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Deutsch-polnischer Austausch

Polnischer Besuch staunt über vorpommersche Bioökonomie

Anklam / Lesedauer: 3 min

Beim Austausch der Landkreise Walcz und Vorpommern-Greifswald wurde das Bioökonomiezentrum Anklam besucht. Hier sieht man viele Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit. 
Veröffentlicht:01.05.2023, 12:46

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Ähnliche Problemlagen, aber auch Entwicklungschancen für ihre Regionen konnten jüngst der Landrat von Vorpommern–Greifswald, Michael Sack (CDU), und sein polnischer Amtskollege Bogdan Walkiewicz ausmachen. Der zweitägige Besuch aus dem deutlich kleineren polnischen Landkreis Walcz zeigte, dass es noch viele Ideen für gemeinsame grenzüberschreitende Projekte gibt.

Geschäftsführer Johannes Runge(links) führte durch die Räume des Unternehmen RS Lacksysteme.
Geschäftsführer Johannes Runge(links) führte durch die Räume des Unternehmen RS Lacksysteme. (Foto: Anne-Marie Maaß)

„Ich freue mich sehr, dass mein polnischer Kollege Bogdan Walkiewicz und seine Kollegen aus dem Landkreis Walcz sich extra die Zeit genommen haben, um uns in Vorpommern-Greifswald zu besuchen“, betonte Landrat Michael Sack. So stand am Freitag ein Besuch in der Anklamer Region auf dem Plan. Erster Stopp: Das Bioökonomiezentrum in Relzow.

16 Firmenansiedlungen in Relzow

Professorin Beatrice Großjohann freute sich, dort das Unternehmen „Food and Pharma Services Anklam GmbH“ (FPS) der Gruppe um Landrat Michael Sack, Vorpommern-Staatssekretär Heiko Miraß (SPD) und der polnischen Delegation aus dem Landkreis Walcz vorstellen zu können. Vor Ort staunten die Gäste nicht schlecht, was sie dort zu sehen und zu hören bekamen.

Immerhin, von der Straße aus bleibt der Umfang dessen, was sich hier abspielt vielen verborgen. Dabei haben sich auf den insgesamt 13.000 Quadratmetern Fläche in den zurückliegenden Jahren 16 Firmen angesiedelt. Sie alle eint die Idee, neue Akzente in der Bioökonomie setzen zu wollen und so auch für die Region hochwertige und nachhaltige Jobs zu schaffen. 

Die Firma „FPS“ begleitet die Starts-Ups dabei mit Wissen und Know-How sowie entsprechender Labortechnik und Zertifizierungen. Beatrice Großjohann, die zum Beginn alleine in dem Objekt anfing, blickt nun bereits mit Stolz auf immerhin 35 Arbeitsplätze, die bislang in Relzow geschaffen wurden. Mit dem Aufbau der Produktionsstätte vom Pharmaunternehmen „Herbrand Pharma Chemicals“ ab Juli sollen noch weitere hinzukommen. Zudem wurden hier schon neun Master- und zwei Bachelorarbeiten betreut.

Hanf-Protein statt Tierfette

Auch Johann Münch kann sich künftig in Relzow Unternehmens-Standort vorstellen. Mit der Verarbeitung von Nutzhanf will er zunächst sein eigenes Unternehmen aufziehen. Der junge Gründer hat gerade erst seine Masterarbeit erfolgreich abgeschlossen und möchte nun mit seinen Geschäftspartnern mit dem Unternehmen „Mama Hanf“ durchstarten.

Die Idee: Die Hanf-Nuss soll speziell zerkleinert und in ihre Bestandteile aufgespalten werden. Hanf eigne sich aufgrund seines hohen Proteinanteils beispielsweise, um künftig tierische Fette in Wurstwaren zu verringern und diese so ökologischer und bekömmlicher zu machen, erläutert Gründer Münch eine Nutzungsmöglichkeit.

Zudem sei die Pflanze aus Sicht des Landwirts auch im Anbau ein wichtiger Zukunftszweig: „Der Hanf muss nicht bewässert werden, da er sehr tief wurzelt, zudem ist kein Einsatz von Unkrautvernichtern notwendig, da die Pflanzen sehr schnell wachsen und so alle Konkurrenten auf dem Acker selbst überwachsen“, erklärt er.

Tagesabschluss auf der Peene

Neben dem Labor-Bereich, in dem Lebens- und Arzneimittel sowie Trinkwasser analysiert werden, bekamen die Gäste auch noch den Unternehmensstandort von RS-Lacksystemen gezeigt sowie die Entwicklung des ebenfalls ortsansässigen Betriebes Grinol, der aus Abfallprodukten neue Biokraftstoffe entwickeln will. Auch von dieser Bandbreite an Forschungsthemen und Unternehmensfeldern zeigte sich der Besuch durchaus beeindruckt.

Für Beatrice Großjohann ein gutes Zeichen: „Wenn wir durch den Besuch heute auch auf polnischer Seite das Interesse geweckt haben und so deutsch-polnische Kooperationen entstehen können, wäre das ein großartiger Schritt und eine Bereicherung für unser Zentrum“, schloss sie. Für den Landrat und seine polnischen Gäste ging es nach dem wirtschaftlichen Exkurs anschließend noch weiter nach Anklam, um mit dem Ausflugsschiff Ida auf der Peene den Tag abzurunden.