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Kirchen-Bauland

So geht es mit dem neuen  Wohnprojekt in Jarmen weiter

Jarmen / Lesedauer: 4 min

Auch im jüngsten Jarmener Wohngebiet sind mittlerweile alle Parzellen vergeben - trotz Zwang zur Erbbaupacht. Noch 2023 soll das größte Gebäude dort seinen Dachstuhl erhalten.
Veröffentlicht:06.12.2023, 07:36

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 Als sich die Kirchengemeinde Ende des vergangenen Jahrzehnts entschloss, einen Teil ihres stellenweise verwildernden Gartenlandes an der Goethestraße in Eigenheimparzellen umzuwandeln, da rechneten die Verantwortlichen längst nicht mit jeder der Hürden für das Vorhaben, das als B-Plan-Gebiet Nummer 21 in die Akten einging.

Denn zum einen offenbarte das nötige Genehmigungsverfahren unterschiedliche Auffassungen zur Kommune als Trägerin der Planungshoheit, zum anderen fiel das Ganze mitten in die Corona-Pandemie. Und dann stand alles auch noch in Konkurrenz zu den Angeboten der Stadt, die vor allem an der Fabrikstraße eigene Grundstücke zu relativ günstigen Quadratmeter-Preisen vermarktete. Was den Vorteil des von der Kirche offerierten Erbbaupacht-Modells, das einen jährlichen Pachtzins und die Bezahlung der Zufahrtstraße beinhaltete, durchaus in gewisser Weise torpedierte.

Eigenheimparzellen sind vergeben

Doch nachdem 2021 die Erschließung startete und im Oktober 2022 die Straße übergeben wurde, kann Pastor Arnold Pett vermelden, dass sämtliche vier Eigenheimparzellen vergeben sind. Durchaus wider Erwarten, wie er einräumte. Zwei Häuser sind dort bereits bezogen, ein weiteres wachse gerade empor, und das letzte werde auch bald angefangen.

Momentan scheint sich die Baustelle im Winterschlaf zu befinden, doch noch im Dezember soll der Dachstuhl auf das Gebäude kommen.
Momentan scheint sich die Baustelle im Winterschlaf zu befinden, doch noch im Dezember soll der Dachstuhl auf das Gebäude kommen. (Foto: Stefan Hoeft)

Vor allem aber macht jenes Projekt gut sichtbare Fortschritte, das den Hauptantrieb für diese Bauland-Initiative gab: Eine von privaten Investoren finanzierte Einrichtung für sogenannte selbstbestimmte Wohngemeinschaften, bei denen die Diakonie Sozialstationen Peene gGmbH die Betreuung der Mieter übernimmt. 

In der Heimat alt werden

Das eingeschossige, vom Grundriss her T-förmige Gebäude kommt mit einer Grundfläche von rund 370 Quadratmetern daher und soll zwölf Wohneinheiten enthalten, für die es insgesamt drei Bäder gibt. Wobei jeweils vier der Zimmer so angelegt sind, dass sie dank einer Verbindungstür vor allem für Ehepaare prädestiniert wirken.

Ein rund 43 Quadratmeter umfassender Gemeinschaftsraum und eine elf Quadratmeter große Küche mit benachbarter Speisekammer dienen als Begegnungszone, ein kleines WC gleich gegenüber und ein Hauswirtschaftsraum vervollständigen das Raumkonzept. Das sich inzwischen sogar vor Ort betrachten lässt, weil in den vergangenen Wochen Mauer um Mauer hochgezogen wurde.

Die „Zeitkapsel“ des neuen Wohnkomplexes für zwölf betreute Wohneinheiten wurde in die Wand eingemauert.t.
Die „Zeitkapsel“ des neuen Wohnkomplexes für zwölf betreute Wohneinheiten wurde in die Wand eingemauert.t. (Foto: Stefan Hoeft)

Mit dem Fortschritt dort steigt auch das Interesse der Menschen an den Konditionen für einen Einzug, laut Diakonie soll es schon sieben konkretere Anfragen geben. „Mit diesem Haus ist eine neue Möglichkeit gegeben, dass Menschen, die seit langem in Jarmen und Umgebung leben, auch alt werden können in ihrer Heimat“, erklärte Axel Gorkow beim Einmauern einer „Zeitkapsel“, in der sich eine Nordkurier-Ausgabe, Münzen und Bauunterlagen befinden.

Nachhaltige Bauweise

Der Bauingenieur ist nicht nur Jahrzehnte Gemeindekirchenratsmitglied, sondern als Geschäftsführer der gleichnamigen Baufirma Generalauftragnehmer und Kontaktmann zu den Investoren. Und äußerte seine Zufriedenheit, dass so wieder Arbeitsplätze in der Region gesichert würden - bei der Umsetzung ebenso wie hinterher beim Betrieb.

Das Projekt stelle auch bei der Bauausführung und technischen Konzeption einen Leuchtturm im Nordosten dar, weiß er als Präsidiumsmitglied des Bauverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Denn es handele sich um das erste seiner Art in der Region, das nach QNG-Maßstäben für eine komplette Nachhaltigkeit errichtet werde. „Das bedeutet, dass alles, was wir verbauen, extra zertifiziert werden muss“, so der Experte.

Das reiche vom Öl der Schalung bis zum Anstrich des Dachkastens, Bauschaum beispielsweise sei tabu. Das mache alles natürlich aufwendiger und teurer, genau wie die hohen Wärmeschutz-Investitionen inklusive Dreifachverglasung und Fußbodenheizung sowie die Ausrüstung mit Wärmepumpe und Photovoltaik-Anlage einschließlich Lithiumbatterie-Energiespeicher. „Auf lange Sicht ist das richtig und gut“, sagte Axel Gorkow. „Zumal die Betriebskosten dadurch verhältnismäßig gering sind.“

Bei der Errichtung der eingeschossigen Wohnanlage wird viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt.
Bei der Errichtung der eingeschossigen Wohnanlage wird viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. (Foto: Stefan Hoeft)

Nach seinen Angaben soll im Dezember der Dachstuhl montiert und möglichst noch vor Weihnachten eine Unterspannbahn aufgebracht werden, damit das Gebäude wetterfest wird. Und spätestens nach dem Einbau der Fenster, der für Dezember oder Januar angekündigt ist, als Winterbaustelle weitergeführt werden kann. „Wir feiern kein Richtfest, sondern ein Dichtfest“, erklärte der Firmenchef. Als aktuellen Fertigstellungstermin nannte er September 2024.