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BÖZ

Vater der Bioökonomie zu Besuch in Vorpommern

Relzow / Lesedauer: 3 min

Das BÖZ vor der Insel Usedom zieht inzwischen junge, innovative Firmen aus ganz Deutschland an. Davon hat sich nun Branchen–Fachmann Dr. Christian Patermann überzeugt. 
Veröffentlicht:09.03.2023, 19:40

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„Bioökonomie kann nur fliegen, wenn sie sich in den Regionen entwickelt“, sagt Dr. Christian Patermann. Er sollte es wissen, schließlich gilt er als Vater der Bioökonomie in Europa, die sich im Wesentlichen mit der besseren Nutzung biologischer Ressourcen befasst.

Nun war er erstmals auch im Bioökonomie–Zentrum (BÖZ) in Relzow zu Besuch und zeigte sich letztlich beeindruckt von der Vielfalt der Forschungsthemen rund um regional anfallende Reststoffe, die von BÖZ–Geschäftsführerin Professorin Beatrice Großjohann und ihren Mitarbeitern bearbeitet werden. Schließlich sei dank des Engagements der ehemalige Schlachthof auch zu einem Zentrum für nachhaltiges Wirtschaften geworden, das Start–Ups aus ganz Deutschland anzieht.

Mehr lesen: Hier sind die Ideen für die vorpommersche Zukunft gefragt

Ethanol aus der Zuckerfabrik, Hanf für Milchkühe

Wie Dr. Andranik Petrosyan von der Food and Pharma Services Anklam GmbH (FPS) erläuterte, die das BÖZ betreibt, beschäftige man sich in Relzow derzeit in Kooperation mit der Anklamer Zuckerfabrik und der Universität Rostock unter anderem mit der Herstellung von Bioethanol in pharmazeutischer Qualität, der unter anderem auch in anderen Anklamer Unternehmen wie Anklam Extrakt Verwendung finden könnte, und so nicht wie bisher über weite Strecken angeliefert werden müsste. Zudem könne das hochreine Ethanol der Zuckerfabrik eine bessere Wertschöpfung bieten, also zu einem höheren Preis verkauft werden.

Ein weiteres Forschungsprojekt der FPS befasst sich mit Nutzhanf als Zwischenfrucht und dem Einsatz der eiweißreichen Blätter der Pflanze als Futtermittel für Milchkühe. Dabei gelte es unter anderem die Fragen zu beantworten, wie weit damit Soja ersetzt werden könnte, wie förderlich das Futter für die Verdauung der Tiere ist und schließlich auch, was von den im Hanf vorkommenden Substanzen wie den Cannabinoiden in der Milch ankommt, berichtete Andranik Petrosyan.

Trester aus Mosterei für vegane Produkte nutzen

Schließlich wurde Christian Patermann auch noch eine Idee vorgestellt, an der die FPS unter anderem mit der Lassaner Mosterei arbeitet. Dabei geht es grob gesagt darum, dass die bei der Produktion von Apfelsaft anfallenden Presserückstände, der sogenannte Trester, nicht kostenpflichtig entsorgt werden müssen. Stattdessen soll der Trester zu einem Substrat veredelt werden, auf dem dann Pilze gedeihen, die hochwertige Proteine produzieren können. Diese spielen in der veganen Ernährung eine große Rolle.

Im Anschluss an die Vorstellung der Forschungsprojekte gab es noch Präsentationen einiger Mieter im BÖZ wie Plantafood Medical GmbH, AnLu Pharma GmbH und Grinol GmbH für den prominenten Besucher und eine Führung durch das Zentrum

Info zu Christian Patermann:

Laut „bioökonomie.de“, einer Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, zählt der Jurist Dr. Christian Patermann zu den Wegbereitern der Bioökonomie in Europa. Im EU–Forschungsdirektorat prägte er 1996 bis 2007 als Programmdirektor für Biotechnologie, Landwirtschaft und Nahrungsmittel die Ausgestaltung der relevanten Forschungsrahmenprogramme. Er ebnete dem Konzept der wissensbasierten Bioökonomie (KBBE) den Weg und war maßgeblich daran beteiligt, Bioökonomie in der EU und in Deutschland politisch zu verankern.

Info zum BÖZ:

Das BÖZ wurde am 1. September 2020 eröffnet. Vier Jahre zuvor hatte die Unternehmerfamilie Braun den ehemaligen Schlachthof gekauft, um dort Wirkstoffe für Medikamente zu produzieren. Später sei dann die Idee entstanden, dort ein Kompetenzzentrum für Bioökonomie einzurichten, was unter anderem dank der Unterstützung durch Land, Landkreis und Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern umgesetzt werden konnte.