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Kirche zu verkaufen

Sechs Zimmer, Küche und Beichtstuhl - Wohnschnäppchen in Vorpommern

Gützkow / Lesedauer: 3 min

Zwei Häuser auf einem großen parkähnlichen Grundstück stehen zum Verkauf, und das für weniger als 200.000 Euro. Dem Besitzer sind die Gläubigen weggestorben.
Veröffentlicht:24.01.2024, 05:57

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Wohnen im Haus Gottes: In Gützkow ist das jetzt möglich. Die Katholische Kirche bietet eine Kirche samt dazugehörigen Pfarrhaus zum Verkauf an. Sechs Zimmer, Küche und Bad erwarten den neuen Besitzer. Beichtstuhl und Sakristei in der neugotischen Kirche gibt es obendrein. Das an einen Park erinnernde Grundstück, auf dem beide Immobilien stehen, wird per Erbpacht angeboten.

Doch warum verkauft die katholische Kirche ihre Liegenschaften? Die Antwort fällt ernüchternd aus: "Weil sie nicht mehr gebraucht wird", sagt Probst Frank Hoffmann, der als Vorsitzender des Kirchenvorstands der St. Otto Gemeinde, den Verkauf mitbeschlossen hat. 

Pfarrer zum Verkauf: "Haben im besten Sinne
eine Sterbebegleitung praktiziert"

Pfarrer Frank Hoffmann, Kirchenvorstand der katholischen St. Otto Gemeinde.
Pfarrer Frank Hoffmann, Kirchenvorstand der katholischen St. Otto Gemeinde. (Foto: Henning Stallmeyer)

"Die Wahrheit ist, dass wir in den vergangenen Jahren in Gützkow im besten Sinne eine Sterbebegleitung praktiziert haben", stellt er fest. Heißt im Klartext: Die ohnehin schon kleine katholische Gemeinde wird immer älter und stirbt schließlich aus. Zuletzt seien nur etwa sechs Besucher zu den Gottesdiensten gekommen. Als dann 2020 der dort wohnhafte Pfarrer im Ruhestand Franz Niepel verstarb, verfestigte sich die Entscheidung, die Kirche aufzugeben.

Zunächst gab es Pläne, das Gebäude weiterhin als Gotteshaus zu nutzen. Selber Gott, andere Religion. Eine rumänisch-orthodoxe Gemeinde wuchs in Mecklenburg-Vorpommern immer weiter und hatte starkes Interesse an der Immobilie. Die Verträge waren so gut wie unterschrieben.

Rumänisch-orthodoxe Gemeinde als Mieter
kurzfristig durch Corona abgesprungen

Dann kam Corona dazwischen. Die Gemeinde zerschlug sich wieder, so auch die Verträge. Seit 2022 steht die Kirche und das dazugehörige Pfarrhaus nun leer. Das Grundstück leer stehen zu lassen, kam für die Kirche nicht infrage, dazu sei auch der finanzielle Druck zu groß.

"Wir müssen eine Immobilienreduzierung anstreben", sagt Pfarrer Frank Hoffmann. Die Überalterung der Kirche und der damit zu erwartende drastische Rückgang der Kirchensteuer in den nächsten Jahren zwinge die Gemeinden dazu, immer wirtschaftlicher zu denken.

Das zur Kirche gehörende Pfarrhaus ist mit sechs Zimmern und 213 Quadratmeter Wohnfläche.
Das zur Kirche gehörende Pfarrhaus ist mit sechs Zimmern und 213 Quadratmeter Wohnfläche. (Foto: Henning Stallmeyer)

Gleichzeitig stellt er klar, dass Gützkow zunächst eine Ausnahme bleiben soll. "An unsere großen Gottesdienststandorte müssen wir nicht ran. Es sind keine weiteren Verkäufe geplant." Die Aufgabe von Gützkow sieht er vor allem nüchtern. "Wir haben hier im Nordosten historisch bedingt nicht so viele schöne katholische Kirchen, sondern eher Zweckbauten. Aus architektonischer Sicht kann man das also verkraften."

Auch evangelische Kirche könnte bald verkaufen

Wichtig war Hoffmann vor allem, dass die Kirchengemeinde hinter dem Verkauf steht. "Es ist gut, dass wir gemeinsam einen Schlussstrich dort ziehen konnten. So, dass auch die wenigen verbliebenen Gottesdienstbesucher in Gützkow letztlich für den Verkauf waren. Wenn wir aus heiterem Himmel heraus verkauft hätten, wäre das viel schlimmer", zieht er ein Fazit.

Im Nordosten besitzt die Katholische Kirche historisch gesehen relativ wenige Grundstücke im Vergleich zum Westen. Auf die evangelischen Gemeinden könnten seiner Meinung nach ebenfalls noch Verkäufe zukommen. "Sie stehen vor der Herausforderung, dass fast in jedem Dorf eine Kirche steht, die letztlich auch mit Leben gefüllt werden muss."

Die St. Marienkirche steht seit 2022 leer und wartet auf einen neuen Besitzer. Möglicherwiese könnte aus der unter Denkmalschutz stehenden Kirche eine Galerie werden.
Die St. Marienkirche steht seit 2022 leer und wartet auf einen neuen Besitzer. Möglicherwiese könnte aus der unter Denkmalschutz stehenden Kirche eine Galerie werden. (Foto: Henning Stallmeyer)

Das Grundstück am Ortsausgang von Gützkow Richtung Wolgast ist eingezäunt und nicht mehr zugänglich. Die St. Otto Gemeinde, die sich von Greifswald über Anklam bis Usedom erstreckt, hat einen Spezialisten mit dem Verkauf beauftragt: das Berliner Immobilienbüro Wacker.

Könnte aus der Kirche eine Kunstgalerie werden?

Wacker hat sich auf ungewöhnliche Immobilien spezialisiert. Die Makler sind zuversichtlich, bald einen neuen Besitzer zu finden. Das Hauptproblem stellt in diesem Fall der Denkmalschutz dar. Die Kirche darf nicht einfach abgerissen werden, es muss eine Nutzung für das 1910 erbaute Gotteshaus gefunden werden.

"Wir könnten uns vorstellen, dass dort eine Galerie entsteht, zum Beispiel", sagt ein Wacker-Immobilienmakler auf Nordkurier-Nachfrage. Die Nähe zur Autobahn und damit zur Metropole nach Berlin sei zudem sehr attraktiv für Hauptstädter, die es aufs Land zieht. Das Pfarrhaus sei schön groß, der Kaufpreis mit 195.000 Euro dazu noch erschwinglich in Zeiten immer steigender Immobilienpreise.