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Pilotprojekt

Rettungsdienst und Kliniken im Nordosten wissen im Notfall schneller Bescheid

Greifswald / Lesedauer: 3 min

Vernetzt: Die Landkreise in Vorpommern erproben gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium und der Unimedizin Greifswald ein neues System zur Optimierung von Rettungseinsätzen. 
Veröffentlicht:07.07.2023, 05:49

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Ein Pilotprojekt für bessere Rettungseinsätze läuft derzeit im Landkreis Vorpommern–Greifswald. Diejenigen, die von einem Rettungswagen abgeholt werden, merken davon aber nicht viel. Denn das Projekt betrifft die bessere Vernetzung der Sanitäter und Notärzte mit den Kliniken der Region. Zu sehen sind für Patienten lediglich die neuen A4–großen Tabletcomputer an Bord der Einsatzfahrzeuge.

Rettungsdienst und Kliniken über Computer verbunden

Das Projekt namens „Ivena“ wird durch das Gesundheitsministerium in Kooperation mit den Landkreisen Vorpommern–Greifswald und Vorpommern–Rügen sowie der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) erprobt und läuft seit knapp zwei Monaten. „Ivena ist eine Schnittstelle zwischen Rettungsdienst und der Notaufnahme im Krankenhaus. Diese können darin Ressourcen melden oder sich zum Beispiel auch abmelden“, sagt Dr. Matthias Napp, Chefarzt der Greifswalder Notaufnahme.

Auf dem neuen Bildschirm in der Notaufnahme der Greifswalder Unimedizin können die Ärzte und Pfleger Details zu den Rettungseinsätzen sehen.
Auf dem neuen Bildschirm in der Notaufnahme der Greifswalder Unimedizin können die Ärzte und Pfleger Details zu den Rettungseinsätzen sehen. (Foto: ZVG)

Foto: Unimedizin Greifswald

Gerade für kleinere Krankenhäuser sei es wichtig, dass sie den Rettungsdienst zum Beispiel über Ausfälle ihrer Technik wie der Computertomographie informieren können, so Napp. In der Folge würde ein Notfall, der diese Diagnostik erfordert, in ein passenderes Krankenhaus umgeleitet.

Bisher hatten die Lebensretter von unterwegs per Telefon unter standardisierten Nummern angerufen und Details über die Art des Notfalls durchgegeben. Beispiel: „Wir kommen mit einem Herzinfarkt in 13 Minuten an“. Wenn es Probleme mit dem Telefon gab oder niemand in der Klinik rangegangen ist, weil dort andere Notfälle zu versorgen waren, konnte dies für die Patienten Nachteile bringen. Nun ploppen die Meldung der Sanitäter auf einem großen Bildschirm in den Notaufnahmen auf. „Zudem mit einem Warnton“, fügt Napp hinzu.

Statt in der Klinik anzurufen, geben die Rettungskräfte nun alle Patientendaten in einen Tabletcomputer ein. Die Informationen werden sofort an die Krankenhäuser übermittelt.
Statt in der Klinik anzurufen, geben die Rettungskräfte nun alle Patientendaten in einen Tabletcomputer ein. Die Informationen werden sofort an die Krankenhäuser übermittelt. (Foto: Unimedizin Greifswald)

Krankenhäuser können sich besser vorbereiten

Dies ermöglicht den Krankenhäusern einen wichtigen Zeitvorsprung zur Vorbereitung auf den Patienten. Die Universitätsmedizin Greifswald hat bei der Einführung und Umsetzung von „Ivena ehealth“ (engl. elektronische Gesundheit) eine Vorreiterrolle übernommen.

„Dort und in den anderen Krankenhäusern erleichtert das System den Aufwand in der Abstimmung mit dem Rettungsdienst spürbar. So können sich die Krankenhäuser besser auf Notfälle vorbereiten und im Ernstfall somit noch zügiger die passende Behandlung vorhalten,“ verdeutlicht Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD). Das Projekt wird mit 430 000 Euro aus Landesmitteln finanziert. Die für den Rettungsdienst verantwortlichen Landkreise haben es zur Einführung in der jeweiligen Leitstelle und dem Rettungsdienst installiert und gemeinsam mit den jeweiligen Krankenhäusern den Start vorbereitet.

Arbeit wird erleichtert

Das Gesundheitsministerium will das System im Laufe des Jahres auch in den anderen Landkreisen einführen und es perspektivisch als Standard einzuführen. „Ein Schritt in die richtige Richtung. Digitalisierung, wo sie das Zusammenspiel von Medizinern verbessert“, lobt der Chefarzt der Greifswalder Unimedizin. Er sehe es als Erleichterung der Arbeit auf beiden Seiten, obwohl am Anfang einige neue Handgriffe zu lernen sind.
Für die Zukunft sieht Matthias Napp weiteres Potenzial in den digitalen Absprachen zwischen Rettungswagen und Kliniken. „Gerade in der Katastrophen–Medizin, wenn plötzlich viele Menschen zu versorgen sind und es oft sehr unübersichtlich wird, kann das System enorm helfen“, schätzt er ein.