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Wegen gestiegener Kosten

Investoren von Schloss Broock legen große Ausbaupläne auf Eis

Broock / Lesedauer: 4 min

Die gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten torpedieren auch Vorpommerns aktuell größtes Gutshaus-Projekt in Broock. Einen Rückzug der Investoren soll das nicht bedeuten.
Veröffentlicht:08.11.2023, 19:51

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Der Umbau der Gutsanlage Broock zu einem großen Kultur- und Veranstaltungszentrum samt Beherbergungs- und Wellness-Betrieb wird erstmal ad acta gelegt. Zumindest jedenfalls die zügige Umsetzung der Pläne als Gesamtprojekt. Das kündigte Besitzer Stefan Klinkenberg an, der zusammen mit seiner Frau Monika die Immobilie 2017 erworben hatte und seither zuvorderst die Sicherung und Rettung der Schlossruine bewerkstelligt hat.

Auch beim jüngsten Tag des offenen Denkmals im September konnten Stefan Klinkenberg (Mitte) und sein Mitstreiter jede Menge Baufortschritte im Broocker Schloss vorweisen. Doch auch ihnen macht die Bau- und Finanzierungskrise jetzt arg zu schaffen.
Auch beim jüngsten Tag des offenen Denkmals im September konnten Stefan Klinkenberg (Mitte) und sein Mitstreiter jede Menge Baufortschritte im Broocker Schloss vorweisen. Doch auch ihnen macht die Bau- und Finanzierungskrise jetzt arg zu schaffen. (Foto: Stefan Hoeft)

Ab dem nächsten Jahr sollte der Ausbau des Hauptgebäudes starten und für die Fertigstellung des gesamten Ensembles war das Jahr 2027/28 anvisiert. Doch die Entwicklungen auf dem Bau- und Kreditmarkt, begleitet von Veränderungen in der Kultur- und Tourismusbranche, zwingen ihn nun, die Reißleine zu ziehen und erstmal in kleineren Dimensionen zu denken, wie er bei einer Informationsrunde für die Anlieger erklärte.

Höhere Zinsen und weniger Förderung

„Wir hatten zuletzt 52 Millionen Euro für das gesamte Vorhaben kalkuliert, davon ist ein großer Teil erstmal weggefallen. Das heißt, wir können diesen großen Wurf nicht mehr machen.“ Neben der rapiden Steigerung der Material- und Baupreise machte er dafür insbesondere den enormen Kostenanstieg seit 2022 beim Kapitaldienst verantwortlich.

Schließlich fußte das Finanzierungskonzept zu rund 50 Prozent auf Fremdmitteln durch Darlehen. Da könne sich bei den vorher gängigen rund einem Prozent Zinsen und nun 4,5 Prozent jeder selbst vorstellen, was das bei so einem Investitionsvolumen bedeutet. Hinzu komme das Wegbrechen von Förderprogrammen, mit denen die aus Berlin stammenden Broocker Schlossherren bisher rechneten.

Sicherung von unten bis oben: Während sich Stefan Klinkenberg (links) und seine Mitstreiter auch den Kellergewölben des Schlosses widmeten, gingen die Baupreise und Zinsen weit nach oben.  
Sicherung von unten bis oben: Während sich Stefan Klinkenberg (links) und seine Mitstreiter auch den Kellergewölben des Schlosses widmeten, gingen die Baupreise und Zinsen weit nach oben.   (Foto: Stefan Hoeft)

„Wir hauen hier nicht ab“

„Wir haben dadurch auch in Broock einige Finanzierungsprobleme und müssen umplanen“, sagte Klinkenberg, von Beruf Architekt. Zumal die Corona-Pandemie und ihre Folgen eine teilweise Neuorientierung beim Kultur- und Veranstaltungsbetrieb mit sich gebracht habe, da also ebenfalls andere Voraussetzungen herrschen als beim Startschuss. 

Während andere Großprojekte längst auf Eis lägen oder komplett gecancelt seien, werde es in der Gutsanlage aber kontinuierlich weitergehen: „Wir hauen hier nicht ab, schließen nicht die Türen. Etwas Mittel werden immer zur Verfügung stehen“, versicherte er.

Eine Feststellung, die auch seinem Projektleiter Christian Schmidt, der sich schon vorher intensiv um das Schloss bemüht hatte, sehr wichtig erscheint. „Es ist kein Rückzug geplant, es wird permanent vorwärtsgehen.“ Der bisherige Zeitplan sei ohnehin sehr sportlich gewesen, nun müsse die Umsetzung in mehreren Stufen und über einen deutlich längeren Zeitraum verteilt erfolgen.

Wellnessbereich auf der Kippe 

Wie diese Etappen aussehen und wann sie an die Reihe kommen, werde in den nächsten Wochen genauer besprochen und geplant, erläuterte er im Gespräch mit dem Nordkurier. Und deutete an, dass einige Bestandteile sogar gänzlich infrage stehen, insbesondere das Sauna- und Badehaus. Zu dem sei gerade von Seiten des Landes gedrängt worden, doch momentan lasse sich diese Investition betriebswirtschaftlich nicht darstellen. 

Die weiteren Schritte zur Sicherung und zum Ausbau des einst herrschaftlichen Hauptgebäudes seien zumindest bis Mitte/Ende 2024 durchfinanziert, bis dahin sollen mehr als elf Millionen Euro in das Projekt investiert sein. Gegenwärtig widmen sich die Handwerker dem Aufsetzen der neuen Schornsteinköpfe und den Blechverkleidungen an den Dachrändern. Die neue Eindeckung des Südflügels soll möglichst noch im Dezember beginnen, so der Projektleiter.

Nebengebäude und Wohnprojekte zurückgestellt

Außerhalb dieses großen baulichen Mittelpunktes werde man sich in der nächsten Zeit erstmal auf die Schaffung jener Infrastruktur konzentrieren, die für das Funktionieren des Schlossbetriebs unabdingbar ist, erläuterten Schmidt und Klinkenberg. Sprich der Ausbau einiger der zahlreichen Nebengebäude auf dem Hof muss länger warten, selbst wenn die Planung dafür teils schon kräftig vorangetrieben und die Baugenehmigung in Sicht war.

Betroffen von dem Streichkonzert sind auch in der Region angesiedelte Extra-Projekte, die in Zusammenhang mit dem Schlosskomplex stehen. Wie etwa zwei Wohnbauvorhaben im benachbarten Buchholz und Alt Tellin mit Wohneinheiten im zweistelligen Bereich, die vor allem dem eigenen Personal dienen sollen und für die bereits Immobilien erworben wurden. „Im Moment ist so etwas nicht finanzierbar, deshalb treiben wir da im Moment nur die Planung weiter“, so der Architekt aus Berlin. Anders verhält es sich mit dem bereits laufenden Ausbau des Bahnhofes in Sternfeld, der als Ankunftszentrum für Broock fungieren und deshalb auf jeden Fall so schnell wie möglich fertiggestellt werden soll.