StartseiteRegionalAnklamBesitzer tot – Preis verdoppelt: DDR-Kulturhaus erneut zu verkaufen

Immobilien

Besitzer tot – Preis verdoppelt: DDR-Kulturhaus erneut zu verkaufen

Murchin / Lesedauer: 3 min

Wo einst das Leben brummte, herrscht seit gut 20 Jahren Stille und Verfall. Nun wurde das einst prächtige Objekt nach zweimaliger Versteigerung wieder zum Verkauf angeboten.
Veröffentlicht:05.02.2024, 11:38

Artikel teilen:

Erneut ist die Zukunft des ehemaligen Kreiskulturhauses in Murchin offen. Bis vor wenigen Tagen zumindest wurde das Objekt bei verschiedenen Internet-Portalen zum Kauf angeboten. So unter anderem bei „kleinanzeigen“ als „Mehrzweckgebäude in Murchin zwischen Anklam und Usedom“. Verhandlungsbasis 149.000 Euro. Das Haus sei sanierungsbedürftig, heißt es in der Anzeige.

Zudem seien nach Absprache mit Baubehörde und Denkmalamt verschiedene Nutzungen möglich. Als privater Anbieter ist Andreas Meermann angegeben.

Drehort für „Usedom-Krimi“

Der Bauunternehmer Heinz-Herrmann Meermann hatte das Kulturhaus im Jahr 2020 bei einer Versteigerung für 76.000 Euro erworben. Angesichts des neuen Eigentümers regten sich Erwartungen, dass nun bald wieder Leben in den imposanten Bau einziehen würde, der zu diesem Zeitpunkt schon fast 20 Jahre leer stand. Tatsächlich tat sich etwas. Unter anderem wurden Zäune gebaut und im November 2020 fanden dort sogar Dreharbeiten für den „Usedom-Krimi“ statt.

Ein Jahr später allerdings starb Heinz-Herrmann nach einem tragischen Unfall und damit wohl auch die Hoffnung auf eine mehr oder weniger angemessene Verwendung des Gebäudes mit rund 2000 Quadratmetern Nutzfläche und des 18.000 Quadratmeter großen Grundstücks, das dazu gehört.

Bereits im Jahr 2019 war das Kulturhaus für 65.000 Euro unter den Hammer gekommen. Davor hatte es viele Jahre dem Landkreis Vorpommern-Greifswald gehört, wenn auch nicht ganz freiwillig. Kurz nach der Wende hatte der damalige Kreis Anklam das Objekt für eine halbe Million Mark an die beiden Unternehmer Ingo Schneider und Matthias Hellwig verkauft. Die machten daraus eine Großraumdiskothek, den mittlerweile legendären „HyperDome“, der Wochenende für Wochenende Hunderte Nachtschwärmer aus der Region und weit darüber hinaus nach Murchin lockte.

Objekt entpuppt sich als Ladenhüter

Damit war es aber 2002 vorbei. Die Unternehmer wollten das Objekt nicht mehr und ihr Geld zurück, weil es nicht von der Denkmalliste gestrichen wurde, so wie es beim Verkauf offenbar vereinbart worden war. Tatsächlich ging die Sache vor Gericht und den Besitzern wurde im Jahr 2006 sogar das Dreifache der ursprünglichen Kaufsumme zugesprochen.

Die Rückübertragung der Immobilie zog sich dann aber noch mal bis ins Frühjahr 2016. Das einst prächtige Kulturhaus war inzwischen jedoch schon sehr sanierungsbedürftig und entpuppte sich als Ladenhüter, bis es schließlich 2019 bei einer Auktion angeboten wurde. Startgebot damals: 10.000 Euro.

Was in den vergangenen 20 Jahren mit dem Kulturhaus geschah, ist für viele, die sich noch an die besseren Zeiten erinnern, nicht weniger als ein Trauerspiel. Eröffnet wurde das Haus im Jahr 1954. Es sollte ein Prototyp für weitere ähnliche Bauten sein, mit denen die Kultur aufs Land gebracht werden sollte.

Und hartnäckig hielt sich die Legende, dass das Kulturhaus eigentlich gar nicht für Murchin bestimmt war, sondern für einen etwas größeren Ort mit einem ähnlich klingenden Namen.

Belohnung für Ausleih-Station

Tatsächlich ist das Haus ein Verdienst der Mitarbeiter der Murchiner Maschinen-Ausleih-Station (MAS), die 1950 und 1951 die Wanderfahne des Landwirtschaftsministeriums gewannen. Als Belohnung wurde dem Dorf ein Kulturpalast hingesetzt, der bald weit über die Region hinaus Bekanntheit erlangen sollte und dessen Besonderheit Wand- und Deckenfresken zum Thema deutsch-ungarische Freundschaft von den Usedomer Malern Herbert Wegehaupt, Otto Manigk und Manfred Kandt waren.

Allein in den 60er Jahren traten dort DDR-Stars auf, die sonst nur in den größeren Städten der Republik zu sehen waren. Es gab Kino im Kulturpalast, das Restaurant „Bauernstube“, Boxkämpfe und andere Sportveranstaltungen sowie viele große Feste. Zum Tanz spielte damals noch eine Kapelle auf. Einmal soll der Frauentag sogar drei Tage lang gefeiert worden sein. „Da war ständig was los“, erinnert sich eine Zeitzeugin. Dafür seien die Leute auch schon vor der Wende von weit her nach Murchin gekommen.

Vom DDR-Dorfbums zur Lasershow der Superlative 
Großraumdiskos

Vom DDR-Dorfbums zur Lasershow der Superlative 

Nur wer dabei war, kann mitreden: Nach einem Artikel aus dem Jahr 2021 über Großraumdiskos wie dem früheren „HyperDome“ schwelgten Leser in Erinnerungen. Einer blickte nach vorne und sagte: Die Zeit der Diskotheken war schon vor der Pandemie vorbei. Nun könne es nur noch besser werden in der Partylandschaft von MV. Lesen Sie hier mehr.