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Leichenfund

Explodiertes Haus in Jarmen – Das haben Ermittlungen ergeben

Jarmen / Lesedauer: 3 min

Zwei wichtige Fragen um die Toten in der Brandruine nahe der A20 sind geklärt. Zu weiteren Details haben sich die Ermittler Schweigen auferlegt.
Veröffentlicht:05.07.2023, 12:54

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Bei den zwei Toten, die nach dem verheerenden Brand eines Eigenheimes an der Neuen Feldstraße in Jarmen gefunden wurden, handelt es sich wie vermutet um die Bewohner, also einen 60–jährigen Mann und seine 59–jährige Frau aus der Peenestadt. Das hat Martin Cloppenburg als Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Stralsund dem Nordkurier bestätigt, nachdem jetzt das Ergebnis eines DNA–Vergleichs vorliegt.

Obduktion lässt genauere Schlüsse zum Geschehen zu

Das erst 2019 errichtete Gebäude war samt benachbarter Garage nach zwei Explosionen am frühen Morgen des 24. Juni ausgebrannt und teilweise eingestürzt, nach dem Löschen entdeckten die Rettungskräfte im Schlafzimmer die beiden Leichen.

Zwar steht der schriftliche Abschlussbericht zur Brandursachenermittlung noch aus, wie der Oberstaatsanwalt berichtete. „Aber es ist mit an hundert Prozent grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Explosionen durch die Bewohner ausgelöst wurden — von beiden oder von einem von beiden. Es liegt also ein Suizid–Geschehen nahe.“ Ein technischer Defekt oder Unfall sei ausgeschlossen. Ob es sich dabei um einen sogenannten erweiterten Selbstmord, bei dem einer der zwei bereits zuvor auf andere Weise getötet wurde, diese Frage wollte er allerdings nicht beantworten. Berichte aus der Nachbarschaft legten nahe, dass sich die Frau trennen und ihr Mann das nicht akzeptieren wollte.

Zwar lassen die Obduktionsergebnisse und weiteren Untersuchungen durchaus genauere Schlüsse zum Ablauf der Tatnacht zu, stellte der Pressesprecher klar. Doch in Absprache mit der Polizei werden die Behörden dahingehende Informationen unter Verschluss halten und lediglich den engsten Angehörigen der Toten mitteilen. Denn hier stehe das Persönlichkeitsrecht der Betroffenen deutlich vor dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit, so die Argumentation. Dabei gehe es zum einen um die auch posthum existierenden Rechte der Eheleute, vor allem aber um die ihrer Angehörigen und insbesondere der Kinder.

Teile des Daches wurden durch eine der Explosionen angehoben und landeten auf angrenzenden Grundstücken.
Teile des Daches wurden durch eine der Explosionen angehoben und landeten auf angrenzenden Grundstücken. (Foto: Stefan Sauer)

Mit dem Abschluss der Identifizierung seien die Leichen im übrigen wieder freigegeben und können damit bestattet werden, erklärte Martin Cloppenburg. Und sobald der Brandursachen–Bericht abgeschlossen ist, werde auch das Todesermittlungsverfahren endgültig eingestellt — da Tote ja nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden können. 

Warum wir über diesen Fall berichten

Der Nordkurier berichtet im Einklang mit dem Pressekodex normalerweise gar nicht oder nur sehr knapp über mögliche Selbsttötungen oder -versuche. In begründeten Einzelfällen weichen wir von dieser Richtlinie ab — im konkreten Fall, weil das Geschehen von vielen Menschen beobachtet und von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wurde.

Bei Suizid–Gedanken oder Depressionen

Falls Ihre eigenen Gedanken darum kreisen, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie mit anderen Menschen darüber! Es gibt zahlreiche, auch anonyme Hilfsangebote. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Der Anruf ist kostenlos und taucht nicht in der Telefonrechnung auf.