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Sanierungsbedürftig

Problemfall Loitzer Badestelle - Ponton statt Schwimmbecken?

Loitz / Lesedauer: 4 min

Die Technik ist marode, das Nichtschwimmerbecken zwar repariert, müsste aber trotzdem erneuert werden. Die Badestelle in Loitz sorgt für viele Probleme. Löst die ein Ponton?
Veröffentlicht:20.09.2023, 19:10

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Nach der Saison ist vor der Saison ‐ erst recht, wenn schon jetzt abzusehen ist, dass es reichlich Probleme zu klären gibt, die die Zukunft der Loitzer Badeanstalt betreffen. „Sagen sie bloß nicht immer Badeanstalt, sondern Badestelle, denn schließlich handelt es sich um eine unbewachte Anlage, wir haben hier keinen Rettungsschwimmer“, gab Stadtvertreter Klaus Rabe (Die Linke) gleich zu Beginn eines Vorort-Termins am Dienstagabend nachdrücklich zu bedenken. Nicht allein dieser Fakt ist allen Bauausschussmitgliedern wohl bekannt ‐ die Bezeichnung für diesen Naherholungsort wird allerdings seit Jahrzehnten benutzt.

Mitglieder der Fachrunde trafen sich jetzt mit der Geschäftsführung der Stadtwerke Loitz, Sebastian Raus und Christine Krüger, und Dietmar Lexow, der mit dem Team seiner Firma als Dienstleiter für die Stadtwerke am Peenekanal im Einsatz ist. Alle gemeinsam sprachen über den aktuellen baulichen Zustand der Anlage, ließen auch hinter die Kulissen schauen.

Technik muss komplett erneuert werden

Sebastian Raus und Dietmar Lexow informierten darüber, dass „die gesamte Technik erneuert werden muss“. Die umfasst Messzelle, Filteranlage sowie die Dosiereinheit. All dies werde benötigt, um das Nichtschwimmer-Becken regelmäßig zu chloren. Allein der Einsatz dieser Chemie hat in der Saison 2023 rund 12 400 Euro an Kosten verursacht.

Um kurz bei den Ausgaben zu bleiben: Ebenfalls in 2023 wurden rund 7200 Euro in Reparaturarbeiten, rund 2700 Euro in die neue Zaunanlage und immerhin auch rund 2240 Euro in Labor-Untersuchungen investiert. „Dem gegenüber stehen Einnahmen in Höhe von 3300 Euro“, informierte Sebastian Raus. Der Eintritt kostet einen Euro ‐ pro Tag, pro Person. 20 Besucher, die das Bad regelmäßig nutzen, hatten eine Dauer-Eintrittskarte erworben.

Dickes Defizit nicht nur diese Saison

Die Zahlen sprechen für sich. Die Stadtwerke stehen in der Verantwortung, wirtschaftlich zu denken und zu handeln. Auch deshalb suchten sie das Gespräch, die Öffentlichkeit einer Bauausschusssitzung, um zu erfahren, wie sich  Stadtvertreter und berufene Bürger zu dieser Badestelle positionieren. „Der Tenor war eindeutig. Die Badeanstalt soll erhalten bleiben“, fassten die beiden Geschäftsführer am Anschluss der Sitzung in einem kurzen Gespräch mit dem Nordkurier für sich zusammen.

Dieser Anspruch steht auf der einen, die hohen Kosten für Technik-Reparaturen sowie ein in die Jahre gekommenes Nichtschwimmerbecken, das komplett erneuert werden müsste, auf der anderen Seite. Vor diesem Hintergrund hatte sich das Stadtwerke-Team Gedanken gemacht, welche Alternativen es gibt: Sebastian Raus brachte einen schwimmendes Ponton, bestehend aus einzelnen Elementen, zur Sprache. Der würde direkt im Kanal verankert werden, würde das Becken ersetzen, wäre durch Netze abgesichert, so dass die Nichtschwimmer ihn gefahrlos erreichen könnten.

„Einzelne Elemente werden abgesenkt, so dass wir wieder weiterhin ein Becken anbieten könnten. Diese Anschaffung würde eine einmalige Investition bedeuten, eine Garantie von 30 Jahren beinhalten und die hohen laufenden Kosten minimieren, die wir derzeit zu bewerkstelligen haben“, erläuterte Sebastian Raus. Allerdings bliebe das Problem der Verkrautung. Die müsste vorab beseitigt werden. Der Torf wachse allerdings stetig nach, so dass der Kanal auch stetig zuwächst.

Weitere Alternativen sollen geprüft werden

Dennoch reagierten die Bauausschussmitglieder auf die Ponton-Variante zunächst offen. Sie baten die Stadtwerke-Leitung allerdings auch darum, noch weitere Alternativen und vor allem auch ganz konkrete Kostenaufstellungen vorzulegen. „Was würde die Sanierung von der Spundwand, was der Neubau eines Nichtschwimmerbeckeckens kosten?“, wollte Ausschussvorsitzender Jens Steinfurth (CDU) wissen.

Bürgermeisterin Christin Witt warb zum Ende der Diskussion um den unbedingten Erhalt der Anlage: „Ich spreche für die Stadt und somit auch als Schulträger. Wir müssen weiterhin den Schwimmunterricht absichern.“ Das Thema Sanierung Badeanstalt soll, auf Vorschlag von Ausschussmitglied Helmut Spihalla (Einzelbewerber), regelmäßig auf der Agenda aller nächsten Bauausschuss- und Stadtvertretersitzungen stehen: „Ehe wir uns versehen, ist Juni 2024 und bis dahin müssen fertige Lösungen her.“