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Rügen, Usedom, Seenplatte – welche Region in MV ist am ärmsten?

Greifswald / Lesedauer: 3 min

In der bundesweiten Statistik landet eine Region in MV beim Einkommen ganz weit hinten. Ein Schuldenberater erklärt, warum man hier mit wenig Geld besser auskommt als etwa in München.
Veröffentlicht:03.09.2023, 06:28

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Die touristischen Hotspots, wie Rügen und Usedom trifft es nicht ganz so hart, die Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern-Greifswald dafür umso mehr: Nirgendwo in Mecklenburg-Vorpommern haben die Menschen so wenig Geld im Monat zur Verfügung wie in Vorpommern-Greifswald. In der jetzt durch die Statistischen Ämter veröffentlichten Auswertung bildet der Kreis das klare Schlusslicht im Bundesland. Einwohner hatten dort im Jahr 2021 durchschnittlich 20.751 Euro zur Verfügung. Im Nachbarkreis, der Mecklenburgischen Seenplatte, liegt das Jahreseinkommen bei 21.700 Euro. Doch auch hier verdienen Menschen knapp elf Prozent weniger als der Durchschnittsdeutsche.

Geringes Einkommen ist nicht gleich geringe Kaufkraft

Der Landesmittelwert liegt bei 21.880 Euro. Vorpommern-Greifswald liegt 5,2 Prozent darunter. Mit dem deutschlandweiten Einkommen verglichen, sieht die Situation in Vorpommern sogar noch erschreckender aus. Denn in diesem Vergleich hat man hier 15 Prozent weniger Einnahmen.

Auch wenn die Zahlen ein düsteres Bild auf die Region werfen, dürfen sie nicht mit dem Kaufkraft-Vergleich verwechselt werden. In kaum einer deutschen Region haben die Einwohner so wenig Einnahmen wie im Nordosten. Aber dafür sind die Ausgaben auch viel geringer als in anderen Gegenden. Wie der Schuldnerberater beim Arbeitslosenverband Uecker-Randow in Pasewalk, Jens Bengelsdorf, es auf den Punkt bringt: „Das aktuelle Existenzminimum gilt für München, Hamburg, Neubrandenburg und Pasewalk ja gleichermaßen.“ Nur könne man in Mecklenburg-Vorpommern eben deutlich besser mit 1400 Euro auskommen als in den Metropolen, merkt er an. Seit mehr als acht Jahren hilft er in Vorpommern Menschen, die in finanzielle Not geraten sind.

Kein Überblick über Finanzen

„Der Kardinalsfehler dieser Menschen ist nicht, dass sie keinen Job oder zu wenig Einnahmen haben“, sagt Bengelsdorf. Nein, sie haben einfach keinen Überblick über ihre Finanzen. Der erfahrene Berater vermutet in manchen Fällen, dass die Menschen wegen Überforderung ihre eigene Situation bewusst oder unbewusst verdrängen. „Und dann einfach viel zu viel Geld ausgeben. Geld, das sie nicht haben.“ Doch drei von vier Klienten kann er in ruhiges Finanzwasser führen, auch wenn dazu manchmal die Privatinsolvenz unvermeidbar ist.

Der zweite typische Fehler, der in die Schuldenfalle führt, hat ebenfalls mit Unwissenheit zu tun. „Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten, sich von staatlichen Stellen Unterstützung zu holen. Diese sollte man kennen, wenn es nötig ist“, betont er und weiß, dass oftmals Scham oder Leichtfertigkeit dazu führen, dass Menschen keine Hilfe annehmen wollen. „Gerade beim Wohngeld denken viele, dass sie es sowieso nicht bekommen. Sie wissen aber nicht, dass wir in diesem Jahr eine Reform hatten, nach der viel mehr Menschen in der Gegend diese Leistung beanspruchen könnten“, erklärt er.

Mehr Personen mit Anspruch auf Wohngeld

Seit dem 1. Januar haben deutschlandweit zwei Millionen Haushalte mit kleinen Einkommen Anspruch auf Wohngeld. Das sind, laut Angaben der Bundesregierung, dreimal mehr als vorher. Und das neu eingeführte „Wohngeld Plus“ sei im Schnitt doppelt so hoch wie bisher. 4,5 Millionen Menschen – insbesondere Alleinerziehende, Familien oder Rentnerinnen und Rentner – könnten damit sorgenfreier wohnen, wenn sie es beantragen.

Während der Corona-Pandemie haben in Mecklenburg-Vorpommern jedoch weniger Menschen Wohngeld beantragt als vorher. Die Landesregierung zählte 2021 knapp 20.000 Haushalte, die Wohngeld bekamen. Das waren 5,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Rückgang betrug bei den Erwerbstätigen 12,1 Prozent und bei den Arbeitslosen sogar 25,5 Prozent, während bei den Rentnerinnen und Rentnern ein leichter Zuwachs von 1,3 Prozent zu verzeichnen war.