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Geschichte

Vorpommern als Wiege der Luftfahrt

Anklam / Lesedauer: 4 min

Ein neues Sachbuch befasst sich mit Orten im Norden Deutschlands, die in Verbindung stehen mit der Luftfahrtgeschichte. Darunter sind auch Anklam, Altwigshagen, Heringsdorf und Peenemünde.
Veröffentlicht:09.07.2022, 21:14

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Vorpommern als Wiege der Luftfahrt? Nun, Anklam jedenfalls und auch die Orte der Umgebung, wie beispielsweise Altwigshagen, können sich durchaus damit brüsten, an der Entstehung der modernen Luftfahrt maßgeblich beteiligt gewesen zu sein. Das ist jetzt in einem neuen Sachbuch des Sutton-Verlages auch nachzulesen. Im Mittelpunkt steht die norddeutsche Luftfahrtgeschichte, und damit hat sich Autor Bernd-Rüdiger Albrecht in Schlaglichtern beschäftigt.

Bei der Lektüre des Buches wird ganz schnell klar: In Sachen Fliegerei hat der Norden einiges zu bieten. In Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein sowie den Hansestädten Hamburg und Bremen finden sich auch heute noch Spuren der Entwicklungsgeschichte der Luftfahrt. Dieser Zweig wird in der öffentlichen Wahrnehmung zwar mitunter durch die anderen Branchen – Schifffahrt und Fischerei etwa – ein wenig in den Hintergrund gedrängt. Aber wichtige Impulse haben Konstrukteure, Techniker, Piloten und andere mehr für das Fliegen seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts gegeben.

Windkraftanlage erinnert an Übungsflüge

Vorpommern und besonders Anklam spielen dabei eine ganz wesentliche Rolle. Hat doch der gebürtige Anklamer Otto Lilienthal mit seinen Gleitapparaten und den ersten Flügen mit solchen Apparaten entscheidend zur Entwicklung des Fliegens beigetragen. Was genau der geniale Erfinder und Konstrukteur geleistet hat, ist im Otto-Lilienthal-Museum in Anklam zu sehen.

Wo Lilienthal seine Flugversuche unternommen hat? Nun, unter anderem gar nicht so weit entfernt von Anklam bei dem kleinen Ort Altwigshagen. In der Gemarkung Demnitz steht seit 1995 eine kleine Windkraftanlage. Sie ist noch heute in Betrieb und steht auf historisch bedeutsamem Boden. Denn dort hat der junge Otto Lilienthal Übungsflüge gemacht, bei denen er herausfinden wollte, wie das ist mit dem Vogelflug und ob der Mensch aus eigener Kraft fliegen kann.

„Den Sommer 1868 verbrachte der berühmte Flugpionier Otto Lilienthal bei seinem Onkel in Demnitz. Lilienthal soll hier zahlreiche Experimente durchgeführt haben. Bekannt ist, dass er vom Dach eines Speichers aus die Technik des Flügelschlages erprobt hat“, ist auf der Internetseite von Altwigshagen zu lesen. Leider aber kann der am Thema Fliegerei interessierte Ausflügler heute nicht mehr mit eigenen Augen sehen, von wo aus der Flugpionier seine Flügelschlag-Versuche unternommen hat. Das Gebäude wurde vor einigen Jahren abgerissen.

Flughafen erst militärisch, dann nur noch zivil genutzt

Auf jeden Fall muss da, wo heute das Windrad sich dreht, schon früher ein kräftiger Wind geblasen haben – sodass Lilienthal sicher auch in Demnitz viele Anregungen für sein wissenschaftliches Wirken gefunden und am eigenen Leib gespürt hat, wie das ist mit Gegenwind und Auf und Ab. Der Überlieferung nach sollen in einer Scheune in oder bei Altwigshagen auch Teile der Lilienthalschen Gleitapparate gefunden worden sein.

In dem Buch „Norddeutsche Luftfahrtgeschichte in Schlaglichtern“ finden sich weitere vorpommersche Orte, die etwas mit der Fliegerei zu tun haben. Unter anderem geht es um den Flughafen Heringsdorf, der seit 1935 von den Militärs genutzt wurde. Zunächst von der Nazi-Luftwaffe. Nahezu unzerstört wurde der Platz nahe Zirchow gegen Ende des Zweiten Weltkrieges von der Roten Armee besetzt und weiterhin für militärische Zwecke genutzt – seit 1993 dann aber ausschließlich für zivile Zwecke.

Nazis und ihre Raketen

Ebenfalls auf der Insel Usedom liegt Peenemünde. Auch dieser Ort ist mit der Luft- und Raumfahrt verbunden, wenn auch mit einem der dunkelsten Kapitel. In Nazideutschland sind dort Raketen getestet worden, die der Zerstörung dienten. Es wurde aber auch daran gearbeitet, Flugzeuge mit Raketenantrieb zu starten – gewissermaßen der Vorläufer moderner Düsenjets.

Das sehr lesenswerte Sachbuch führt noch viele weitere Orte im Norden auf, die mit der Luftfahrt zu tun hatten. Und es kann als lohnenswerte Lektüre gelten für Menschen, die nicht nur von Flugzeugen fasziniert sind, sondern sich auch für die Historie ihrer Heimat interessieren.

Das Buch mit dem Titel „Norddeutsche Luftfahrtgeschichte in Schlaglichtern“ von Bernd-Rüdiger Albrecht ist im Sutton-Verlag erschienen und hat die ISBN 9678-3-96303-291-2