StartseiteRegionalAnklamRätselhafter Wikinger-Gott aus dem Peenetal zieht große Kreise

Archäologie

Rätselhafter Wikinger-Gott aus dem Peenetal zieht große Kreise

Menzlin / Lesedauer: 3 min

Der rätselhafte Fund einer Bronzenadel, verziert mit dem Kopf eines Mannes, auf dem ein Vogel sitzt, ist über die Region hinaus auf großes Interesse gestoßen. 
Veröffentlicht:04.12.2023, 18:40

Artikel teilen:

Die kleine Bronzenadel, die Ende des vergangenen Jahres auf dem Gelände der mittelalterlichen Siedlung an der Peene bei Menzlin gefunden wurde, hat auch im benachbarten Schleswig-Holstein für Aufsehen gesorgt.

Zumindest hat die dortige Archäologische Gesellschaft zunächst den Artikel aus dem Nordkurier auf ihrer Facebook-Seite verlinkt und wegen des großen Interesses auch den Beitrag von der Internet-Seite des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, der in der Rubrik „Fund des Monats“ unter der Überschrift „Ein kleiner Odin in Menzlin?“ erschienen ist.

Weitere Funde aus der Wikingerzeit geborgen

Dort hat sich nun auch einer der an der Bergung beteiligten Bodendenkmalpfleger zu Wort gemeldet. Der berichtet unter anderem, dass die zweistündige Suche auf dem Gebiet der Siedlung „enorm erfolgreich“ gewesen sei. Neben der Nadel seien auch noch andere Artefakte wie Fibel-Fragmente, der bronzene Griff eines Ohrlöffels aus der Wikingerzeit, einige arabische Hacksilbermünzfragmente und auch Scherben aus Steingut gefunden worden. 

Eine Tafel informiert in Menzlin über die bisherigen Funde auf dem Gelände der ehemaligen Siedlung.
Eine Tafel informiert in Menzlin über die bisherigen Funde auf dem Gelände der ehemaligen Siedlung. (Foto: Matthias Diekhoff)

Der Anklamer Ulf Radlof wiederum erinnert sich in einem Kommentar daran, wie er als Grabungsarbeiter und Bodendenkmalpfleger für Dr. Ulrich Schoknecht, der die Siedlung untersucht hat, in den frühen 80er Jahren einen Teil der Funde gereinigt und katalogisiert hat. Darunter slawische Keramik, Knochenreste von Stören, die über drei Meter Länge hatte, nordische Fibeln und Spinnwirtel sowie Hacksilber und arabische Münzen.

Menzliner Siedlung größer als Haitabu?

Auch wenn nur auf einem kleinen Teil der ursprünglichen Siedlung bei Menzlin gegraben wurde, vermutet Ulf Radlof, dass sie größer als zum Beispiel Haitabu in Schleswig-Holstein gewesen sein könnte. Haitabu gilt als ein bedeutender Handelsort der Wikinger und Hauptumschlagsplatz für den Fernhandel zwischen Skandinavien, Westeuropa, Nordseeraum und Baltikum.

Allerdings ist dieser auch wesentlich besser untersucht als Menzlin. Und so wird auch in den Kommentaren auf der Facebook-Seite der Archäologischen Gesellschaft Bedauern geäußert, dass an der Peene nicht weiter geforscht wird. Zudem wird gefragt, wann die Funde aus Menzlin dann endlich in einem Museum bewundert werden können. Das wird nach Angaben des Schweriner Kulturministeriums aber wohl erst möglich sein, wenn das Archäologische Landesmuseum in Rostock fertig ist. Damit wird aktuell aber wohl nicht vor dem Jahr 2030 gerechnet.

Im Anklamer Museum im Steintor gibt es eine kleine Abteilung, die sich mit den Wikingern in Menzlin beschäftigt.
Im Anklamer Museum im Steintor gibt es eine kleine Abteilung, die sich mit den Wikingern in Menzlin beschäftigt. (Foto: Matthias Diekhoff)

Interesse an Besuch im Peenetal

Zumindest dürften die Beiträge über die kleine Bronzenadel für noch ein paar Besucher mehr am „Alten Lager“ sorgen. So hießt es in einem Kommentar: „Im nächsten Sommer fahre ich definitiv nach Menzlin! Steht schon lange auf meiner Agenda.“

Die Nadel selbst wurde nicht im Rahmen von offiziellen Ausgrabungen gefunden, sondern von ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern, nachdem es zu Pflugarbeiten gekommen sei, die nicht mit der Landesarchäologie abgesprochen waren, wie es auf der Seite der Behörde heißt. 

Das Gelände an der Peene bei Menzlin ist auch für seine Steingräber in Bootsform bekannt.
Das Gelände an der Peene bei Menzlin ist auch für seine Steingräber in Bootsform bekannt. (Foto: Matthias Diekhoff)