Auf dem Hof

Postlower Lohnmosterei läuft auf Hochtouren

Postlow / Lesedauer: 5 min

Der große rote Apfel auf dem Dach lässt erahnen, was auf dem Hof der Familie Konrad in diesem Jahresabschnitt vor sich geht. Und hier wird nicht nur Apfelsaft gepresst.
Veröffentlicht:17.10.2021, 18:37

Von:
  • Nordkurier
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Ein Ortsbesuch von Johanna Duffe

Mühsam laden Marlies und ihr Mann Hartmut Konrad mehrere Kisten voller selbst gepressten Apfelsaft in ihren Transporter. Seit Anfang September ist in ihrer Lohnmosterei in Postlow Hochsaison für das Apfelsaftpressen angesagt, welche bis Anfang November andauern kann.

Rund 20 Kunden am Tag

Laut Marlies Konrad kämen ungefähr 20 Kunden am Tag mit vorheriger Terminabsprache mit ihren selbst geernteten Äpfeln vorbei, um einen individuellen Apfelsaft aus eigenen Früchten und ohne jegliche Zusätze wieder mitnehmen zu können. Genau für diese Besonderheit, die sie von anderen Mostereien unterscheidet, ist das Postlower Unternehmen in der Umgebung bekannt.

Für das Pressen plant das Paar für jeden Kunden je nach Menge eine halbe bis ganze Stunde ein, in der die Früchte verarbeitet werden. Davon bekommen die Kunden meistens gar nicht viel mit und vergnügen sich derweil mit den Hofattraktionen oder genießen einfach nur die idyllische Ruhe.

Mit Freude erzählt die Unternehmerin von einer Familie mit Kindern, die sogar noch über die Wartezeit hinaus sich mit Kuchen, Käffchen und dem kleinen Spielplatz den Tag vertrieb. In Erinnerung schwelgend fügte sie hinzu: „Das freut einen, wenn die Leute sich hier wohlfühlen.“

Auch eigene individuelle Saftherstellung

Am Anfang war es nur die Mosterei, die sich auf dem alten Grundstück der Eltern entwickelte. Doch wie die gelernte Agraringenieurin lächelnd erklärt „In den 17 Jahren ist alles durch uns so gut gewachsen“, wie auch nach einiger Zeit die Bekanntschaft des Betriebes und damit der Verkauf an Supermärkte, Restaurants und anderen Manufakturen. Deshalb werden die jetzigen Herbstmonate voll und ganz genutzt, neben der Herstellung des individuellen Safts auch die eigene Produktion vieler Saftsorten zu betreiben, um ein Jahr des Verkaufs abzudecken.

Während sich ein Traktor im Hintergrund auf den Weg zur Arbeit begibt, zählt sie ihr Apfelsaft-Angebot auf: „Wir haben Apfel mit Möhre, rote Beete, Quitte, Birne und noch weitere.“

Ganzjähriger Hofladen

Der Most ist aber noch längst nicht alles. Ein weiteres Standbein der Konrads ist der ganzjährig geöffnete Hofladen, der voller Waren aus der Mosterei, und weiteren regionalen Produkten anderer kleiner Betriebe ist. Für sie ist das ein Nehmen und Geben zur gegenseitigen Unterstützung der regionalen Wirtschaft.

Nebenbei verrät sie auch mehr über ihre persönlichen Favoriten und Neuzugänge des Hofladens. „Ich bin gar nicht so der Safttrinker.“, gibt Mosterei-Chefin selbstironisch zu, während Susi, die eine der vier Hofkatzen, um ihren Stuhl herumschleicht und ein zufrieden mauzt. Dafür sei sie ein großer Fan der Marmeladen und der Tassen, die teilweise von einer privaten Töpferin kreiert werden. Von den neuen Produkten, den Nudeln der Dreifisch GmbH aus Freest und dem Käse aus Groß Ernsthof, schwärmt sie ebenfalls ununterbrochen und legt sie als Empfehlung ans Herz.

„Hier soll alles eher locker sein”

Angekommen im Mostereigebäude zeigt sie auf die vielen Maschinen, die derzeit auf Hochtouren laufen und erklärt: „Im Sommer wird dieser Raum zu unserem Sommer-Café umgebaut.“. Das kommt mit selbst gebackenen Kuchen bei der Kundschaft in Kombination mit der ländlichen Atmosphäre und Sommersonne gut an. Eine gemütliche, stressfreie Zeit auf dem Land, was Marlies selbst auch sehr an ihrem Hofkonzept schätzt, denn „es soll hier alles eher locker sein.“

Frühes Aufstehen für den geliebten Arbeitsplatz

Für ihre Besucher ist der Aufenthalt in diesem „Ruhepunkt“ zwar eine entspannte Auszeit, aber für das Unternehmer-Ehepaar bedeutet es viel Arbeit. Besonders in der Zeit der Hochsaison. Alles beginnt mit dem frühen Aufstehen um fünf Uhr verbunden mit viel Organisation und haufenweise Papierkram. Praktischerweise muss sie dafür nur vom Bett ins Büro wandern.

Die frühe Zeit bereitet ihr außerdem keinerlei Probleme, denn wie sie es lachend zusammenfasst: „Ich kann nur morgens denken nach so einem Arbeitstag.“ Dieser geht nämlich erst richtig um sieben Uhr los mit dem Saftpressen und der Hofladenbetreuung.

Ein Ende findet der lange Tag zwischen 18 und 19 Uhr, wenn alles wieder an Ort und Stelle ist. Aber auch „für einen richtigen Arbeitsschluss muss man das Tor zu machen“, gesteht sie sich nickend ein. Auch wenn der gleichzeitige Arbeits- und Wohnort als Schwierigkeit erscheint, betont die engagierte Postlowerin: „Ich liebe das hier jeden Tag als Arbeitsplatz.“, und schaut über das von ihr mit erschaffene Werk.

Von der Natur abhängig

Als Kundschaft an diesem Tagnäher kommt, ist Marlies Konrad sofort zur Stelle und begleitet sie direkt mit in die Räumlichkeiten des Hofladens. Der Kunde begutachtet das Sortiment an Apfelsaft und gibt seine Bestellung nach Beratung durch Marlies auf. Anschließend führt sie ihn in die Lagerräume und sucht die Flaschen nacheinander raus. Dabei herrscht ein lockeres und freundliches Miteinander, wie man es sich auf dem Dorf vorstellt.

Dass Marlies und Hartmut Konrad mit Herz und Seele dabei sind, beweisen sie nicht nur den Kunden tagtäglich, sondern auch mit Standhaftigkeit in der Situation von Krisen. So schnell kriege sie nichts klein. „Wer so eine Branche hat und von der Natur abhängig wird, muss damit leben, dass jede Saison unterschiedlich wird.“ Ein klares Statement, welches Marlies sich selbst in Zeiten wie auch in diesem Jahr mit einer Apfelernte mit bis zu 70 Prozent weniger Früchten, sagt.

Wieder Feste geplant

Auch Corona hätte, wie bei vielen anderen finanzielle Einbußen gebracht. Noch dazu sei das traditionelle Hoffest auch ausgefallen. „Für viele Hoffestbesucher war das sehr traurig.“, berichtet sie mit mitgenommener Miene. Nichtsdestotrotz schaut sie positiv in die Zukunft und verkündet, dass für das nächste Jahr 2022 sowohl am 28. Mai und 27. August schon nächste Feste in Planung sind, zu denen die gewohnten Festlichkeiten hoffentlich wieder aufgenommen werden können.

Weitere Informationen und mögliche Terminabsprache unter Telefon: 039728 52484 oder online unter www.facebook.com/LohnmostereiKonrad

Mehr lesen: Kritik an Postlow-Doku des ZDF