzehnten in unserem Betrieb und zählt zu den Fahrern, die öfter auch mal einem Grundschüler über die Straße helfen, wenn er die Verkehrssituation für nicht sicher genug hält”, erklärt Lettkemann weiter.

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Bei Problemen direkt an Einsatzleitung wenden

Für die Zukunft wünscht sich der Geschäftsführer des Verkehrsunternehmens natürlich, dass Fälle wie diese nicht wieder vorkommen. Ansonsten setzt er auf eine unmittelbare Kommunikation bei Problemen durch die Eltern und vielleicht sogar auch direkt durch die Kinder.

Die Einsatzleitung in Anklam sei von 4.30 bis 17 Uhr besetzt und in der Lage, beispielsweise bei einem verpassten Anschluss das Fahrzeug umzuleiten oder eine alternative Beförderung zu organisieren, aber auch andere Busfahrer vor Ort am Bahnhof könnten im Zweifel weiterhelfen.

Vater Raik Domscheidt bleibt skeptisch und will die nächsten Monate abwarten. Wenn alles nach Plan läuft, müssen sich weder Eltern noch Schüler an die Einsatzleitung oder die Fahrer wenden. Ihm sei in erster Linie wichtig, dass seine Tochter und alle anderen Kinder nicht im Morgengrauen auf sich allein gestellt kilometerweit durch die Stadt laufen müssen.