StartseiteRegionalAnklamSo entwickelten sich die Unis nach dem Ende der DDR in Ost und West

Geschichte

So entwickelten sich die Unis nach dem Ende der DDR in Ost und West

Greifswald / Lesedauer: 2 min

Gut 30 Jahre nach der Wiedervereinigung wagen zwei Wissenschaftler aus Ost und West ein erstes Fazit über die Entwicklung der Universitäten in den neuen und alten Bundesländern.
Veröffentlicht:07.12.2023, 05:21

Artikel teilen:

Der Greifswalder Professor für Mikrobiologie, Michael Hecker, und die aus Göttingen (Niedersachsen) stammende Mikrobiologin Prof. Bärbel Friedrich haben soeben im Mitteldeutschen Verlag ein gemeinsames Buch veröffentlicht, das sich mit der Entwicklung der Hochschullandschaften in Ost und West beschäftigt. Es geht vor allem um die Umgestaltungen nach der deutschen Einheit und die Rolle, die dabei der Wissenschaftsrat und die Politik spielten.

70 Hochschulen in der DDR

Wissenschaftspolitik und -strukturen seien nicht unbedingt die spannendsten Themen für ein Buch, schreibt Prof. Ernst-Ludwig Winnacker, seinerzeit Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), in einem Nachwort. Doch in diesem Buch gehe es nicht nur um das singuläre Ereignis der Wende, sondern auch darum, wie die damaligen Entscheidungen bis heute wirkten.

Kurz vor der Wiedereinigung habe es im Westen insgesamt 244 Hochschulen gegeben, darunter 68 im Rang einer Universität. Ihnen gegenüber hätten in der damaligen DDR 70 Hochschulen gestanden, darunter neun multidisziplinäre Universitäten und zwölf Technische Hochschulen. Während in den alten Bundesländern stets Forschung und Lehre eine Einheit bildeten, wurde dies in der DDR weitgehend getrennt. Forschung konzentrierte sich vor allem auf Akademieinstitute.

Begehrte Wissenschaftszentren

Zehn Jahre später, im Jahr 2000, gehörten 350 Einrichtungen zur gesamtdeutschen Hochschullandschaft, darunter 97 Universitäten mit 1,6 Millionen Studenten und Studentinnen, weitere 20 Jahre später studierten in Deutschland 2,8 Millionen Menschen. In den neuen Bundesländern entstanden 15 Universitäten und 21 Fachhochschulen.

Die beiden Autoren zeigen in der mehr als 340 Seiten umfassenden, auch sehr persönlichen Analyse, wie sich viele Lehreinrichtungen zu leistungsstarken und wegen ihrer Nähe zu den Lehrkräften zu bundesweit begehrten Wissenschaftszentren entwickelten. Zugleich verweisen sie auf die von Bundesland zu Bundesland recht unterschiedlichen Entscheidungen im Hochschulbereich.

Problematische Finanzierung der medizinischen Fakultäten

Dem auch international geschätzten Institut für Diabetes in Karlsburg zum Beispiel habe der Wissenschaftsrat durchaus positive Zukunftschancen eingeräumt, sagt Winnacker, der seinerzeit diese Bewertung der Landesregierung bestätigt hatte. „Doch es fehlten sowohl an der Universität Greifswald als auch im Land die Visionäre, die die große internationale Ausstrahlung der Diabetesforschung zu sehen und sie zu einem Forschungsschwerpunkt der Universität auszubauen in der Lage gewesen wären.“

Entsprechender Mut habe auch im Umgang mit den beiden medizinischen Fakultäten in Rostock und Greifswald gefehlt, deren Finanzierung bis heute ein Problem für das Land darstelle. Ähnlich wie in Thüringen, wo man die Medizinische Akademie in Erfurt kurzerhand abgewickelt habe, um die begrenzten finanziellen Ressourcen in Jena zu bündeln, hätte man auch in Mecklenburg-Vorpommern vorgehen können.