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So lebt es sich im Schloss – und kehrt der geklaute Greif zurück?

Neetzow / Lesedauer: 4 min

Die Winterpause ist fast vorbei. Kurz vor Ostern starten die Schlosshotel-Betreiber in ihre vierte Saison. Und auch im Fall des gestohlenen Greifen gibt es neue Entwicklungen.
Veröffentlicht:11.02.2024, 18:04

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Es war der erste Winter seit drei Jahren, in dem sich das Schloss Neetzow nicht in eine riesige Baustelle verwandelt hat. Inzwischen seien alle 29 Zimmer durchrenoviert und es mussten diesmal nur kleine Schönheitsreparaturen in der Winterpause durchgeführt werden. Sogar für Urlaub wäre Zeit gewesen, berichtet, Philipp Skaar der gemeinsam mit seinem Partner Nico Welzel seit 2021 das Hotel im Neetzower Schloss betreibt.

Philipp Skaar (rechts) und sein Lebenspartner Nico Welzel betreiben das Schloss Neetzow seit 2021.
Philipp Skaar (rechts) und sein Lebenspartner Nico Welzel betreiben das Schloss Neetzow seit 2021. (Foto: ZVG/ Schloss Neetzow)

Hilfe, Lob und Unterstützung

In den ersten drei Jahren ihres Wirkens haben sie dafür umso fleißiger gebaut, so dass sich Schloss Neetzow heute mit einem klaren, familiär gehaltenen Hotelkonzept zeigt. Anders als man es von einem Hotel im Schloss erwarten würde.

Als einer von vier Enkeln der einstigen Gutsbesitzerfamilie von Kruse, die Schloss Neetzow vor nahezu 175 Jahren errichten ließ und mit der Bodenreform verloren hat, ist Skaar wieder in die alte Heimat seiner Vorfahren zurückgekehrt und fühlt sich gut angekommen.

„Sehr geholfen hat aber auch, wie herzlich und interessiert wir hier in Neetzow begrüßt und willkommen geheißen wurden. Und welch tatkräftigen Kreis an Unterstützern wir für unser Haus gewinnen konnten, seien es die lokalen Handwerksbetriebe oder auch die Zulieferbetriebe aus der Region. Wenn uns dann auch noch Lob zu den Fortschritten erreicht, die wir bereits erzielen durften, fühlen wir uns von unserer Wahlheimat sehr gut angenommen“, berichtet Philipp Skaar.

Gastronomie nur für Hotelgäste

Aber wie wahrscheinlich überall gibt es natürlich auch den ein oder anderen Kritiker. Doch auch derartigen Meinungen würden sie offen gegenüber stehen und sehen sie eher als einen Nachweis, dass sich die Menschen weiterhin eng mit dem Anwesen verbunden fühlen. „Anders als den Schlosspark können wir das Haus nicht öffentlich zugänglich halten, auch unsere Gastronomie bieten wir ausschließlich an unsere Hotelgäste an. Sei es der Kaffee und Kuchen am Nachmittag oder das Restaurant am Abend: Schloss Neetzow liegt schlichtweg zu weit ab vom Schuss von hoch frequentierten Pfaden, als dass wir in unserer Abgeschiedenheit ein für Tagesgäste dauerhaft verfügbares, aber auch wirtschaftlich tragfähiges Angebot bereithalten können“, geht er ins Detail.

„Seit dem vergangenen Jahr öffnen jedoch unser Haus an vier Sommer-Sonntagen zu einem musikalischen Brunch. Der Vorverkauf für die aktuelle Saison läuft bereits auf unserer Webseite“, lädt er neugierige Besucher ins Schloss ein. Und auch zur diesjährigen Mittsommer-Remise am 23. Juni werden sich die Schlosstüren wieder für die Allgemeinheit öffnen.

Schloss Neetzow in den Wintermonaten bleibt das Hotel geschlossen.
Schloss Neetzow in den Wintermonaten bleibt das Hotel geschlossen. (Foto: ZVG/ Schloss Neetzow)

Leben im Schloss

Philipp Skaar arbeitet nicht nur im Schloss, sondern lebt auch dort. Wie kann man sich den Alltag hinter so historischen Mauern vorstellen? „Das Leben auf einem Schloss ist gar nicht so glamourös, wie man sich das vielleicht so vorstellt. Wir wohnen hier in einem Zweizimmer-Apartment auf 45 Quadratmetern“, klärt der Schlossbewohner auf. Sein Partner verbringt noch immer berufsbedingt viel Zeit in Berlin und ist nur an den Wochenenden da.

„Im Winter, wenn das Hotel geschlossen ist, kann es schon bitterlich kalt werden. Übermäßig heizen ist nun einmal nicht bei den gegebenen Deckenhöhen, den einfach verglasten Fenstern und den derart angestiegenen Energiebezugspreisen“, gibt er zu. Da helfen oft nur Skiunterwäsche und die Zwiebel-Strategie. Dreifach entlohnt würden sie dafür in den warmen Monaten, wenn der Park grün ist, die Türen und Fenster geöffnet sind und die Vögel zwitschern. 

Eine zweite, dieser sehr ähnlichen Greifenskulptur wurde in den 1990er vom Schlossgelände gestohlen. Inzwischen wissen die Hotelbetreiber aber, wo sich das Kunstobjekt befindet und setzen alles daran es nach Neetzow zurück zu holen.
Eine zweite, dieser sehr ähnlichen Greifenskulptur wurde in den 1990er vom Schlossgelände gestohlen. Inzwischen wissen die Hotelbetreiber aber, wo sich das Kunstobjekt befindet und setzen alles daran es nach Neetzow zurück zu holen. (Foto: NK-Archiv/ Klinkenberg)

Kehrt die geklaute Greifen-Skulptur wieder zurück?

Und auch Neuigkeiten zur verloren geglaubten Greifenskulptur hat der Nachfahre der Gutsbesitzer zu berichten. Das gusseiserne Wappentier war 1999 vom Schlossgelände entwendet worden. Sein einsamer Zwilling schmückt derzeit allein die Terrasse.  „Nach dem wir 2021 Kenntnis bekamen, dass der Greif in einer Kunstauktion zur Versteigerung angeboten wurde, haben wir umgehend bei der Polizei Anzeige erstattet“, fasst Philipp Skaar zusammen.

Das Ermittlungsverfahren wurde Ende 2023 von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Dem aktuellen Besitzer konnte demnach strafrechtlich nicht nachgewiesen werden, dass er zum Zeitpunkt seiner Veräußerungsversuche Kenntnis darüber hatte, dass es sich um ein gestohlenes Objekt handelt. Ihm könne also keine Hehlerei im strafrechtlichen Sinne unterstellt werden.

Skulptur aktuell in Frankreich

Doch in jeder schlechten Nachricht liegt auch oftmals eine Gute, so sehen es zumindest Philipp Skaar und seine Familie. „Mit Abschluss der strafrechtlichen Ermittlung kennen wir nun den aktuellen Besitzer des Objektes. Es handelt sich um eine in Frankreich firmierende Kunstgalerie, die das Objekt im Jahr 2002 gekauft hat und seit dem in ihrem Besitz hält. Ganz bewusst wollen wir hier keine Namen nennen, um der Galerie einen zivilrechtlichen Weg zu eröffnen, sich ohne Risiko eines eigenen Imageschadens für eine zeitnahe Rückführung des Greifens an seinen angestammten Platz entscheiden zu können“, erklärt der Hotelier sein Vorgehen.

„Schlussendlich liest keine Galerie gerne in der Presse, dass sie mit einem einst gestohlenen Kunstgegenstand zu handeln versucht. Wir sind also weiterhin an diesem spannenden Thema dran und werden von einer auf Kunstraub spezialisierten Kanzlei unterstützt“, fasst er zusammen und ist sich ebenso bewusst darüber, dass diese kuriose Kriminalgeschichte nicht nur für seine Familie, sondern auch für die Gäste seines Hauses und viele Menschen aus der Region von Interesse ist.