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Brandstiftung

Tote in Jarmener Brand-Ruine – Mit der Ruhe für die Nachbarn ist es vorbei

Jarmen / Lesedauer: 4 min

In Jarmens herrscht nach dem Fund von zwei Toten in einem ausgebrannten Eigenheim große Betroffenheit. Die sonst ruhige Neue Feldstraße wird von vielen Schaulustigen angesteuert.  
Veröffentlicht:25.06.2023, 19:40

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Die Spuren des Feuers am und im Gebäude sind unübersehbar, der noch weitgehend unversehrte weiße Außenputz bildet im grellen Sonnenlicht einen fast schon unwirklichen Kontrast zum Schwarz der verkohlten Innenwände und -einrichtung. Erst recht zu jenem Grauenhaften, das sich hier in der Nacht von Freitag zu Sonnabend abgespielt hat. Denn die immer mehr vorm Grundstückszaun niedergelegten Blumen machen auch jedem Fremden klar, dass es sich bei dem teilweise eingestürzten Eigenheim an Jarmens Neuer Feldstraße keineswegs um einen „normalen“ Brandort handelt.

Betroffenheit und Erschütterung in Jarmen

Hier sind zwei Menschen gestorben – der 60-jährige Hauseigentümer und seine 59-jährige Frau. Wie genau, das müssen zwar erst die Obduktionen und Ermittlungen klären. Doch schon am Wochenende kam heraus, dass dieses Inferno keinesfalls auf einen technischen Defekt oder einen Unfall zurückzuführen ist. Stattdessen besteht der Verdacht, dass der Mann das Feuer gezielt selbst ausgelöst hat.

Entsprechend herrscht große Betroffenheit und Erschütterung in der Kleinstadt, erst recht bei den Nachbarn und jenen Einwohnern, die beide lange und besser kannten. Schließlich galt die Frau als lebenslustig und sehr umgänglich, hinterließ überall Spuren ihrer Dekorationsideen in und um das erst 2019 bezogene Haus im altersgerechten Bungalow-Stil. Kurz zuvor war gleich neben ihnen ein erstes neues Eigenheim auf dieser sonst weitgehend unbebauten Straßenhälfte entstanden, ein drittes ist auf der anderen Seite geplant, die Fundamentplatte dafür wurde gerade diese Woche gegossen. Bis zum Umzug hatte das Ehepaar am anderen Ende des langgestreckten und nun geteilten Grundstücks gewohnt, in einem der älteren Doppelhäuser an der Ortsdurchfahrt, der Demminer Straße.

Gut von außen sichtbar lag auch gestern noch dieser Kanister in jenem Raum, der einmal das Schlafzimmer war.
Gut von außen sichtbar lag auch gestern noch dieser Kanister in jenem Raum, der einmal das Schlafzimmer war. (Foto: Stefan Hoeft)

Zwischen dieser und der Feldstraße gelegen, die als Verbindung zwischen dem Müssentiner Weg und Anger dient, gilt die Neue Feldstraße als eine der ruhigsten Ecken Jarmens. Normalerweise fährt hier mit dem Auto nur entlang, wer dort wohnt oder einen Garten besitzt beziehungsweise Anlieger besucht. Selbst die Asphaltierung 2017 veränderte das nicht, zumal es sich um eine Einbahnstraße handelt. Gelegentlich schauen auch ein paar Taubenzüchter vorbei, schließlich hat ihr Ortsverein dort sein kleines Heim. 

Frau dachte über Trennung nach

Seit Samstagmorgen allerdings ist es mit der Ruhe vorbei, daran hat der Abzug der Einsatzkräfte und Ermittler nicht geändert – im Gegenteil. Das ganze Wochenende über rollten Fahrzeuge zeitweise im Minutentakt vorbei, am Brandort deutlich langsamer werdend oder sogar stoppend. Mancher Schaulustige, das zeigten die Nummernschilder, kam offenbar von weit her angefahren. Aber nicht deshalb war die Polizei ständig präsent und überwachte das Geschehen, das lag an der sogenannten Beschlagnahme der Brandruine — die mindestens bis Montag andauern sollte. Schließlich könnten sich aus den Untersuchungen neue Anhaltspunkte und damit weitere Nachforschungen ergeben.

Trügerische Idylle: Der Garten hinter dem Eigenheim blieb trotz des verheerenden Feuers völlig unversehrt, zeugt vom grünen Daumen der Besitzer.
Trügerische Idylle: Der Garten hinter dem Eigenheim blieb trotz des verheerenden Feuers völlig unversehrt, zeugt vom grünen Daumen der Besitzer. (Foto: Stefan Hoeft)

Wie mehrere Leute dem Nordkurier berichteten, dachte die 59-Jährige über eine Trennung nach. Und wenn man weiteren Schilderungen glauben kann, wollte der Ehemann das nicht tatenlos hinnehmen. Für diese Variante spricht unter anderem die fast gleichzeitig wirkende Ausdehnung des Feuers auf weite Teile des Gebäudes samt Garage. Ebenso wie ein großer Metallkanister für Treibstoff, der sich anscheinend im Schlafzimmer fand, wo die beiden Leichen lagen. 

Der Katze ist nichts passiert

Bis auf den permanenten Brandgeruch wirkt zumindest hinter der Ruine alles wie immer. Der liebevoll und offensichtlich mit grünem Daumen bewirtschaftete Garten des Paares grünt und blüht, die Nebenanlagen sehen sehr gekonnt gestaltet und ordentlich aus. Es scheint, als würden sie gleich wieder vorbei kommen, um zu gießen, Unkraut zu ziehen oder schon etwas zu ernten. Doch das wird nicht passieren.

Bei all diesen schlechten Nachrichten gibt es allerdings einen fast unerwarteten kleinen Lichtblick: Offenbar ist die Katze der Eheleute nicht wie anfangs befürchtet bei dem Feuer umgekommen. Sie tauchte am Wochenende wieder auf dem Grundstück auf – ist nun aber vorerst herrenlos.