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Wohnungssuche

Vierköpfige Flüchtlingsfamilie sucht ein Zuhause in Anklam

Anklam / Lesedauer: 3 min

Schweren Herzens haben die Martynyuks ihre ukrainische Heimat hinter sich gelassen. Nun sucht die Familie in Anklam ein neues Zuhause.
Veröffentlicht:31.10.2023, 17:46

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Im Sommer, mehr als ein Jahr nach Kriegsbeginn, hat die vierköpfige Familie Martynyuk aus Tscherniwzi im Westen der Ukraine die Koffer gepackt und ihre Heimat verlassen. Es sei einfach nicht mehr gegangen, erzählen die beiden 54-jährigen. Sie hätten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht.

Lebensgefahr durch Stromabschaltung

Vor allem für Familienvater Yuriy seien die sich ständig verschlechternden Gegebenheiten nicht mehr zu ertragen gewesen. Immer wiederkehrende Wasser- und Stromsperren gehörten zum Alltag in der Region, berichtet er. Ihn könnte jedoch genau so eine Stromabschaltung in akute Lebensgefahr bringen, denn Yuriy Martynyuk ist schwer nierenkrank, dreimal in der Woche muss er zur Dialyse. Auch Sohn Andrej sei als Diabetiker auf ärztliche Behandlung angewiesen.

In Deutschland angekommen, lag der Fokus deshalb auch zunächst darauf, die beiden medizinisch versorgen zu lassen. Yurij Martynyuk fährt inzwischen zu seinen Dialyseterminen nach Greifswald, Andrej ist am Diabeteszentrum in Karlsburg behandelt worden.

Ein Zimmer in einer Gemeinschaftsunterkunft bewohnen die vier seit mehr als drei Monaten.
Ein Zimmer in einer Gemeinschaftsunterkunft bewohnen die vier seit mehr als drei Monaten. (Foto: Mareike Klinkenberg)

Ein Zuhause auf Zeit bewohnen die vier seit Juli in einer Anklamer Gemeinschaftsunterkunft. Ein Zimmer für vier Erwachsene, das sei eine besondere Herausforderung. Gerade für die beiden 15- und 17-jährigen Söhne Andrej und Danilo, aber auch für ihren Mann, der besonders an den Dialysetagen seine Ruhe braucht, ist es nicht immer leicht, erzählt Mutter Ruslana Martynyuk, die in der Ukraine als Kinder- und Jugendpsychologin gearbeitet hat.

227 Menschen aus der Ukraine in der Stadt

Mittlerweile hätten die beiden Heranwachsenden einen Platz an der Wolgaster Berufsschule, wo sie zunächst für ein Jahr Deutsch lernen und sich beruflich orientieren. Andrej träumt von einer Ausbildung als Kfz-Mechatroniker, Danilo würde gern Abitur machen, um später Geschichte zu studieren.

Nur zu gern würden die Flüchtlinge die beengten Wohnverhältnisse bald hinter sich lassen und eine eigene Wohnung beziehen, berichten sie. Doch das gestaltet sich schwieriger als gedacht. Verfügbarer Wohnraum sei knapp geworden in Anklam. Allein 227 Flüchtlinge aus der Ukraine sind nach Angaben der Kreisverwaltung mittlerweile in der Peenestadt untergekommen. Viele davon lebten auch schon in eigenen vier Wänden.

Für die Martynyuks sei die Suche umso schwerer, denn für sie käme nur eine Wohnung im Untergeschoss oder mit Fahrstuhl in Frage. Vater Yuriy fällt das Treppensteigen schwer, und er könne nicht in höhere Etagen gelangen. Und weil die beiden Jungs regelmäßig mit dem Bus nach Wolgast fahren würden, wäre eine Adresse ideal, von der aus sie fußläufig den Bahnhof oder die zentral gelegenen Haltestellen erreichen könnten.

Ihr Wohnungsgesuch liege auch den Wohnungsgesellschaften in der Stadt vor. Nun hegt die Familie die Hoffnung, bei den privaten Vermietern, die vielleicht eine Wohnung mit mindestens drei Zimmern in einer unteren Etage freihaben, unterzukommen.

Die Kontaktaufnahme zur Familie Martynyuk ist über die Anklamer Lokalredaktion unter Telefon 03971 206 720 oder per E-Mail an [email protected] möglich. Ein ehrenamtlicher Dolmetscher steht der Familie bei ihrer Wohnungssuche zu Seite.