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Fachkräfte-Treffen

Was können wir bei der Pflege von den Schweden lernen?

Anklam / Lesedauer: 3 min

Der Bereich Pflege unterscheidet sich in Deutschland und Schweden in vielen Belangen. Was kann man voneinander lernen? Darüber tauschen sich Anklamer und Burlöver Pflegekräfte aus.
Veröffentlicht:14.11.2023, 05:41

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Geht es um den sozialen Bereich, rangiert Schweden in Europa in vielen Studien weit vorne. So auch in der Pflege. Aber was unterscheidet das deutsche und das schwedische Gesundheitssystem und die Pflegemöglichkeiten der beiden Länder? Um diese Fragen zu klären und von den unterschiedlichen Erfahrungen zu lernen, trafen sich medizinisches Personal aus Anklams schwedischer Partnerstadt Burlöv und Mitarbeiter des Pflegedienstes Baltz aus Anklam.

„System der sozialen Sicherheit“

Schon im allgemeinen Gesundheitssystem lassen sich grundlegende Unterschiede finden. Die Pflege in Schweden wird hauptsächlich vom Staat getragen. Hier gilt das sogenannte „System der sozialen Sicherheit“, während in Deutschland ein stärker finanziell orientiertes Gesundheitssystem mit vielen Einrichtungen in privater Hand vorherrscht.

Das bedeutet, dass Schweden im Gegensatz zu Deutschen vollversichert sind und nur einen bestimmten Teil der Kosten selbst tragen, egal wie viel Einkommen die Person hat. „Es gibt ein Dach, egal ob man reich oder arm ist. Nach einem bestimmten Betrag muss man nicht mehr zahlen“, erklärt Hanna Larsson, schwedische Physiotherapeutin.

In Schweden studiert man

Auch die Ausbildung der Pflegekräfte unterscheidet die beiden Länder voneinander. Während es in Deutschland mit jedem Abschluss möglich ist, einen Beruf in der Pflege zu erlernen, benötigen die Schweden Abitur. Denn dort studiert man drei Jahre, um in den Beruf einzusteigen. Außerdem studieren die Schweden Kranken- und Altenpflege zusammen, sodass daraus nur der Beruf der Krankenschwester herausgeht, die auf unterschiedlichsten Gebieten eingesetzt werden kann.

Durch das Studium dürfen in Schweden auch Krankenschwestern Medikamente verschreiben und Patienten an Fachärzte verweisen, somit gebe es weniger lange Wartezeiten und schnellere Diagnosen. Um einen Pflegeplatz zu bekommen, muss sich jeder Mensch in Schweden bei einer Art Sozialarbeiter bewerben. Dieser entscheidet dann über die Notwendigkeit und den Grad der Pflege, so Anna Persson, Pflegeleiterin einer Einrichtung in Burlöv.

Demenzkranke erhalten besondere Pflege

In Burlöv legen die Pflegekräfte zusätzlich ein besonderes Augenmerk auf Demenzkranke. Dort werden Menschen mit Demenz engmaschiger und mit mehr Personal betreut als andere Personen. In ihren drei stationären Einrichtungen haben sie jeweils eigene Demenzstationen, erzählt Anna Persson. So trennen sie ihre Stationen in Pflegebedürftige mit Demenz, Pflegebedürftige mit körperlichen Einschränkungen und Pflegebedürftige mit kognitiver Einschränkung.

„Es vermischt sich aber auch schnell. Wir versuchen, bei der Aufnahme die richtige Abteilung zu wählen, wenn sich Krankheiten aber in den nächsten Jahren entwickeln, bleiben die Patienten auf den Stationen“, sagt Hanna Larsson.

Die schwedischen Pflegekräfte wollen von den Anklamern alles über das deutsche Gesundheitssystem und die Pflege lernen. Andersrum interessieren sich die deutschen Pflegekräfte für die Arbeit der Delegation ihrer Partnerstadt Burlöv.
Die schwedischen Pflegekräfte wollen von den Anklamern alles über das deutsche Gesundheitssystem und die Pflege lernen. Andersrum interessieren sich die deutschen Pflegekräfte für die Arbeit der Delegation ihrer Partnerstadt Burlöv. (Foto: Maxi Koglin)

Wie in Deutschland gibt es in Schweden aber auch eine Kurzzeitpflege. „Die ist für jeden, der zu krank fürs eigene Zuhause ist, aber zu gesund für die Klinik“, sagt Anna Persson. Genauso gibt es auch Palliativ-, Intensivpflege und mobile Pflege zu Hause, die sich kaum von der deutschen Pflegedienste unterscheiden. Nach dem ersten Kennenlernen sollen die schwedischen Pfleger von den Pflegerinnen des Pflegedienstes Baltz nun auch mit zu den Kunden vor Ort genommen werden, damit ein Austausch in der Praxis und nicht nur in der Theorie stattfinden kann.