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Wenn Schneeschieber und Salz plötzlich zur Mangelware werden

Loitz, Jarmen / Lesedauer: 3 min

Wegen des Wintereinbruchs sind bestimmte Baumarkt-Artikel plötzlich stark gefragt. In Jarmen etwa gibt es nur noch „Hexenbesen“.
Veröffentlicht:01.12.2023, 06:43

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Als hätten sie genau geahnt, was da jetzt auf das mittlere Peene- und Tollensetal zukommt, findet sich seit der vorletzten November-Woche im Kassenbereich des Loitzer Bau- und Eisenwaren-Fachmarktes Twyhues eine frisch zusammengestellte „Winter-Ecke“. Relativ klein, aber bestückt mit eben jenen Dingen, die Grundstücksbesitzer und Kraftfahrer gut gebrauchen können, um sich gegen Schnee und Eis zu wappnen. Und diese Stelle wird gegenwärtig von so vielen Kunden angesteuert wie seit Jahren nicht mehr.

Sind die Exemplare aus dem Norden besser?

Schon am Dienstag setzte der Run insbesondere auf Streusalz und Räumgerät ein, so richtig in die Vollen ging es dann am Mittwoch. Zeitweise im Takt von wenigen Minuten rückten die Leute an, um sich einen der Schneeschieber zu sichern. Sodass der Bestand schneller abschmolz als ein Zapfen an der Dachrinne in der Frühlingssonne.

Gut ausgerüstet: Auch diese jungen Leute in Tutow machten sich an den Räumdienst auf Vorpommerns Bürgersteigen. Doch wer solche Gerätschaften jetzt noch kaufen will, muss wohl erstmal suchen oder warten.
Gut ausgerüstet: Auch diese jungen Leute in Tutow machten sich an den Räumdienst auf Vorpommerns Bürgersteigen. Doch wer solche Gerätschaften jetzt noch kaufen will, muss wohl erstmal suchen oder warten. (Foto: Stefan Hoeft)

Dabei griffen die Menschen meist auf die größte und teuerste Variante zurück, die eines finnischen Markenherstellers, wie Geschäftsführer Sven Twyhues dem Nordkurier berichtete. Obwohl daneben durchaus preisgünstigere Exemplare standen. Auch die Vorpommern vertrauten offenbar dem Ruf der Skandinavier, sich in Sachen Winter besonders gut auszukennen.

Derweil widersprach der Unternehmer gerade nach den Erfahrungen der Corona-Pandemie aufkommenden Ängsten, dass es die letzten derartigen Gerätschaften gewesen sein könnten, die es bei ihnen noch zu erstehen gab. „Im Augenblick ist das der Rest, aber die sind noch weiter lieferbar.“ Wobei heute die Modelle aus Kunststoff mit Metallkante als favorisiert gelten, Schaufeln aus Holz oder Aluminium deutlich seltener nachgefragt werden.

Gähnende Leere

„Einen gewissen Grundbestand haben wir natürlich immer vorrätig“, erklärte er mit Blick auf das frostige Spezialsortiment. Doch in den vergangenen ein bis zwei Jahren staubte das großteils ein, weil die Winter so mild waren, dass nur wenig Nachfrage herrschte. „Dann räumt man das eben wieder hinten ins Lager - bis zum nächsten Jahr“, so Sven Thwyhues. Wohl wissend, dass diese Dinge – richtig aufbewahrt – eben nicht schlecht werden sowie trotz des Klimawandels weder Väterchen Frost noch Frau Holle gänzlich arbeitsfrei machen dürften. 

Eine Erkenntnis, die diese Woche auch auf der anderen Peene-Seite Auswirkungen hatte, und zwar ziemlich rasch. Denn im Jarmener Bauhandel Lübke herrscht gerade gähnende Leere, was Streusalz und Schneeschieber angeht. Am Dienstag sei die Nachfrage noch verhalten gewesen, berichtete Mitarbeiter Paul Volgmann, doch am Mittwoch ging dann ab der Früh ein regelrechter Ansturm los. Wahrscheinlich hätten die Leute gedacht, dass der erste Flockenwirbel nur eine Art kurzes Gastspiel des Winters darstellte, und sahen sich dann tags darauf auf eindrückliche Weise eines Besseren belehrt. „Wir haben selbst nicht damit gerechnet, dass es so extrem wird“, räumte der Angestellte ein. Deshalb war noch gar kein Auftaumittel vor Ort.

Alles zum Schieben und Fegen ausverkauft: Maximal solche „Hexenbesen“ aus Reisig hat Paul Volgmann vom Bauhandel Lübke in Jarmen jetzt noch im Angebot. Nachschub soll nächste Woche kommen.
Alles zum Schieben und Fegen ausverkauft: Maximal solche „Hexenbesen“ aus Reisig hat Paul Volgmann vom Bauhandel Lübke in Jarmen jetzt noch im Angebot. Nachschub soll nächste Woche kommen. (Foto: Stefan Hoeft)

Ohne Zauberei kaum geeignet

„Streusalz sollte nächste Woche kommen“, erklärte er. Wagte angesichts der überall gestiegenen Nachfrage und etwaiger Transport-Engpässe und Verkehrsprobleme durch das Winterwetter aber keine Prognose, ob das nun tatsächlich klappt. Zumindest Schneeschieber würden dann wieder in dem Jarmener Geschäft eintreffen. Und das wird auch Zeit, weil mittlerweile sogar sämtliche Besen vergriffen sind, „also alles, was irgendwie zum Schneeräumen geht“, wie Paul Volgmann schilderte. Einzig einige Exemplare aus Reisig könne er gegenwärtig noch bieten, meinte der junge Mann mit einem Schmunzeln. Also die im Volksmund als „Hexenbesen“ bekannten Teile. Die indes dürften ohne Zauberei nur bedingt für mehr als etwas leichten Flockenflaum geeignet sein.