StartseiteRegionalAnklamTrauriger Spitzenreiter – das ist Vorpommerns Todes-Statistik

Gesundheit

Trauriger Spitzenreiter – das ist Vorpommerns Todes-Statistik

Greifswald / Lesedauer: 3 min

Wie wird in Vorpommern-Greifswald gestorben? Klar ist: In vielen Kategorien ist der Landkreis Spitzenreiter. Dafür gibt es einen einfachen Grund.
Veröffentlicht:17.03.2023, 06:01

Artikel teilen:

Manchmal ist es traurig, der Erste zu sein: 146 Menschen sind im Landkreis Vorpommern-Greifswald im Jahr 2021 als Folge äußerer Ursachen gestorben. In keiner anderen Region im Nordosten der Republik spielen Verletzungen und Unfälle so häufig eine Rolle, wenn jemand sein Leben verliert.

Vorpommern-Greifswald bei vielen Todesursachen Spitzenreiter

In der kürzlich veröffentlichten Statistik des entsprechenden Landesamtes aus Schwerin liegt die Region damit vor dem Landkreis Vorpommern-Rügen (140) und der Mecklenburgischen Seenplatte (134). Insgesamt haben die Datensammler 4000 Sterbefälle in Vorpommern-Greifswald nach Ursachen und Geschlecht aufgelistet. Nur in der Seenplatte waren es mit 4198 mehr Todesfälle in dem Jahr. 

Lesen Sie auch: Unfälle in Neubrandenburg und MV - Unruhe wegen Winterwetter


Die spezielle Rekordzahl in Vorpommern–Greifswald enthält einen Trend, der bundesweit gilt und zu denken gibt: Fast doppelt so viele Männer wie Frauen sterben aufgrund äußerer Ursachen (90 zu 56). Darunter zählen zum Beispiel Kopf– (40) und Hüftverletzungen (32) sowie multiple Verletzungen (13). Ein Mensch ist an den Folgen einer Verbrennung gestorben und zwei weitere durch Vergiftung, wozu auch Rauschmittel zählen. 14 Männer und drei Frauen starben im Straßenverkehr. Und 66 Menschen starben, nachdem sie gestürzt waren, zumeist im eigenen Zuhause. Auch in diesen Kategorien ist Vorpommern–Greifswald Spitzenreiter im Bundesland.

Anteil der älteren Bevölkerung wächst stetig

Ein eindeutiger Trend, der beim Sterben aber weiterhin gilt, ist die Gefahren–Reihenfolge der Krankheiten. 1396 Menschen starben im Kreis an Krankheiten des Kreislaufsystems, also an Herzinfarkten, erhöhtem Blutdruck, Schlaganfall oder plötzlichem Herztod. Warum bleibt das menschliche Herz die Todesursache Nummer Eins? „Millionen Menschen in Deutschland leiden an Herz–Kreislauf–Erkrankungen, die für 34 Prozent aller Todesfälle verantwortlich sind“, erläutert Prof. Dr. med. Wolfgang Motz, Ärztlicher Direktor des Klinikums Karlsburg. Pro Jahr werden mehr als 1,7 Millionen Menschen wegen Herzkrankheiten vollstationär in Kliniken versorgt.

Prof. Dr. med. Wolfgang Motz ist Ärztlicher Direktor des Klinikums Karlsburg
Prof. Dr. med. Wolfgang Motz ist Ärztlicher Direktor des Klinikums Karlsburg (Foto: Klinikum Karlsburg)

Die Todes–Zahlen seien hoch, weil der Anteil der älteren Bevölkerung, also der über 65–Jährigen, in Deutschland stetig wachse. Er wird von gegenwärtig 21 auf 29 Prozent im Jahr 2023 steigen. „Die Menschen in Deutschland werden immer älter, auch durch ein besseres Gesundheitssystem. In der Region Vorpommern–Greifswald ist die Alterung der Bevölkerung besonders hoch“, merkt der Experte an. Der Altersdurchschnitt der Herzpatienten, die im Klinikum Karlsburg operiert werden, sei gewachsen. Es werden heute Menschen mit über 80 und 90 Jahren operiert und profitieren von einer höheren Lebensqualität.

Drei Faktoren zur Eindämmung

Mit zunehmendem Lebensalter steigen das individuelle Krankheitsrisiko und das Risiko für das Auftreten mehrerer gleichzeitiger chronischer Erkrankungen. „Die Lebensweise in der westlichen Wohlstandsgesellschaft — Bluthochdruck, Diabetes durch falsche Ernährung und zu wenig Bewegung — trägt ebenfalls entscheidend dazu bei“, erklärt er, weshalb der Kreislauf noch immer die Todesursache Nummer eins ist. Durch Herzinfarkt und Schlaganfall kommen die meisten Menschen ums Leben. Aber auch die Herzinsuffizienz, also die chronische Herzschwäche, gehöre zu den zehn häufigsten Ursachen.

Mehr lesen: Wie Diabetes das Leben einer Familie in Lubmin verändert hat

„Die wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Herz–Kreislauf–Erkrankungen sind Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und Adipositas“, erklärt Professor Motz auf Nachfrage. Große Bedeutung bei der Vorsorge komme deshalb der gesunden Lebensweise zu. „Körperliche Bewegung, gesunde Ernährung und Vermeidung von Nikotin sind drei entscheidende Faktoren, um Herz–Kreislauf–Erkrankungen einzudämmen“, fasst er zusammen.

Fast 1000 Krebstote

Die tödliche Krankheit, die im Landkreis übrigens derzeit am zweitgefährlichsten ist, bleibt weiterhin der Krebs. 968 Menschen starben an solchen Erkrankungen — der Verdauungsorgane (316), der Atmungsorgane (208) oder beispielsweise an Brustkrebs (60).